Bouteflika-Nachfolger Algerien wählt früheren Regierungschef Tebboune zum Präsidenten

Abdelmadjid Tebboune hat bei der Präsidentschaftswahl in Algerien die Mehrheit der Stimmen erhalten. Er folgt auf den zurückgetretenen Staatschef Bouteflika. Am Wahltag hatte es massive Proteste gegeben.
Wahlsieger: Abdelmadjid Tebboune erhielt Mehrheit der Stimmen bei der Algerien-Wahl

Wahlsieger: Abdelmadjid Tebboune erhielt Mehrheit der Stimmen bei der Algerien-Wahl

Foto: Ramzi Boudina/ REUTERS

In Algerien ist der frühere Regierungschef Abdelmadjid Tebboune zum Präsidenten gewählt worden. Nach offiziellen Angaben erreichte Tebboune bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit mit 58 Prozent der Stimmen, wie die Nationale Wahlbehörde ANIE mitteilte.

Tebboune war unter dem im April zurückgetretenen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika mehrfach Minister und 2017 schließlich drei Monate lang Ministerpräsident.

An der Präsidentschaftswahl beteiligten sich laut Wahlbehörde so wenige Menschen wie noch nie in Algerien. Die Wahlbeteiligung lag bei 39,93 Prozent. Sie war damit mehr als zehn Prozentpunkte niedriger als bei der vorangegangenen Präsidentschaftswahl im Jahr 2014, bei der Bouteflika seinen vierten Sieg davon getragen hatte.

Zu der Präsidentschaftswahl waren fünf Kandidaten zugelassen. Ihnen wird vorgeworfen, dem alten Führungszirkel aus der Bouteflika-Ära anzugehören. Drei von ihnen waren in früheren Regierungen von Bouteflika vertreten, davon zwei als Ministerpräsidenten.

Protest gegen Kandidaten

Die Präsidentenwahl am Donnerstag war von Massenprotesten und Ausschreitungen begleitet worden. Allein in der Hauptstadt Algier gingen Zehntausende Menschen auf die Straßen. Sie sahen in den fünf zugelassenen Kandidaten eine Fortsetzung der Politik des im April zurückgetretenen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika.

In einigen Städten und Gemeinden Algeriens waren die Wahlbüros am Donnerstag aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Vor allem in den von Berbern dominierten Regionen im Osten des nordafrikanischen Landes war es zu massiven Protesten und Ausschreitungen gegen die Wahl gekommen. In der Stadt Bouira hatten Demonstranten das Büro der Wahlkommission in Brand gesetzt, wie auf Videos in den sozialen Netzwerken zu sehen war.

20 Jahre regierte Bouteflika Algerien. Anhaltende Massenproteste mit Hunderttausenden Menschen auf den Straßen ließen seinen Rückhalt auch innerhalb des mächtigen algerischen Militärs schwinden. Die Proteste halten seitdem dennoch an.

mho/dpa/AFP