SPIEGEL ONLINE

Nationalisten-Treffen in Washington Empörung über "Heil Trump"-Rufe

In Donald Trumps Wahlkampf spielte die ultrarechte "Alt Right"-Bewegung eine zentrale Rolle. Jetzt ist ein Video aufgetaucht, das die US-Nationalisten beim Feiern zeigt - mit Nazi-Rhetorik und Hitlergruß.

Zwei Tage nach einem viel beachteten Treffen der nationalistischen "Alt Right"-Bewegung in Amerikas Hauptstadt sorgt eine Videoaufzeichnung der Veranstaltung für Empörung. In dem Ausschnitt ist eine Rede Richard Spencers zu sehen, er ist Chef des gastgebenden Thinktanks National Policy Institute und einer der Anführer der "alternativen Rechten". Das US-Magazin "The Atlantic" hat das dreiminütige Video  am Montagabend veröffentlicht.

Spencer spricht darin von der "Überlegenheit der weißen Rasse". Er würdigt Juden herab, attackiert die Medien unter der Verwendung des deutschen Begriffs Lügenpresse und schließt seine Rede mit dem Ausruf "Heil Trump! Heil unserem Volk! Sieg Heil!" (im Original: "Hail Trump, Hail our people, Hail victory"). Daraufhin reißen viele Zuschauer den rechten Arm zum Hitlergruß in die Höhe.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Worte mögen eine gezielte Provokation Spencers gewesen sein, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Zugleich vermitteln Video und Rede einen neuen Blick auf die "Alt Right". Im Wahlkampf Donald Trumps spielte die ultrarechte Bewegung eine zentrale Rolle. Seitdem geben sich Beobachter Mühe, die Gruppe zu verorten sowie ihre Beziehung zu Trumps Chefstrategen Stephen Bannon einzuschätzen.

Bannon war bis zu seinem Wechsel ins Trump-Team Chef der rechten Nachrichtenseite "Breitbart News". Er bezeichnete sie einst als "Plattform der Alt Right" - eine Aussage, die er kürzlich relativierte (hier lesen Sie hier mehr zu der Plattform).

Was die "Alt Right" will

Die Bewegung vereint ultrarechte Ansichten verschiedener Strömungen, von Nationalisten über Antisemiten bis zu Rassisten. Sie will eine sogenannte weiße Identität ins Zentrum von Politik stellen, ähnlich wie identitäre Bewegungen in Europa.

Bei der Konferenz am Samstag, die in einem Regierungsgebäude unweit des Weißen Hauses stattfand, bemühten sich Spencer und weitere der insgesamt mehr als 250 Teilnehmer zunächst, jegliche Nähe zum NS-Gedankengut abzustreiten. Sie sprachen über eine angebliche Marginalisierung der Weißen und forderten die Trennung von Volksgruppen - auf "friedlichem Wege", wie stets betont wurde.

Fotostrecke

"Alternative Rechte" in USA: Nationalisten, Antisemiten, Rassisten

Foto: SPIEGEL ONLINE

Spencer sagte, es sei die Aufgabe der "Alt Right", mit Forderungen auf den Kurs der kommenden Trump-Regierung einzuwirken. Er forderte einen 50-jährigen Einwanderungsstopp in die USA. (Lesen Sie hier eine Reportage vom "Alt Right"-Treffen vom Samstag.)

Das Trump-Team reagiert

Am Montagabend reagierte ein Sprecher von Trumps Übergangsteam auf Presseanfragen zum Vorfall. Trump habe "wiederholt jede Art von Rassismus zurückgewiesen" und werde ein Präsident "für jeden Amerikaner" sein. Trump hat seinen Wahlkampf mit heftigen Attacken gegen Einwanderer und Mexikaner bestritten.

Das Holocaust-Museum in Washington teilte mit, man sei "von der hasserfüllten Rhetorik der Konferenz zutiefst alarmiert". Man rufe alle Bürger sowie "die Führung aller Teile der Regierung dazu auf, rassistischem Denken und spalterischer Hetze entgegenzutreten".

Während des Treffens der "Alt Right" gab es mehrere Proteste. Ein Restaurant, in dem Teilnehmer am Freitagabend vor der Konferenz aßen, wurde kurzzeitig von Gegendemonstranten gestürmt, die sich als Antifaschisten bezeichneten.

Das fragliche Restaurant, ein Italiener im Nordwesten der Stadt, bat nun um Entschuldigung dafür, dass es seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat. Man habe nicht gewusst, wen man beherbergt habe. Die Einnahmen des Freitags in Höhe von 10.000 Dollar würden an die "Anti Defamation League" gespendet, eine Organisation, die gegen Antisemitismus eintritt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.