Algerien Tausende protestieren gegen fünfte Amtszeit von Präsident Bouteflika

Trotz Demonstrationsverbot sind Tausende Algerier gegen eine erneute Kandidatur des 81-jährigen Machthabers Bouteflika auf die Straße gegangen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.
Demonstrant in Algier

Demonstrant in Algier

Foto: Anis Belghoul/ dpa

In Algerien sind nach den Freitagsgebeten Menschen im ganzen Land auf die Straße gegangen, um gegen Präsident Abdelaziz Bouteflika zu protestieren. Die Demonstrationen richteten sich gegen eine fünfte Amtszeit des gesundheitlich angeschlagenen Machthabers. Die Polizei löste eine Demonstration in der Hauptstadt Algier mit Wasserwerfern und Tränengas auf. Bouteflika hatte erst kürzlich angekündigt, bei der Präsidentschaftswahl Mitte April erneut anzutreten.

Trotz eines offiziellen Demonstrationsverbots gingen sowohl in Algier als auch in weiteren Städten Tausende auf die Straßen. Im Internet tauchten Videos aus verschiedenen Städten Algeriens auf, die die Proteste zeigten. Die Menschen skandierten: "Das Volk will einen Wechsel des Systems" und "Nein zu einer fünften Amtszeit". Die Sicherheitskräfte hatten bereits morgens einen zentralen Platz im Stadtzentrum von Algier abgeriegelt. Dennoch gelang es den Demonstranten, gen Präsidentenpalast zu marschieren.

Dort kam es laut lokaler Medien zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Demonstranten. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein und löste die Demonstration nach Augenzeugenberichten schließlich am Freitagabend auf. Nachdem die Demonstranten zurückgedrängt worden waren, warfen sie Steine und andere Wurfgeschosse auf die Sicherheitskräfte, die die Zugangsstraßen zum Präsidentenpalast versperrten.

Bouteflika vor fünfter Amtszeit

Erst vor zwei Wochen hatte der 81 Jahre alte Präsident Bouteflika verkündet, bei den Wahlen Mitte April für eine fünfte Amtszeit zu kandidieren. Seitdem kommt es immer wieder zu Protesten. Bouteflika sitzt nach einem Schlaganfall 2013 im Rollstuhl und tritt nur noch selten öffentlich auf. Er war 1999 als Wunschkandidat des Militärs zum Präsidenten gewählt worden.

Mehrere Oppositionsparteien hatten sich in der vergangenen Woche getroffen, um einen gemeinsamen Gegenkandidaten aufzustellen. Sie konnten sich allerdings nicht auf eine Person einigen.

Fotostrecke

Machtkampf in Algerien: Wer regiert in Algier?

Foto: RYAD KRAMDI/ AFP

Die Demonstranten forderten auch den Rücktritt von Ministerpräsident Ahmed Ouyahia. Für den Sonntag sind erneut Proteste angekündigt. Eigentlich hätte Bouteflika an diesem Tag die neuge Große Moschee von Algier einweihen sollen. Wie das Präsidialamt mitteilte, werde Bouteflika allerdings zu einem "regulären medizinischen Kontrollbesuch" nach Genf reisen.

lie/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.