Vor der Präsidentenwahl Algeriens Staatschef kehrt heim - Streik gegen Bouteflika

Seit rund drei Wochen protestieren Algerier gegen ihren Staatschef. Nun kehrt Abdelaziz Bouteflika nach medizinischer Behandlung in der Schweiz heim - in ein zerrissenes Land im Aufruhr.

Demos gegen Staatschef Abdelaziz Bouteflika in Paris
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Demos gegen Staatschef Abdelaziz Bouteflika in Paris


Nach rund zweiwöchiger medizinischer Behandlung in der Schweiz hat sich Algeriens altersschwacher Präsident Abdelaziz Bouteflika auf den Heimweg gemacht. Dort erwartet ihn ein Machtkampf um seine erneute Kandidatur.

Eine Maschine der algerischen Regierung hob am Sonntag nach Angaben des Dienstes Flight Radar vom Flughafen in Genf ab. An Bord sei der Präsident, sagte ein Sprecher Bouteflikas der Nachrichtenagentur dpa.

Die Proteste gegen Bouteflika rissen auch am Wochenende nicht ab. Am Sonntag traten in mehreren Städten des nordafrikanischen Landes viele Geschäfte und Mitarbeiter von Unternehmen in einen Generalstreik. In Algier blieben zahlreiche Läden und Märkte geschlossen. Ganze Straßenzüge waren menschenleer.

Wie algerische Medien und Aktivisten meldeten, waren auch große staatliche und private Unternehmen von dem Ausstand betroffen, etwa der Konzern Cevital. Man solidarisiere sich mit den Streikenden, twitterte das Unternehmen. In Algiers - wie auch in der französischen Hauptstadt Paris - gab es Proteste.

Der Aufstand richtet sich gegen eine weitere Kandidatur des Staatschefs bei der Präsidentenwahl am 18. April. Bouteflika ist bereits seit 20 Jahren an der Macht und strebt eine fünfte Amtszeit an. Seine Gegner sehen ihn jedoch nicht mehr in der Lage, das Land zu regieren.

Seit einem Herzinfarkt sitzt der 82-Jährige im Rollstuhl und hat große Probleme beim Sprechen. Vor zwei Wochen war er zu medizinischen Untersuchungen nach Genf gereist. Sein genauer Gesundheitszustand ist Gegenstand von Spekulationen.

Eine zentrale Rolle im Ringen um Bouteflikas Rolle spielt das Militär, eine der wichtigsten Machtsäulen im Land. Stabschef Ahmed Gaid Salah würdigte in einer Rede, die das staatliche Fernsehen übertrug, die "Einheit von Armee und Volk". Beide hätten dieselbe Zukunftsvision. Die Proteste erwähnte er nicht.

Die Demos hatten vor mehr als zwei Wochen begonnen. Am Freitag war es in vielen Städten des Landes zum bislang größten Massenprotest gegen Bouteflika gekommen. Bei Zusammenstößen wurden allein in Algier mehr als 200 Menschen verletzt. Die Polizei setzte Tränengas ein, es flogen Steine und Gummigeschosse.

Offizielle Stellen sprachen von "Chaoten", die im Nationalmuseum für Altertümer und Islamische Kunst randaliert und geplündert hätten. Bilder zeigten ausgebrannte Räume und zerstörte Vitrinen. 195 Menschen wurden festgenommen.

lov/AP/dpa

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