Algier Begnadigte Untergrundkämpfer brachten Dutzende Menschen um

Sie rissen Dutzende Menschen mit in den Tod: Die Selbstmordattentäter von Algier waren erst im vorigen Jahr durch eine Amnestie aus dem Gefängnis entlassen worden, wie nun bekannt wurde. Die Zahl der Opfer der Anschläge stieg unterdessen weiter an.


Algier - Nach neuen Angaben aus Behördenkreisen handelte es sich bei den Attentätern von Algier um zwei begnadigte algerische Untergrundkämpfer. Sie hatten sich am Dienstag nahezu zeitgleich mit voll Sprengstoff geladenen Lastwagen vor dem Uno-Gebäude und dem algerischen Verfassungsrat in Algier in die Luft gesprengt. Mehrere Dutzend Menschen kamen dabei ums Leben.

Hilfe für Verletzte nach den Anschlägen in Algier am Dienstag: Sicherheitskräfte bergen Opfer
REUTERS

Hilfe für Verletzte nach den Anschlägen in Algier am Dienstag: Sicherheitskräfte bergen Opfer

Der 32-jährige Selbstmordattentäter Charef Larbi war 2006 aus dem Gefängnis freigelassen worden, wie ein Sicherheitsbeamter am Donnerstag in Algier mitteilte. Der 64-jährige Chebli Brahim habe zudem Krebs im fortgeschrittenen Stadium gehabt. Die Zeitungen "El Watan" und "L'Expression" meldeten ähnliche Informationen über die Attentäter. Brahim, der ältere der beiden, habe sich vor dem Uno-Büro in die Luft gesprengt, berichteten die Zeitungen unter Berufung auf Sicherheitskreise. Er habe zwei Söhne gehabt, die ebenfalls Untergrundkämpfer waren, jedoch in Gefechten mit Soldaten getötet worden seien.

Die Zahl der Todesopfer der Anschläge stieg unterdessen weiter an: Dem Innenministerium zufolge wurden in dem Uno-Gebäude sechs weitere Leichen entdeckt - damit sei die Zahl der Toten auf 37 gestiegen. Nach Angaben der Vereinten Nationen in New York befinden sich unter den Opfern 17 Uno-Mitarbeiter.

Zu den Anschlägen hatte sich die Terrororganisation al-Qaida im Maghreb bekannt. Islamische Extremisten führen seit 15 Jahren einen blutigen Untergrundkrieg gegen die Regierung. Mit Amnestieangeboten bei gleichzeitigen landesweiten Razzien schien es der Regierung zuletzt zu gelingen, den Aufstand einzudämmen. Tausende von Untergrundkämpfern nahmen das Amnestieangebot an und stellten sich. Ende vergangenen Jahres tauchte aber die al-Qaida im Maghreb als nordafrikanischer Ableger des Terrornetzwerks von Osama Bin Laden auf, und die Gewalt nahm wieder zu.

tno/AP/dpa



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