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25. August 2019, 12:26 Uhr

Brände im Amazonasgebiet

Brasiliens Soldaten kämpfen gegen das Feuer

Das brasilianische Militär soll beim Kampf gegen die Brände im Amazonasgebiet helfen. Doch Umweltschützer zweifeln am Erfolg. Auch im Nachbarland Bolivien wüten verheerende Feuer.

Es hatte lange gedauert: Erst am Freitag hatte Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro entschieden, das Militär gegen die im Amazonasgebiet wütenden Waldbrände einzusetzen. Doch nun soll alles ganz schnell gehen.

Sechs der neun brasilianischen Bundesstaaten in der Amazonasregion haben das Militär am Samstag um Hilfe gebeten. In Rondônia, Roraima, Pará, Tocantins, Acre und Mato Grosso sollen die Soldaten bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern helfen.

Insgesamt stünden in der Region mehr als 43.000 Soldaten zur Verfügung, sagte der brasilianische Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva. Er erklärte jedoch nicht, wie viele davon tatsächlich für die Brandbekämpfung eingesetzt würden.

Zwei Löschflugzeuge vom Typ Hercules starteten am Samstag von Porto Velho im Bundesstaat Rondônia aus zu ihren Einsätzen, wie das brasilianische Verteidigungsministerium auf Twitter schrieb. In einem Video ist zu sehen, wie die Piloten über den Waldbrandgebieten Tausende Liter Wasser abwerfen.

Die Flugzeuge verfügen über spezielle Systeme mit je fünf Wasserspeichern - insgesamt kann jedes Flugzeug bis zu 12.000 Liter Wasser speichern.

Einem Bericht der brasilianischen Zeitung "O Globo" zufolge hat das Wirtschaftsministerium dem Verteidigungsministerium am Samstagabend kurzfristig 38,5 Millionen Real, umgerechnet 8,3 Millionen Euro, für den Militäreinsatz im Amazonasgebiet zugesichert.

Doch ob das reichen wird, ist fraglich. Alfredo Sirkis, Gründer der Grünen-Partei in Brasilien und Direktor des Brasilianischen Klimazentrums, gibt sich skeptisch. Auch wenn er den Militäreinsatz befürworte, bezweifle er, dass irgendjemand in der Lage sei, die Feuer zu löschen, sagte Sirkis. Ohne die Löschausrüstung, die etwa in den USA oder Portugal zur Verfügung stehe, sei es schwierig, derart große Brände unter Kontrolle zu bringen. Das Militär könne dennoch dabei helfen, weitere Feuer zu verhindern, indem es die Umsetzung von Umweltschutzgesetzen überwache und Menschen von der Brandstiftung abhalte.

Umweltschützern zufolge ist der wichtigste Grund für die Feuer die illegale Brandrodung, mit der Landwirte zusätzliches Weideland für ihre Herden gewinnen wollen. Präsident Bolsonaro habe ein politisches Klima geschaffen, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sähen.

Tatsächlich hat der Staatschef immer wieder klargemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet. Wegen seiner umstrittenen Umweltpolitik geriet Bolsonaro zuletzt auch international in die Kritik.

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Fast eine Million Hektar Wald in Bolivien vernichtet

Doch die Waldbrände sind längst nicht nur ein Problem in Brasilien. Auch in den Nachbarländern Bolivien, Peru und Paraguay wüten zahlreiche Feuer, wie auf Satellitenbildern der US-Raumfahrtbehörde Nasa zu sehen ist. Die bolivianische Regierung setzte am Wochenende einen sogenannten Supertanker im Kampf gegen die Flammen ein.

Die umgebaute Boeing 747 eines US-Unternehmens unterstütze die Löscharbeiten in der Region Chiquitanía im Osten des Landes, teilte Präsident Evo Morales mit. Das Flugzeug kann rund 75.000 Liter Wasser abwerfen. "Wir planen vier Löscheinsätze pro Tag", sagte Boliviens Verteidigungsminister Javier Zavaleta der Zeitung "La Razón". "Wir werden den Kampf gegen das Feuer gewinnen." Am Boden kämpfen Feuerwehr, Armee, Polizei und Freiwillige gegen die Flammen.

Die seit rund 40 Tagen wütenden Brände haben allein in Bolivien schon fast eine Million Hektar Wald zerstört. Die Brände erstreckten sich über eine Gesamtfläche von 950.000 Hektar, sagte Cliver Rocha von der Landes-Forstverwaltung. 32 Prozent des Chiquitano-Waldes seien zerstört, 1871 Familien in Dutzenden Ureinwohner-Siedlungen betroffen. Boliviens Präsident Morales hatte die übrigen Staaten der Amazonasregion am Freitag zu einer Krisensitzung aufgerufen.

sop/dpa/Reuters

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