Amerikas Afghanistan-Gesandter Weltweite Bestürzung über Holbrookes Tod

Das Weiße Haus schickte ihn seit Jahren an die Krisenherde der Welt. Zuletzt war Richard Holbrooke Amerikas Afghanistan-Gesandter. Sein überraschender Tod löste international Trauer aus - nur Präsident Karzai zeigte sich wortkarg.


Washington/Berlin - Trauer um einen "Giganten" der US-Außenpolitik: Führende Politiker und die Nato haben bestürzt auf den Tod des US-Sondergesandten für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, reagiert. Präsident Barack Obama würdigte ihn als einen Diplomaten, der durch seinen jahrzehntelangen Dienst dazu beigetragen habe, dass die Vereinigten Staaten und die Welt sicherer geworden seien. "Der Fortschritt, den wir in Afghanistan und Pakistan gemacht haben, ist in nicht geringem Maße seinem rastlosen Einsatz für Amerikas nationale Interessen sowie dem Einsatz für Frieden und Sicherheit zu verdanken", erklärte Obama. Noch kurz vor Holbrookes Tod hatte Obama ihn als "einen Giganten der amerikanischen Außenpolitik" bezeichnet.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai äußerte sich "betrübt" über den Tod des US-Diplomaten. Die knappe Mitteilung des Präsidentenpalastes vom Dienstag geht auf die Errungenschaften Holbrookes für die Vereinigten Staaten ein, nicht aber auf diejenigen in Afghanistan. Das Verhältnis zwischen Karzai und Holbrooke galt als angespannt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte in Brüssel, bei der Neuausrichtung der internationalen Afghanistan-Strategie habe Holbrooke Wichtiges geleistet. "Wir bedauern von Herzen, dass er auch die Erfolge bei der Neuausrichtung dieser Strategie nicht mehr selbst erleben kann." Deutschland verliere mit Holbrooke einen guten Freund, einen sehr bewährten und erfolgreichen Diplomaten und Politiker.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hob "die diplomatischen Fähigkeiten, die strategische Vision und die legendäre Entschlossenheit" des US-Diplomaten hervor. Der Kommandeur der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, David Petraeus, ehrte ihn, als "wahren Titanen". Es sei ein Privileg gewesen, eng mit dem Sonderbotschafter zusammenarbeiten zu dürfen.

Noch kurz vor seinem Tode half Holbrooke mit, den langerwarteten Fortschrittsbericht über den Krieg in Afghanistan auszuarbeiten, den die US-Regierung demnächst vorstellen will.

Richard Holbrooke starb an den Folgen eines Risses in der Hauptschlagader. Der 69-jährige Spitzendiplomat war vor allem als Architekt des Dayton-Friedensabkommens von 1995 weltweit bekannt geworden, das den Krieg in Bosnien beendete. Zuletzt war er US-Sondergesandter für Afghanistan und Pakistan und damit an einem der Brennpunkte der US-Außenpolitik tätig.

Holbrooke war am Freitag während einer Sitzung im Washingtoner Außenministerium zusammengebrochen. Er wurde im Krankenhaus der George-Washington-Universität über 20 Stunden lang operiert. Sein Zustand blieb lebensbedrohlich. Am Montag verstarb er.

ler/dpa



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namachschon, 14.12.2010
1. Internationale Trauer ?
Zitat von sysopDas Weiße Haus schickte ihn seit Jahren an die Krisenherde der Welt.*Zuletzt war Richard Holbrooke*Amerikas Afghanistan-Gesandter. Sein überraschender Tod löste international*Trauer aus -*nur Präsident Karzai zeigte sich wortkarg. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734549,00.html
Naja, ich weiß nicht. Internationale Trauer - eher nicht. So traurig ein solcher Tod für die Familie, Freunde etc. ist, so durchsichtig sind die ausgelutschten Kommentare der internationalen Diplomatie. Nicht erst seit Wikileak wissen alle, wie saftig das in Wirklichkeit kommentiert wird. Aber wo ist die Lektion dieses Ablebens-für Politiker: Eure Lebensweise ist sehr ungesund. Und denkt daran, die Friedhöfe sind voll von Titanen und Unersetzlichen. Und es wird Euch nicht gedankt. Denn, nächstes Jahr ist dieser "Titan" auch vergessen. Also, lebt gesünder, denkt an das, was wirklich wichtig ist, -und laßt uns in Ruhe... Grüße...
janne2109 14.12.2010
2. toller Politiker
Holbrooke war ein toller Politiker, ein Mann der immer Konsens suchte, sehr beliebt war, schlichten konnte. Solche Männer/Frauen fehlen der Politik zunehmend immer mehr
mimas1789 14.12.2010
3. Trauer um ihn?
Er vertrat IMMER US Interessen, also reicht es, wenn die USA trauert.
Stefan Albrecht, 14.12.2010
4. Hohe Auszeichnung für soliden Charakter
Zitat von sysopDas Weiße Haus schickte ihn seit Jahren an die Krisenherde der Welt.*Zuletzt war Richard Holbrooke*Amerikas Afghanistan-Gesandter. Sein überraschender Tod löste international*Trauer aus -*nur Präsident Karzai zeigte sich wortkarg. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,734549,00.html
Die Tatsache, dass sich ein korrupter Politiker wie Karzai, der viel Zeit damit verbringt, Wahlen in Afghanistan zu fälschen und damit den leisesten Funken an Hoffnung und Demokratie in Afghanistan im Keim erstickt, wortkarg zeigt, ist eine hohe Auszeichnung für Holbrooke. Der Mann hatte ihm wohl öfter gegen das Schienbein getreten, was widerwärtige, korrupte Despoten immer wieder stört...
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