Staatsversagen Amnesty spricht von schlimmster Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg

Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe: Die internationale Gemeinschaft habe "kläglich versagt".
Syrische Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei: Amnesty fordert mehr Einsatz

Syrische Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei: Amnesty fordert mehr Einsatz

Foto: BULENT KILIC/ AFP

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ist in Syrien und Irak auf dem Vormarsch, Boko Haram verbreitet in Nigeria Angst und Schrecken, in Südostasien fliehen die Rohingya vor Unterdrückung. Die bewaffneten Konflikte in der Welt haben laut Amnesty International die "schlimmste Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg" ausgelöst. Die Menschenrechtsorganisation wirft der internationalen Gemeinschaft in einem Bericht schwere Versäumnisse bei der humanitären Hilfe vor.

Weil der Lage der Flüchtlinge nicht genügend Aufmerksamkeit zukomme, seien Millionen zu einem Leben in Elend und Tausende zum Tode verdammt, heißt es. Etwa eine Million Flüchtlinge seien dringend auf eine Aufnahme in sicheren Ländern angewiesen.

Doch auch jene, die bereits Unterkunft gefunden haben, brauchen weiter Unterstützung: Allein vier Millionen syrischer Flüchtlinge versuchten in der Türkei, im Libanon, in Jordanien, im Irak und in Ägypten unter schwierigsten Umständen zu überleben. Aus dem südlichen Afrika seien mehr als drei Millionen Menschen auf der Flucht. Im Mittelmeer ertranken laut Amnesty International 2014 etwa 3500 Menschen, in der ersten Jahreshälfte 2015 waren es bislang 1865.

"Die Flüchtlingskrise ist eine der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, aber die internationale Gemeinschaft hat bislang kläglich versagt", sagte Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty. Er fordert: Die Welt dürfe Länder wie die Türkei oder den Libanon, die die größte Last trügen, nicht länger allein lassen.

Erst am Wochenende war es rund um die Stadt Tall Abjad zu dramatischen Szenen gekommen: Verzweifelt versuchten Bewohner des syrischen Grenzorts in die Türkei zu gelangen. Dort wären sie sicher vor den Kämpfen zwischen IS und der Kurdenmiliz YPG gewesen.

Doch zumindest an diesem Samstag war der Weg versperrt: Schwer bewaffnete Kämpfer des IS blockierten den Grenzübergang. Auch die türkischen Einheiten auf der anderen Seite setzten Wasserwerfer ein, um die fliehenden Syrer am Grenzübertritt zu hindern.

vek/dpa/AP