Klima-Aktivistin Greta Thunberg erhält Alternativen Nobelpreis

Weil sie den Mächtigen der Welt die Wucht des Klimawandels vor Augen führt: Greta Thunberg erhält den Alternativen Nobelpreis. Neben der 16-Jährigen werden weitere Kämpferinnen und Kämpfer für Frauenrechte und Minderheiten geehrt.

Klima-Aktivistin Thunberg (am Wochenende in New York): "Den Mächtigen die Wahrheit sagen"
Carlo Allegri/REUTERS

Klima-Aktivistin Thunberg (am Wochenende in New York): "Den Mächtigen die Wahrheit sagen"


"Menschen leiden, Menschen sterben, unsere Ökosysteme brechen zusammen, wir stehen am Anfang eines Massensterbens", sagte Klimaaktivistin Greta Thunberg am Montag auf dem Klimagipfel in New York. "Und alles, worüber ihr sprechen könnt, ist Geld."

Es ist jene kompromisslose Art, "den Mächtigen die Wahrheit zu sagen", die der 16-jährigen Schwedin nun den Alternativen Nobelpreis eingebracht hat. Zusammen mit Greta Thunberg werden drei weitere Menschen geehrt: Die chinesische Juristin Guo Jianmei, die afrikanische Menschenrechtlerin Aminatou Haidar sowie Davi Kopenawa, Sprecher der indigenen Yanomami im brasilianischen Regenwald, der sich für den Erhalt des Amazonas einsetzt. Das Preisgeld beträgt jeweils eine Million schwedische Kronen, umgerechnet 94.000 Euro.

Der Right-Livelihood-Preis ("Preis für die richtige Lebensweise"), wie der Alternative Nobelpreis offiziell heißt, wird seit 1980 jedes Jahr in Stockholm verliehen, 2019 zum 40. Mal. Der schwedische Aktivist Ole von Uexküll, dessen Onkel Preisstifter ist und der die Stiftung mittlerweile leitet, sagte, die vier Geehrten motivierten Millionen von Menschen, "ihre eigenen Rechte zu verteidigen und sich für eine lebenswerte Zukunft für alle auf der Erde einzusetzen." In den vergangenen Jahren wurden unter anderem der US-Whistleblower Edward Snowden und der kongolesische Arzt Denis Mukwege ausgezeichnet.

Die Ausgezeichneten im Überblick:

Greta Thunberg

Greta Thunberg: "Und alles, worüber ihr sprechen könnt, ist Geld"
Kevin Lamarque/ REUTERS

Greta Thunberg: "Und alles, worüber ihr sprechen könnt, ist Geld"

Es war ein kurzes, ungeplantes Aufeinandertreffen - und sorgte sofort für weltweite Schlagzeilen: US-Präsident Donald Trump begegnete Greta Thunberg am Rande des Klimagipfels in New York. Trump und Thunberg in einem Raum, der kurze Videomitschnitt verbreitete sich rasant im Netz - und zeigt, welche Reichweite und Relevanz die Klimaaktivistin mittlerweile hat. Die schwedische Schülerin protestiert seit mehr als einem Jahr für mehr Klimaschutz. Aus ihrem wöchentlichen Schulstreik entwickelte sich die internationale Klimaprotestbewegung "Fridays for Future" . Ihr beständig gewachsener Einfluss bewegte die Stiftung nun dazu, Thunberg auszuzeichnen. "Sie steht für die Idee, dass jeder die Macht hat, etwas zu verändern", heißt es in der Erklärung. Sie verschaffe der politischen Forderung nach dringenden Klimaschutzmaßnahmen weltweit Gehör. Ihr Beispiel habe Menschen aus allen Lebensbereichen inspiriert, politische Aktionen zu fordern.

Aminatou Haidar

Aminatou Haidar 2014 in Paris: Bekannteste Stimme der Sahrauis
Kristy Sparow/ WireImage/ Getty Images

Aminatou Haidar 2014 in Paris: Bekannteste Stimme der Sahrauis

Zehn Jahre ist es her, dass die Menschenrechtlerin Aminatu Haidar am Flughafen der spanischen Insel Lanzarote in Hungerstreik trat und nur Wasser zu sich nahm. Ärzte fürchteten zeitweise um das Leben der heute 53 Jahre alten Nordafrikanerin. Seitdem hat Haidar immer wieder mit Hungerstreiks und Protesten auf ihren Kampf aufmerksam gemacht: den Kampf für die Sahrauis, die Wüstenbewohner der Westsahara. Zuerst wurde das Volk von den spanischen Kolonialherren unterdrückt, später von der marokkanischen Regierung. Für ihren friedlichen Protest war Haidar bereits für den Friedensnobelpreis nominiert und wird immer wieder als "Gandhi der Westsahara" bezeichnet. Sie ist die bekannteste Stimme ihres Volkes und wurde wegen ihrer Proteste jahrelang in marokkanischen Gefängnissen festgehalten. Die Stiftung in Stockholm ehrt sie "für ihren unerschütterlichen gewaltlosen Widerstand, trotz Gefangenschaft und Folter, im Streben nach Gerechtigkeit und Selbstbestimmung für das Volk der Westsahara."

Guo Jianmei

Guo Jianmei: Schafft rechtliche Beratung für Frauen
Keith B. Richburg/ The Washington Post/ Getty Images

Guo Jianmei: Schafft rechtliche Beratung für Frauen

Die Juristin Guo Jianmei setzt sich seit über 20 Jahren für Frauenrechte in China ein. 1995 gründete sie das Women's Legal Research and Services Centre, eine NGO, die Frauen in Notlagen rechtlich berät und ihre Interessen vertritt. "Sie verschaffte Tausenden benachteiligten Frauen Zugang zu Gerechtigkeit", so die Stiftung in Stockholm in ihrer Preisbegründung. Guo prangert immer wieder Geschlechterungleichheiten in China an, es geht um häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und Missbrauch. "In meiner Familie galten Männer seit jeher als überlegen", sagte sie einmal in einem Interview: "Meine Großmutter starb mit nicht einmal 40 Jahren. Sie verhungerte, während sie Brot verkaufte. Dabei war noch etwas Brot übrig. Doch aus Angst, verprügelt zu werden, hat sie nicht davon gegessen." 2005 schuf Guo ein Netzwerk aus Anwälten, die Frauen in abgelegenen ländlichen Regionen rechtlich beraten. Die Stiftung begründete, die 58-Jährige verdiene den Preis "für ihre bahnbrechende und beharrliche Arbeit zur Stärkung der Frauenrechte in China".

Davi Kopenawa

Davi Kopenawa: Sprecher der Yanomami im brasilianischen Urwald
Leon Neal/ AFP

Davi Kopenawa: Sprecher der Yanomami im brasilianischen Urwald

Davi Kopenawa gehört den Yanomami an, einer indigenen Bevölkerungsgruppe im brasilianischen Regenwald. Als Sprecher des Stammes erhalten er und seine Organisation Hutukara Associação Yanomami den Preis, "für ihre mutige Entschlossenheit, die Wälder und die Artenvielfalt des Amazonas sowie das Land und die Kultur seiner Ureinwohner zu schützen", wie es in der Begründung heißt. Denn das rohstoffreiche Gebiet der Yanomami ist schon lange durch wirtschaftliche und politische Interessen bedroht: In den Achtziger- und Neunzigerjahren hatten Goldgräber Dörfer der Yanomami zerstört, Krankheiten eingeschleppt, ein Fünftel der Bevölkerung starb. Auch heute noch sehen sich Yanomami mit den wirtschaftlichen Interessen von Farmern, Investoren und Politikern in Brasilien konfrontiert. In seiner Funktion als Sprecher setze sich der 63-jährige Kopenawa für die Rechte des Volksstammes ein und gebe ihnen eine gemeinsame Stimme.

mst



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