Amerikahass in Amman Mit jeder Bombe wächst die Wut

Es dämmerte schon leicht in Amman, als es in Bagdad blitzte. Mit der Zahl der Bomben, die im Irak fallen, wächst auf den Straßen Jordaniens der Hass auf die Amerikaner. Die Regierung dagegen bemüht sich um Neutralität.


Jordanische Muslime beten in der al-Hussein-Moschee von Amman für einen irakischen Sieg
REUTERS

Jordanische Muslime beten in der al-Hussein-Moschee von Amman für einen irakischen Sieg

Amman - Als erstes verändert sich die Sprache. Mag man noch von einem Lauffeuer sprechen, mit der sich die Nachricht vom Beginn des Bombardements in Amman verbreitete? Es dämmerte schon leicht in Amman, als es in Bagdad blitzte, und die meisten waren ohnehin aufgeblieben, um zu sehen, was passiert. Noch in der Nacht waren letzte ausländische Flüchtlinge aus dem Irak eingetroffen und sie erzählten von dramatischen Szenen an der Grenze und auf dem Weg durch die Wüste.

Viele Iraker sind an den Zäunen von Syrien und Jordanien gestrandet. Die Grenzer lassen sie nicht durch und sie haben kein Benzin mehr, um zurückzufahren, weil Saddam Hussein den Treibstoff für Zivilisten auf 20 Liter pro Kopf rationiert hat. Doch zwischen Bagdad und der Grenze liegen rund 500 Kilometer. Sie sind verloren in der Wüste, während in der Nacht Cruise Missiles und Stealth Bomber über ihre Köpfe hinwegziehen.

Eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation, die eigentlich in Bagdad bleiben wollte, erzählte, dass sich irakische Soldaten in Bagdad ihr bereits unangenehm genähert hätten und sie es deshalb vorzog auszureisen, bevor dort im Kriegschaos die Willkür herrscht.

Auch westliche Journalisten hatten Probleme, den Irak zu verlassen. Die Grenzbeamten nehmen angeblich unvollständig deklarierte technische Ausrüstungen zum Anlass, um einigen Medienvertretern die Ausreise zu verweigern. Sie sollten entweder nach Bagdad zurückkehren oder exorbitant hohe Strafen zahlen, um passieren zu dürfen. Einige Beamte nutzen so den Ausreisedruck, um sich in letzter Minute noch zu bereichern.

Sympathien für Saddam

Die jordanischen Behörden reagierten sofort auf die Nachricht vom Kriegsbeginn. Sie sind sehr bemüht, das Land als neutral erscheinen zu lassen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist palästinensischen Ursprungs und sympathisiert mit dem Führer des Irak, der den verhassten USA die Stirn bietet. Der jordanische Außenminister, Marwan Muasher, meldete sich sofort im Fernsehen zu Wort und beteuerte, dass von jordanischem Boden aus keine offensiven Operationen gegen den Irak ausgehen werden. Die Menschen sind unruhig, weil nahe der Grenze auf jordanischem Territorium mehrere hundert US-Soldaten stationiert sind. Sie sollen angeblich nur humanitäre Hilfe leisten und Patriot-Abwehrraketen bedienen, mit denen verhindert werden soll, dass der Irak Israel angreift.

Allerheftigst dementierte Muasher, dass es eine Anfrage von Israel an Jordanien gebe für eine Durchmarschgenehmigung von israelischen Truppen. Konvois von israelischem Militär durch Jordanien, um den Irak anzugreifen, würde die Wut der Massen schüren und könnte die Regierung stürzen. Der Irak-Krieg trifft auch die ohnehin angeschlagene jordanische Wirtschaft schwer, die auf die Öllieferungen des Nachbarn angewiesen ist. Mehrfach heulten in Amman am Morgen die Sirenen - angeblich als Testläufe. Sollte Jordanien destabilisiert werden durch den Krieg, könnte auch in Amman der Ausnahmezustand ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt werden. Westliche Airlines haben ihre Flüge aus und nach Amman storniert, weil sie ihre Besatzung nicht mehr in der jordanischen Hauptstadt übernachten lassen wollen.

Noch verhalten sich die Menschen einigermaßen ruhig in Amman. Aber die Sicherheitskräfte auf den Straßen wurden bereits verstärkt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen auf die Straße strömen und ihrer Wut Luft machen. Für viele ist das nicht nur ein Krieg gegen die Diktatur des Irak, sondern pure US-Machtpolitik im Mittleren Osten, eine Okkupation und Mord an arabischen Brüdern und Schwestern. Dem wollen sie nicht tatenlos zusehen.



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