"Alternative Rechte" Beste Kontakte zu Neonazis - und ins Weiße Haus

Mit Steve Bannon ist ein Vertreter der "Alt Right" im Weißen Haus angekommen. Zu der Bewegung zählen sich Rechtsextremisten, Neonazis und ehemalige KKK-Führer. Und sie hat enge Kontakte nach Europa.

AFP

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Als feststand, dass Steve Bannon künftig Donald Trump in allen wichtigen Dingen beraten wird, ließen einige der bekanntesten Rassisten Amerikas mit freudigen Reaktionen nicht lange auf sich warten. "Stratege ist die beste Position für Bannon im Weißen Haus", twitterte Richard Spencer, Chef des nationalistischen Thinktanks National Policy Institute. "Stabschef wäre noch besser gewesen", schrieb Neonazi Andrew Anglin. "Unser Mann im Weißen Haus", hieß es in den Kommentaren.

Die Freude ist begründet: Spencer und Anglin identifizieren sich als Teil der Alternativen Rechten, kurz "Alt Right", - und Bannon versteht sich als Sprachrohr dieser Bewegung. Mit seinem Wechsel ins Weiße Haus ist die "Alt Right" im Zentrum der Macht angekommen.

Bannon und Trump
Getty Images

Bannon und Trump

Bannons Website "Breitbart News" beschreibt die Bewegung als Aufstand der Mittelklasse gegen die korrupte globale Elite. Doch die Alt-Right ist weit mehr als das, sie ist keine Organisation mit einem gemeinsamen Anliegen, sondern ein Sammelbecken für all diejenigen, denen der Konservatismus der US-Republikaner zu weich ist: Rechtspopulisten, Faschisten, Antisemiten, Neonazis, Rassisten. Sie alle eine der Glaube, die weiße Identität sei durch Einwanderung, multikulturelle Gesellschaft und Political Correctness in Gefahr, schreibt das Southern Poverty Law Center (SPLC).

Wie eng verknüpft rassistische Ideologien und der Wunsch nach einer weißen Vorherrschaft mit der "Alt Right" sind, wird deutlich, wenn man sich genauer mit ihrem Namensgeber Richard Spencer beschäftigt. Der selbst ernannte "Karl Marx der Alt-Right" träumt von einer arischen Nation und fordert eine "friedliche ethnische Säuberung". 2010 gründete er das Blog alternative-right, später folge das rassistische "Radix Journal".

Richard Spencer
Tim Goessman/ The New York Times/ Redux/ laif

Richard Spencer

Spencer ist in der rechten Szene bestens vernetzt. Als er im September auf einer Pressekonferenz in New York die "Alt Right" vorstellte, stand unter anderem Jared Taylor, selbst ernannter "Race Realist" und Macher der rechtsextremen Zeitschrift "American Renaissance", mit auf der Bühne.

"Trumps Regierung direkt beeinflussen"

Neonazi Anglin veröffentlichte auf seiner offen rechtsextremen Seite "Daily Stormer" pünktlich zu Bannons Wechsel an Trumps Seite einen Guide für die "Alt Right". "Wenn Trump gewinnt, haben wir die Möglichkeit, seine Regierung direkt zu beeinflussen", schrieb Anglin. Dafür müsse sich die Bewegung gut organisieren. Seinen Eintrag schloss Anglin mit den Worten "Sieg Heil" und einem Bild von Adolf Hitler.

Jared Taylor
Getty Images/ The Washington Post

Jared Taylor

Anglin wiederum pflegt engen Kontakt zum ehemaligen Anführer des Ku-Klux-Klans, David Duke, unterhält sich in Radiosendungen und gegenseitigen Interviews gerne mit ihm über die Zukunft der "Alt Right".

"Die Bewegung ist nicht monolithisch", schreibt das SPLC. Das zeigt sich vor allem an der Frage des Umgangs mit Juden. Während einige Anhänger Juden als Weiße sehen, sind andere offen antisemitisch. Als die Journalistin Julia Ioffe ein Porträt über Trumps Ehefrau Melania veröffentlichte, wurde sie auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken von Anhängern der "Alt Right" bedroht. Sie solle "in einem Ofen verbrannt" werden, schrieb einer. Andere verbreiteten ein Foto der Journalisten in KZ-Uniform und dem Verweis auf Auschwitz.

Ioffe ist nicht die einzige Journalistin, die Opfer antisemitischer Hetze wurde. Immer wieder markieren "Alt Right"-Anhänger jüdische Prominente in sozialen Netzwerken mit Symbolen, zum Beispiel in dem sie ihre Namen in drei Klammern setzen.

Verbindungen nach Europa

Bei europäischen Rechtspopulisten kommt die "Alt Right" gut an - das liegt auch an den inhaltlichen Überschneidungen. "Auch als eher an den Entwicklungen am Kontinent interessierter Identitärer" könne man seine Sympathien für Menschen wie Richard Spencer und andere prominente Vertreter der Bewegung nicht verhehlen, schreibt zum Beispiel Alexander Markovics, Mitglied der rechtsradikalen Identitären Bewegung Österreichs in einem Artikel. Sie stünden "genauso wie wir Europäer in der Alten Welt im Kampf um ihre Identität." Er rät den Lesern, die Entwicklungen in den USA zu beobachten und "einen ideellen Austausch zu betreiben".

Der enge persönliche Kontakt zwischen der "Alt Right" und der europäischen Rechten zeigte sich unter anderem bei einer von Spencers Institut organisierten Konferenz in Budapest: Dort standen neben Taylor und Spencer auch Philippe Vardon vom französischen Bloc Identitaire, der rechtsextreme Jobbik-Politiker Márton Gyöngyösi aus Ungarn und der österreichische Identitäre Markus Willinger auf der Rednerliste. Dass am Ende nur Taylor in Budapest war, lag unter anderem am Eingreifen der ungarischen Behörden: Viktor Orbán ließ die Konferenz verbieten - wohl, um einem internationalen Aufschrei zuvorzukommen.

"Alt Right"-Sprachrohr "Breitbart" hat unterdessen angekündigt, nach Frankreich und Deutschland expandieren zu wollen, um die Rechtspopulisten zu unterstützen. Zumindest beim Front National sieht man offenbar keine Gründe, die gegen eine Kooperation mit "Breitbart" sprächen: Sie wäre "glücklich" über eine Zusammenarbeit, sagte die rechtsextreme französische Politikerin Marion Maréchal-Le Pen. Eine Antwort der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland steht noch aus.

Twitter hingegen reicht es mit der rassistischen Hetze der "Alt Right" - zumindest teilweise: Das soziale Netzwerk sperrte am Mittwochabend einige der Meinungsführer, darunter auch Spencers Account.


Zusammengefasst: Steve Bannon hat mit "Breitbart News" der sogenannten Alternativen Rechten in den USA eine Plattform gegeben. Die Bewegung ist ein Sammelbecken für Rassisten, Rechtsradikale und Antisemiten. Führende Neonazis und Rechtsradikale, die sich als "Alt Right" identifizieren, feiern seine Ernennung zum Chefstrategen von Donald Trump bereits als Erfolg - sie versprechen sich davon mehr Einfluss auf das Weiße Haus.

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