Altkanzler mahnen "Niemals gegen Amerika"

Ehemalige europäische Spitzenpolitiker, darunter die beiden Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl und Helmut Schmidt, haben in einem offenen Brief zur raschen Verbesserung der europäisch- amerikanischen Beziehungen aufgerufen.


Sorgt sich um das transatlantische Bündnis: Ex-Bundeskanzler Kohl
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Sorgt sich um das transatlantische Bündnis: Ex-Bundeskanzler Kohl

Mailand/Paris - Nach dem Streit um den Irak- Krieg sei die Erneuerung der transatlantischen Kooperation von dringender Priorität. Weder die USA noch Europa seien in der Lage, auf sich allein gestellt Sicherheit und Wirtschaftswachstum zu garantieren. "Kein wichtiges Problem in der Welt ist ohne Engagement der USA und Europas zu lösen; kein Problem ist unlösbar, wenn wir ihm gemeinsam begegnen."

Den offenen Brief unter dem Titel "Niemals gegen Amerika" veröffentlichten die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" und "Le Monde" (Paris) am Samstag. Mitautoren sind unter anderem Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing sowie die ehemaligen Regierungschefs Raymond Barre (Frankreich), Felipe Gonzalez (Spanien) und Carl Bildt (Schweden).

Der Streit um den Irak-Krieg habe die Einigkeit des Westens offen in Frage gestellt, heißt es in dem offenen Brief auch mit Blick auf den bevorstehenden EU-Gipfel. Dabei seien die Dinge verschärft und allzu vereinfacht worden. Doch man sei der Überzeugung, dass auch nach Ende des Kalten Krieges die erneuerte Nato der wichtigste Pfeiler der europäisch-amerikanischen Partnerschaft bleibe. Weiter heißt es: "Indem wir unsere Kräfte vereinigen, stärken wir letztlich die Stabilität der internationalen Gemeinschaft und verteidigen die Würde aller Menschen."

Es wäre ein großer Fehler, jetzt die europäisch-amerikanischen Bindungen zu lockern. "Wenn wir vereint sind, werden wir vom Rest der Welt als Träger einer großen Vision und großer Weisheit betrachtet; sind wir gespalten, werden wir verlieren."

Spaniens Ministerpräsident José María Aznar warnte unterdessen die EU davor, mit der Gründung einer Verteidigungsunion in Konkurrenz zur Nato zu treten. "Spanien befürwortet eine Verteidigungspolitik im Rahmen der EU, aber diese kann und darf keine Gegenposition zu den Vereinigten Staaten bilden und auch keine Doppelungen mit der Nato Schaffen", sagte der Regierungschef der "Bild am Sonntag".



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