Algerien Ex-Ministerpräsident Sellal festgenommen

Zwei Monate nach dem Abtritt des algerischen Langzeitherrschers Bouteflika geraten ehemalige Regierungsmitglieder in den Fokus der Justiz: Nun muss sich der frühere Ministerpräsident Sellal verantworten.

Abdelmalek Sellal (April 2014): Vorwürfe des Machtmissbrauchs und der Vetternwirtschaft
Sidali Djarboub/AP

Abdelmalek Sellal (April 2014): Vorwürfe des Machtmissbrauchs und der Vetternwirtschaft


Nach der vorläufigen Inhaftierung des algerischen Regierungschefs Ahmed Ouyahia ist auch der frühere Ministerpräsident Abdelmalek Sellal festgenommen worden. Der oberste Gerichtshof des nordafrikanischen Landes ordnete den Schritt wegen Vorwürfen der Korruption an, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Ein Untersuchungsrichter hatte ihn der staatlichen Nachrichtenagentur APS zufolge wegen Verschwendung öffentlicher Gelder, Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft in mehreren Fällen befragt.

Wie Ouyahia hatte Sellal unter dem Langzeitherrscher Abdelaziz Bouteflika als Ministerpräsident gedient. Ouyahia war im März während der Massenproteste gegen Bouteflika zurückgetreten und war jüngst ebenfalls im Zuge von Korruptionsermittlungen vorläufig inhaftiert worden. Auch gegen zehn weitere Angehörige von Bouteflikas Regierung, darunter dessen Bruder Said, wird wegen Korruption ermittelt. Bouteflika hatte in Algerien über zwei Jahrzehnte geherrscht und war im April im Alter von 82 Jahren zurückgetreten.

Algerien befindet sich seit Monaten in einer politischen Krise mit anhaltenden Massenprotesten. Seit 16 Wochen demonstrieren Algerier regelmäßig jeden Freitag gegen die Machtelite. (Mehr zur aktuellen Lage in Algerien lesen Sie hier.)

asa/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.