Wegen Waldbränden am Amazonas Macron will Handelsabkommen stoppen

Angesichts der verheerenden Waldbrände in Brasilien droht Frankreich damit, das Freihandelsabkommen Mercosur mit Staaten in Südamerika zu blockieren. Die Bundesregierung will dagegen laut einem Bericht daran festhalten.

Emmanuel Macron und Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro beim G20-Gipfel im Juni
Jacques Witt /AFP

Emmanuel Macron und Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro beim G20-Gipfel im Juni


Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, das Freihandelsabkommen Mercosur blockieren zu wollen. Der französische Staatschef sei zu dem Schluss gekommen, dass der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ihn über seine Umweltschutz-Absichten "belogen" habe, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter Macrons. "Unter diesen Umständen lehnt Frankreich das Mercosur-Abkommen in seiner jetzigen Form ab", hieß es. Zuvor hatte bereits Irland angekündigt, das Abkommen abzulehnen, falls Brasilien "seine ökologischen Versprechen" nicht einhalte.

Die Bundesregierung dagegen will offenbar an dem Abkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur festhalten. Laut der Nachrichtenagentur AFP sagte ein Regierungssprecher, dass das Abkommen "ein ambitioniertes Nachhaltigkeitskapitel mit verbindlichen Regelungen zum Klimaschutz" enthalte. Ein "Nichtabschluss" sei daher "nicht die geeignete Antwort auf das, was derzeit in Brasilien geschieht".

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte das Abkommen zuvor noch infrage gestellt. Ohne Schutzgarantien für den Regenwald halte sie eine Ratifizierung für "nicht verantwortbar". Frankreich hatte bereits im Juli scharfe Kritik am Mercosur-Abkommen geäußert. Für eine Ratifizierung verlangte eine Regierungssprecherin damals zusätzliche "Garantien", etwa für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes und für die französischen Rinderzüchter.

Deutlich mehr Feuer und Brandrodungen

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, wie die Zeitung "Folha de S. Paulo" berichtete.

Die Brände im Amazonas-Regenwald lösten weltweit Sorgen und wachsende Empörung über die Haltung der brasilianischen Regierung aus. Präsident Bolsonaro machte wiederholt Umweltschutzgruppen für die Feuer verantwortlich (lesen Sie hier mehr über Bolsonaros Umgang mit den Bränden). Seit seinem Amtsantritt wird immer mehr Regenwald abgeholzt.

AFP

Brände sollen Thema beim G7-Gipfel werden

Vor dem am Samstag beginnenden G7-Gipfel in Biarritz waren sich Berlin und Paris aber einig, dass die Waldbrände im Amazonas-Gebiet dort auf die Tagesordnung gehören. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei "ganz genau" wie Macron der Ansicht, dass die Lage am Amazonas besprochen werden müsse, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Schließlich handele es sich um eine "akute Notlage des Amazonas-Regenwalds". Das Ausmaß der Brände sei "erschreckend und bedrohlich nicht nur für Brasilien, sondern für die ganze Welt", sagte Seibert.

Macron hatte am Donnerstag die Änderung der Tagesordnung angesichts der Lage im Amazonas gefordert. "Unser Haus brennt. Wortwörtlich", schrieb er bei Twitter zu einem Foto des brennenden Regenwalds. Brasiliens Präsident hatte Macrons Vorstoß scharf verurteilt. Bolsonaro warf dem französischen Präsidenten ebenfalls auf Twitter eine "kolonialistische Mentalität" vor, weil er beim G7-Gipfel über die Feuer sprechen wolle, ohne dass die Länder der Amazonas-Region dabei seien.

yer/AFP/reuters

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iffelsine 24.08.2019
1. Erklärungen und Garantien gelten Brasilianern nichts
Ein kompletter Importstop der G7-Länder für landwirtschaftliche Erzeugnisse Brasiliens ist das richtige Vorgehen. Es muss unrentabel werden, Regenwälder abzubrennen. Im Gegenzug erhält Brasilien jährliche Zuwendungen, die sich nach der Fläche des intakten Regenwaldes richten und die dann der Staat unter seinen Bauern so verteilen muss, dass sie zu Förstern werden - mit sicherem Einkommen. Gretels CO2-Abgabe ist letztlich die Geldquelle für die O2-Bezahlung !
halifax1202 24.08.2019
2. soja aus den usa
Die Expansion der Anbauflächen in Brasilien rührt ja aus der gestiegenen Nachfrage aus China her da diese kein Soja mehr aus der USA importieren aufgrund des Handelskrieges. Da hat Bolsonaro die Chance gewittert und hat den Farmern das Abbrennen und Abholzen des Regenwaldes erlaubt. Wenn wir als Europäer etwas tun wollen müssen wir nun einfach die Importe von Soja und Rinder Fleisch aus Südamerika mit einem hohen Importzoll belegen und stattdessen den Amerikanern das Soja abkaufen, auf dem sie seit einem Jahr sitzen geblieben sind. Das ist ökologisch und für das Weltklima weitaus richtiger, da die Farmer ja in den Great Plains beste Anbaubedingungen haben und keinen Wald roden müssen, da ist als natürliche Vegetation die Steppe beheimatet! Also das Freihandelsabkommen mit Brasilien sofort stoppen. https://www.topagrar.com/markt/news/eu-die-usa-liefern-nun-mehr-sojabohnen-als-brasilien-10019100.html Nach Recherche fand ich diese Zahlen dass die USA Brasilien 2018 bereits als größter EU Soja Exporteur abgelöst hat , d.h. das ist jawohl noch ausbaufähig trotz der verbotenen US Genmaissorten in der EU. Diese Entwicklung würde sicherlich auch Präsident Trump freuen und milde stimmen und die Europäer nicht mit Importzöllen für unsere Autos belegen. Auf der anderen Seite machen wir eine Wahl von Mister Trump für eine zweite Amtszeit wahrscheinlicher, da ja u.a. seine Kernklientel aus Farmern im Mittleren Westen besteht. Aber so wie es aussieht wäre er ja sowieso gewählt worden. ERGO : 2 Populisten kann man nicht gleichzeitig strafen.... aber fürs Weltklima und die Artenvielfalt ist diese Lösung mit Abstand die beste.
janewayy 24.08.2019
3. Hut ab Herr President
Scheinbar gibt es auch noch gute Ideen von Politikern, Hut ab.
valdivia 24.08.2019
4. Kolonialistische Mentalität
Die kolonialistische Mentalität trifft wohl eher auf Bolsonaro selber zu, oder stammt er von den Indios ab.
Wolfer 24.08.2019
5. Zuerst . . .
. . . Sollte Deutschland den Botschafter zurueckbeordern und dann alle Importe aus Brasilien stoppen, egal ob aus landwirtschaftlicher oder industrieller Produktion. Wenn dann alle anderen europaeischen Laender desgleichen tun wird Bolsonaro schon einlenken.
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