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Alternative Nobelpreisträger 2009: Helden im Hintergrund

Foto: Right Livelihood Award

Alternativer Nobelpreis Helden im Hintergrund

Es ist die Auszeichnung für Mut und Menschlichkeit: In diesem Jahr gewinnen eine Ärztin, Klimaschützer und ein Abrüster den Alternativen Nobelpreis - Helfer, die im Hintergrund Großes bewirken. SPIEGEL ONLINE stellt die Preisträger vor.

Hamburg - Sie leisten Besonderes, aber arbeiten oft im Hintergrund: Der Alternative Nobelpreis bringt unbekannte Aktivisten und Idealisten für einen Moment in den Fokus der Öffentlichkeit. Am Dienstag stellte die Right Livelihood Award Stiftung in Stockholm ihre diesjährigen Preisträger vor.

Ausgezeichnet wurden René Ngongo, Biologe aus dem Kongo, der neuseeländische Friedensaktivist Alyn Ware und die in Äthiopien praktizierende Ärztin Catherine Hamlin. Der Ehrenpreis ging an den kanadischen Klimaexperten David Suzuki.

Die internationale Jury will in diesem Jahr auf zwei Probleme aufmerksam machen - den drohenden Klimawandel und die anhaltende Not in Afrika. "Die Preisträger zeigen konkret, was getan werden kann und muss, um den Klimawandel zu begrenzen, die Welt von Atomwaffen zu befreien und um lebenswichtige medizinische Behandlung auch für die Armen und Benachteiligten bereitzustellen", begründete das Komitee seine Auswahl.

Mehr als 80 Kandidaten aus 46 Ländern wurden vorgeschlagen. Im Gegensatz zur Nobelpreisjury gibt die Stiftung keine festen Bereiche wie Medizin oder Physik vor. So können auch Leute geehrt werden, die nicht in diese Kategorien passen - jeder darf Kandidaten für den Preis ins Spiel bringen. 2008 war die Kölner Ärztin Monika Hauser unter den Ausgezeichneten. Die von ihr gegründete Hilfsorganisation "medica mondiale" kümmert sich seit Jahren um Frauen, die in Krisenregionen sexuelle Gewalt erfahren haben.

Eine Ärztin, ein Biologe, ein Umweltschützer und ein Friedensaktivist - SPIEGEL ONLINE stellt die Gewinner des Alternativen Nobelpreises vor:

David Suzuki - Ehrenpreis für den kanadischen Klimaschützer

Das Komitee des alternativen Nobelpreises ehrt David Suzuki, 73, für sein Lebenswerk. Der kanadische Zoologieprofessor setzt sich bereits seit den siebziger Jahren mit großem Engagement für den Klimaschutz ein. In seinem Heimatland genießt er eine riesige Popularität - vor allem als Moderator der Fernsehserie "The Nature of Things".

Doch sein Einsatz für die Umwelt geht weit darüber hinaus. Von 1982 bis 1987 war er Direktor der kanadischen Bürgerechtsvereinigung "Canadian Civil Liberties Association". 1990 rief er gemeinsam mit seiner Frau die David Suzuki Foundation ins Leben. Die Stiftung befasst sich mit Nachhaltigkeit, globaler Erwärmung, dem Schutz der Ozeane und erneuerbaren Energien. Sie fordert die Bürger auf, mit kleinen Änderungen am Alltagsleben zum Umweltschutz und zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beizutragen. Zu den Unterstützern gehören der Musiker Sting und die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood.

Der japanischstämmige Suzuki hat in seinem Leben bereits zahlreiche Ehrungen erhalten, darunter den höchsten kanadischen Orden für Zivilisten. Vor fünf Jahren wählten ihn die kanadischen TV-Zuschauer zum bedeutendsten noch lebenden Landsmann.

René Ngongo - ein Leben für den Regenwald im Kongo

René Ngongo, 49, setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz des Regenwaldes im Kongo ein. Das Schlüsselerlebnis für sein Engagement war der Blick auf ein Satellitenfoto des Kongo-Beckens, sagte er einmal dem "Greenpeace-Magazin". "Ich war entsetzt. Schlagartig wurde mir klar, wie weit die Abholzung des Urwaldes schon gediehen war. Sofort konnte ich mir ausmalen, was dies für die Bevölkerung heißt."

Der Regenwald im Kongo ist der zweitgrößte tropische Urwald der Welt. Die Menschen, die dort leben, setzen ihm durch Rodung für Nahrungsmittelanbau und Feuerholz zu. Besonders aber leidet der Wald unter kommerzieller Holzgewinnung. Der studierte Biologe Ngongo gründete 1994 die Naturschutzorganisation Ocean. Inzwischen engagieren sich dort landesweit Freiwillige für Waldfeldbau, Baumanpflanzungen in Städten und für die Wiederaufforstung besonders gefährdeter Baumarten.

Die Organisation leistet aber auch Erziehungshilfe, besonders über Radio- und TV-Programme. Ngongo machte sich ebenfalls einen Namen damit, illegale Diamantenminen auffliegen zu lassen. Vor einem Jahr übergab er die Führung von Ocean in jüngere Hände und gründete im Kongo eine Greenpeace-Filiale.

Catherine Hamlin - Ärztin bekämpft Tabu-Krankheit in Äthiopien

Die australische Ärztin Catherine Hamlin wanderte 1959 mit ihrem Mann nach Äthiopien aus, um dort als Hebamme und Gynäkologin zu arbeiten. Eigentlich wollte sie nur ein paar Jahre bleiben - mittlerweile ist Hamlin 85, und sie ist in Afrika geblieben.

Das Paar entwickelte eine Behandlungsmethode für Frauen, die bei der Geburt innere Verletzungen, sogenannte Fisteln erlitten haben. Das medizinische Problem ist in Europa kaum bekannt, aber in Afrika macht es Hunderttausenden Frauen das Leben zur Qual: Bei schwierigen Geburten wird die Blasenwand durchlöchert, ihr Leben lang verlieren die Frauen Urin. Oft werden sie nach der Geburt von ihren Familien verstoßen.

1975 gründete Hamlin ihre eigene Klinik in Addis Abeba, das Fistula-Hospital, in dem Frauen bis heute kostenlos operiert werden. Bis zu 3000 Mütter behandeln die Ärzte jährlich, fast ein Drittel der Fistula-Patientinnen in Äthiopien.

Das Krankenhaus ist auf Spenden aus dem Ausland angewiesen. Hamlin wird mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, "weil sie sich seit 50 Jahren der Behandlung von Patientinnen mit Geburtsfisteln widmet und dabei die Gesundheit, Hoffnung und Würde von Tausenden ärmster afrikanischer Frauen wiederhergestellt hat", begründet die Jury ihre Entscheidung.

Alyn Ware - Missionar für weltweite Abrüstung

Der Neuseeländer Alyn Ware wird ausgezeichnet "für seinen Einsatz und seine internationalen Initiativen über zwei Jahrzehnte zur Stärkung der Friedenserziehung und Schaffung einer atomwaffenfreien Welt." Die Right Livelihood Award Stiftung preist Ware als "einen der engagiertesten Friedensaktivisten", der zahlreiche Abrüstungsinitiativen unterstützt und angestoßen hat. Bei den Vereinten Nationen arbeitet Ware an Resolutionen zur Ächtung von Atomwaffen mit.

Der 45-Jährige ist der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, Interviews oder Porträts findet man von ihm kaum. Er zieht die Fäden im Hintergrund, etwa als Mitbegründer und Koordinator des Parlamentarischen Netzwerks für Nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung (PNND), ein Forum für Politiker, die Strategien für die nukleare Abrüstung entwickeln wollen. Das Netzwerk berät Abgeordnete, hilft etwa bei der Ausarbeitung von parlamentarischen Beschlüssen und Gesetzen und vermittelt Kontakte zu Experten von Nicht-Regierungsorganisationen.

Alyn Ware - ein ausgebildeter Vorschullehrer - macht sich zudem im Gebiet der Friedenspädagogik für Kinder und Jugendliche stark und leitet die neuseeländische Organisation Peace Foundation. Ware ist Berater des Anwaltskomitees für Atompolitik und der Internationalen Organisation der Anwälte gegen Atomwaffen.

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