Amerikanischer Alleingang USA prüfen massive Truppen-Aufstockung in Afghanistan

Die Rede ist von bis zu 7000 zusätzlichen Soldaten: Weil die Alliierten aus Europa zögern, könnte die US-Regierung ihre Truppenpräsenz in Afghanistan im Alleingang verstärken. Die Zahl der US-Militärs wäre dann so groß wie nie seit dem Einmarsch 2001.


New York - Der Krieg in Afghanistan könnte wieder "amerikanisiert" werden. Das jedenfalls sagte ein ungenannter Regierungsvertreter laut "New York Times". Einem Bericht der Zeitung zufolge könnten im kommenden Jahr bis zu 7000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan entsandt werden. Dies sei nötig, weil die verbündeten Nato-Staaten wohl nicht genügend Streitkräfte zur Verfügung stellen, schreibt das Blatt, das sich noch auf weitere, namentlich ebenfalls nicht genannte Regierungsvertreter beruft.

US-Soldaten in der Provinz Kunar: Planungen angelaufen, aber noch nicht abgesegnet
AFP

US-Soldaten in der Provinz Kunar: Planungen angelaufen, aber noch nicht abgesegnet

Nach der Aufstockung läge die Zahl der amerikanischen Truppen in Afghanistan bei rund 40.000 - das wäre der höchste Stand seit dem US-Einmarsch 2001. Dem Bericht zufolge sind die Planungen für die Truppenaufstockung bereits angelaufen. Dem Pentagon und Weißen Haus seien aber noch keine definitiven Pläne vorgelegt worden. Die endgültige Entscheidung werde möglicherweise dem kommenden US-Präsidenten überlassen. Die Amtszeit von George W. Bush endet im Januar.

Nato-Kommandeure hatten unlängst erklärt, in Afghanistan würden etwa 10.000 weitere Soldaten benötigt. Bislang vorliegende Zusagen der Bündnismitglieder für eine Aufstockung erreichen diese Schwelle aber nicht annähernd. Zusagen verstärkter Bemühungen beim jüngsten Nato-Gipfel in Bukarest sind bisher nicht in die Tat umgesetzt worden. Mehr als zehn Nato-Länder hatten die Entsendung von insgesamt etwa 2000 zusätzlichen Soldaten versprochen. Doch nur ein Staat hat bisher mit Vorbereitungen begonnen, nämlich Frankreich, das 700 Soldaten zugesagt habe.

In Afghanistan kämpfen 16.000 US-Soldaten als Teil einer Nato-Truppe mit einer Gesamtstärke von 47.000. An der ist auch die Bundeswehr beteiligt. Zusätzlich sind etliche tausend amerikanische Soldaten getrennt unter US-Befehl im Einsatz. Im Süden finden die heftigsten Kämpfe gegen die radikal-islamische Taliban statt. Die Bundeswehr nimmt daran nicht teil.

Gates: USA könnten Kommando im Süden übernehmen

US-Verteidigungsminister Robert Gates hält es für möglich, dass die USA das Kommando über die Nato-Truppen in Süd-Afghanistan übernehmen. "Das ist mit Sicherheit eine Überlegung wert", sagte Gates. Es müsse geprüft werden, ob es sinnvoll sei, zwei Kommandostrukturen dort zu unterhalten. Allerdings müsse jede Änderung genau mit den Verbündeten abgesprochen werden.

Bush hatte am Freitag beim Kongress die Bewilligung von Ausgaben in Milliardenhöhe für die Kriege in Afghanistan und im Irak beantragt. Der Antrag über 70 Milliarden Dollar sieht 45,1 Milliarden Dollar allein für die Militäreinsätze in den beiden Ländern vor. Für die Ausbildung und Unterstützung der afghanischen und irakischen Sicherheitskräfte sollen 3,7 Milliarden beziehungsweise zwei Milliarden Dollar ausgegeben werden.

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat gefordert, die Bundeswehr in absehbarer Zeit auch im besonders gefährlichen Süden Afghanistans einzusetzen. Nach dem Regierungswechsel in den USA werde sich die Bundesregierung entsprechenden Forderungen der Nato-Verbündeten nicht länger verschließen können, sagte er dem "Tagesspiegel".

Zudem müsse die Bundesregierung das Ziel des Afghanistan-Einsatzes offensiver vertreten: "In Deutschland hat man vergessen, wieso wir eigentlich da sind." Es müsse wieder deutlich werden, dass der Krieg eine Reaktion auf die Terroranschläge in den USA im September 2001 war - Anschläge, wie sie nach Fischers Erwartung "wieder passieren werden", wenn der Kampf gegen Taliban und al-Qaida keinen Erfolg habe.

itz/Reuters/dpa



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