Amerikaner im Irak Ungeliebte Befreier

Der Krieg ist vorbei, doch die Operation "Iraqi Freedom" steht erst am Anfang. Das Verhältnis der Iraker zu den US-Truppen ist kompliziert. Einerseits brauchen sie ihren Schutz, andererseits wären viele die fremden Soldaten am liebsten so schnell wie möglich wieder los.

Bagdad - Knapp vier Wochen nach Beginn des Krieges rechnet das US-Verteidigungsministerium nicht mehr mit größeren Kämpfen im Lande. Amerikaner und Briten haben damit begonnen, ihre Militärpräsenz in der Region schrittweise zu verringern. Der Weg zum politischen Neuanfang ist jedoch schwierig: Demonstrationen und Absagen prägten am Dienstag das erste einer Serie von Regionaltreffen im Irak zur Schaffung einer Nachkriegsordnung.

Zu der Konferenz über die Zukunft des Landes trafen sich im südirakischen Nassirija rund 60 irakische Exil-Politiker, Stammeschefs und Religionsführer mit dem künftigen US-Verwalter Jay Garner sowie dem US-Sonderbeauftragen Zalmay Khalilzad. Sie unterzeichneten eine Erklärung mit 13 Punkten, in der sie sich zu Demokratie und zu den Grundsätzen von Recht und Gleichheit bekennen. Die Frage nach der Trennung von Staat und Religion blieb offen.

Der Vorsitzendende des Irakischen Nationalkongresses (INC), Achmed Chalabi, der als erste Wahl des Pentagon für eine Führungsrolle im Irak gilt, entsandte nur einen Vertreter. Die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe, der im iranischen Exil beheimatete Hohe Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), hatte seine Teilnahme sogar ganz abgesagt. Als Grund gab die Gruppe an, dass die USA den Nachkriegs-Irak dominieren wollten. Die Washingtoner Pläne seien ein Rückschritt in den Kolonialismus, sagte einer ihrer Führer. Die Muslime schiitischer Glaubensrichtung stellen sowohl im Irak als auch in Iran die Bevölkerungsmehrheit.

Nach einem Report, der vom US-Zentralkommando am Dienstag veröffentlicht wurde, betonte der amerikanische Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad, die USA hätten kein Interesse, den Irak zu regieren. Sie hofften auf die schnelle Bildung einer Übergangsregierung. Mehr als 20.000 Menschen protestierten gegen das Treffen, wie der arabische TV-Sender al-Dschasira berichtete. Nach zähem Start vertagte sich die Konferenz. Das nächste Treffen soll in zehn Tagen stattfinden.

Der britische Außenminister Jack Straw sagte in Katar, das Oppositionstreffen sei ein Zeichen dafür, dass nach Jahrzehnten der Diktatur im Irak jetzt die Politik am Zuge sei. "Die Zukunft des Irak wird auf jeden Fall besser sein als die schreckliche Vergangenheit, unter der die Iraker so lange Zeit gelitten haben."

US-Präsident George W. Bush bezeichnete das Ende des irakischen Regimes als ein gutes Zeichen. "Heute ist die Welt sicherer, die Terroristen haben einen Verbündeten verloren", sagte Bush. Der Sieg sei sicher, aber noch nicht vollständig." Die USA würden den Irakern helfen, eine gerechte und repräsentative Regierung zu bilden, die die Menschenrechte achte, erklärte Bush. Diese Aufgabe werde Zeit und Mühe erfordern. "Aber ich glaube an das irakische Volk, und ich glaube, dass ein freies Irak dem gesamten Nahen Osten ein Beispiel für Reform und Fortschritt sein kann."

Viele Iraker werfen den Briten und Amerikanern vor, bei der Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung zu versagen. In Teilen der Volksseele brodelt es gewaltig. Beim größten Protest seit der Eroberung Bagdads protestierten am Dienstag Hunderte Iraker gegen die amerikanische Besatzung ihres Landes. "Unser Blut, unsere Seele, geben wir für den Irak", skandierten sie. Die US-Soldaten werden für die weiter andauernden Plünderungen verantwortlich gemacht. Ein Mann trug vor den Augen der Soldaten ein Pappschild mit der Aufschrift: "Nur Plünderer danken Dir für die Freiheit, die Du gebracht hast."

Noch immer werden in der Hauptstadt Gebäude in Brand gesetzt. Ein aktives Einschreiten gegen Plünderer und Randalierer gibt es kaum. Patrouillen werden auf den Straßen kaum gesehen.

Die Alliierten begannen unterdessen, ihre Militärpräsenz in der Region schrittweise zu verringern. Wie die US-Marine bestätigte, werden die beiden Flugzeugträger "Kitty Hawk" und "Constellation" noch in dieser Woche mit ihren Begleitschiffen den Persischen Golf verlassen und ihre Heimathäfen ansteuern. Auch die in die Türkei geschickten knapp 1200 US-Soldaten verlassen das Land wieder. Die Briten hatten schon vor Tagen angekündigt, mehrere Tornado-Kampfjets würden zurückbeordert. Auch die Flotte solle verringert werden.

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