Brände im Amazonasgebiet Brasiliens Soldaten kämpfen gegen das Feuer

Das brasilianische Militär soll beim Kampf gegen die Brände im Amazonasgebiet helfen. Doch Umweltschützer zweifeln am Erfolg. Auch im Nachbarland Bolivien wüten verheerende Feuer.


Es hatte lange gedauert: Erst am Freitag hatte Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro entschieden, das Militär gegen die im Amazonasgebiet wütenden Waldbrände einzusetzen. Doch nun soll alles ganz schnell gehen.

Sechs der neun brasilianischen Bundesstaaten in der Amazonasregion haben das Militär am Samstag um Hilfe gebeten. In Rondônia, Roraima, Pará, Tocantins, Acre und Mato Grosso sollen die Soldaten bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern helfen.

Insgesamt stünden in der Region mehr als 43.000 Soldaten zur Verfügung, sagte der brasilianische Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva. Er erklärte jedoch nicht, wie viele davon tatsächlich für die Brandbekämpfung eingesetzt würden.

Zwei Löschflugzeuge vom Typ Hercules starteten am Samstag von Porto Velho im Bundesstaat Rondônia aus zu ihren Einsätzen, wie das brasilianische Verteidigungsministerium auf Twitter schrieb. In einem Video ist zu sehen, wie die Piloten über den Waldbrandgebieten Tausende Liter Wasser abwerfen.

Die Flugzeuge verfügen über spezielle Systeme mit je fünf Wasserspeichern - insgesamt kann jedes Flugzeug bis zu 12.000 Liter Wasser speichern.

Einem Bericht der brasilianischen Zeitung "O Globo" zufolge hat das Wirtschaftsministerium dem Verteidigungsministerium am Samstagabend kurzfristig 38,5 Millionen Real, umgerechnet 8,3 Millionen Euro, für den Militäreinsatz im Amazonasgebiet zugesichert.

Doch ob das reichen wird, ist fraglich. Alfredo Sirkis, Gründer der Grünen-Partei in Brasilien und Direktor des Brasilianischen Klimazentrums, gibt sich skeptisch. Auch wenn er den Militäreinsatz befürworte, bezweifle er, dass irgendjemand in der Lage sei, die Feuer zu löschen, sagte Sirkis. Ohne die Löschausrüstung, die etwa in den USA oder Portugal zur Verfügung stehe, sei es schwierig, derart große Brände unter Kontrolle zu bringen. Das Militär könne dennoch dabei helfen, weitere Feuer zu verhindern, indem es die Umsetzung von Umweltschutzgesetzen überwache und Menschen von der Brandstiftung abhalte.

Umweltschützern zufolge ist der wichtigste Grund für die Feuer die illegale Brandrodung, mit der Landwirte zusätzliches Weideland für ihre Herden gewinnen wollen. Präsident Bolsonaro habe ein politisches Klima geschaffen, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sähen.

Tatsächlich hat der Staatschef immer wieder klargemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet. Wegen seiner umstrittenen Umweltpolitik geriet Bolsonaro zuletzt auch international in die Kritik.

Video: "Wir verlieren ein wesentliches Ökosystem unserer Erde"

Reuters/ SPIEGEL ONLINE

Fast eine Million Hektar Wald in Bolivien vernichtet

Doch die Waldbrände sind längst nicht nur ein Problem in Brasilien. Auch in den Nachbarländern Bolivien, Peru und Paraguay wüten zahlreiche Feuer, wie auf Satellitenbildern der US-Raumfahrtbehörde Nasa zu sehen ist. Die bolivianische Regierung setzte am Wochenende einen sogenannten Supertanker im Kampf gegen die Flammen ein.

Die umgebaute Boeing 747 eines US-Unternehmens unterstütze die Löscharbeiten in der Region Chiquitanía im Osten des Landes, teilte Präsident Evo Morales mit. Das Flugzeug kann rund 75.000 Liter Wasser abwerfen. "Wir planen vier Löscheinsätze pro Tag", sagte Boliviens Verteidigungsminister Javier Zavaleta der Zeitung "La Razón". "Wir werden den Kampf gegen das Feuer gewinnen." Am Boden kämpfen Feuerwehr, Armee, Polizei und Freiwillige gegen die Flammen.

Die seit rund 40 Tagen wütenden Brände haben allein in Bolivien schon fast eine Million Hektar Wald zerstört. Die Brände erstreckten sich über eine Gesamtfläche von 950.000 Hektar, sagte Cliver Rocha von der Landes-Forstverwaltung. 32 Prozent des Chiquitano-Waldes seien zerstört, 1871 Familien in Dutzenden Ureinwohner-Siedlungen betroffen. Boliviens Präsident Morales hatte die übrigen Staaten der Amazonasregion am Freitag zu einer Krisensitzung aufgerufen.

sop/dpa/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kritikwichtel 25.08.2019
1. Daran sind auch wir Schuld,
denn würden die Rinder, die auf den "neu geschaffenen" Weideflächen herangezogen werden, nicht ín die fleischhungrige westliche Welt verkauft werden können, so gabe es keinen finanziellen Anlaß, die Brände zu legen. Dem brasilianischen Viehzüchter ist eben auch der heutige Gewinn näher als mögliche Umschweltschäden in einigen Jahren oder Jahrzehnten. Man kann von ihm nicht mehr Umweltbewußtsein erwarten als von den Menschen in den USA,in China, Japan und in Europa (einschließlich oder insbesondere der Politiker und Industrielenker). - Dabei schaden nicht nur das Abbrennen oder Abholzen, sondern auch die Methanemissionen der Rinder. Jedes Rind produziert am Tag bis zu 0,4 Kubikmeter reines Methan, das etwa 20fach zum Treibhauseffekt beiträgt wie die gleiche Menge CO2! Das jüngste Handelabkommen mit Brasiien ist, trotz aller Beschönigungsversuche, eben ein Schritt in die falsche Richtung! Wenn für den gleichen Betrag Obst und Gemüse geliefert werden würde, so wäre das sicher besser - aber eben immer noch schlecht wegen des großen Transportaufwandes. Auch das Abholzen/Abrennen der Wälder für die Sojaproduktioin dient hauptsächlich der westlichen Welt, denn als eiweißreiches Kraftfutter dient es auch der Fleischproduktion u.a. in Europa. Und die Gülle aus der Tierproduktion enthält den Stickstoff aus der Soja, den wir zuviel im Grundwasser haben und nicht mehr wissen, wohin damit. Wenn man die Gülle doch wieder auf die Felder in Brasilien zurückschicken könnte, dann wäre das Fleisch gleich so teuer, dass der Konsum wirklich geringer werden würde. Also bitte auch die Umweltkosten einpreisen!
astalder63 25.08.2019
2. Geld für Sauerstoff.
Wir müssen Geld für Sauerstoff zahlen. Sauerstoff produzierende Wälder sind eine natürliche Ressource, welche die ganze Welt braucht. Nur ein monetärer Anreiz lässt Wälder in einer kapitalistischen Welt überleben und größer werden.
Kritikwichtel 25.08.2019
3. @astalder63: Umwelt gehört allen, jedem und niemandem!
Wenn also auch noch für die Luft zum Atmen bezahlt werden soll, so ist das dann wohl die höchste Stufe des Kapitalismus und gleichzeitig sein Untergang. Denn wenn nur die Reichen, die aber wenig Wertschöfpung und Dienstleistung erbringen, sich die Luft leisten könne, dann werden sie bald verhungern, denn Geld kann man nicht essen. Aber: man muß schon allen Ländern helfen, ihre Wälder und andere Umweltgüter vor Gefahren zu schützen - aber es darf nicht dazu kommen, dass mit dem Erhalt von Umweltgütern Geld verdient wird. Das ist ein großer Unterschied - eben zwischen Solidarität und Gier. Wenn das allerdings im kapitalistischen System nicht geht, dann ist es Zeit für einen Systemwechsel. Es ist ja keine neue Erkenntnis, dass der Kapitalismus zum nachhaltigen Schutz der Umwelt gar nicht in der Lage ist, denn er basiert auf Wachstum und nicht auf der nun gebotenen Genügsamkeit. Nur leider hat niemand mehr ein echte Vision über ein Gesellschaftsmodell, welches ohne Profitgier, aber trotzdem mit Anreizen zur Arbeit funktioniert. Vielleicht war ein Anfang, eine neue weltweite Währung, den "Einviro", für den internationalen einzuführen, der alle Kosten eines Produktes oder einer Dientstleistung, auch die der Umwelt, mit berücksichtigt. Und schon könnte man sich den ganzen Plunder, den der Markt anbietet, nicht mehr leisten ...
iasi 25.08.2019
4. Die westliche Denkweise: Klebt einen Preis drauf!
So einfach scheint es ja nicht zu gehen, wie der CO2-Preis zeigt. Wenn Daimler nun einmal mehr dicke SUVs als Kleinwagen verkaufen kann, weil die Kunden SUV fahren wollen, ist doch nicht Daimler Schuld und wird sich auch nicht um die CO2-Kosten kümmern, die dann irgendwann man bezahlt werden müssen. Der Regenwald brennt. In Sibirien brennt es. In Südeuropa brennt es. In Deutschland brennen die Wälder. Die Brasilianer sind jedoch die Bösen, weil sie das Feuer nicht löschen können. Sie sollen gefälligst das vollbringen, was die Russen und Europäer nicht schaffen. Wie wäre es denn, wenn Europa die Hälfte seiner Fläche der Natur zurückgeben die alten Urwälder wieder entstehen lassen würde. Von anderen verlangen, was man selbst nicht tut - schwach.
astalder63 25.08.2019
5. @kritwichtel das ist natürlich so nicht gemeint
Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass man meine Aussage so missverstehen kann. "Geld für Sauerstoff" ist so gemeint: Wer Schadstoffe produziert, also die Industrieländer, müssen an Länder, die über große Grüne Oasen verfügen, Geld dafür bezahlen, dass ihre Wälder die Luft reinigen. Wälder sind eine Ressource wir Erdöl oder Gas oder Trinkwasser. Besteht für Länder wie Brasilien kein Anreiz seine Wälder zu halten, weichen diese für Agrarfläche, Bauland oder was auch immer. Eigene Waldflächen, über welche Länder, die verfügen, könnten gegengerechnet werden, sprich sie müssten entsprechend weniger an andere zahlen. Finanzieren kann man das über eine CO2 Steuer. Verursacher zahlen dann an die, welche den Schaden ausgleichen. Das hilft allen auf dem ganzen Planet, nicht einzelnen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.