Kampf der Religionen Amnesty verurteilt "ethnische Säuberung" in Zentralafrika

Die Gewalt in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui nimmt weiter zu. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International vermutet, dass christliche Kämpfer die Muslime im Land gezielt auslöschen wollen.

Soldaten der zentralafrikanischen FOMAC (Archivbild): Gewalt nimmt überhand
REUTERS

Soldaten der zentralafrikanischen FOMAC (Archivbild): Gewalt nimmt überhand


Bangui - Beinahe täglich gibt es Lynchmorde im Kampf der Religionen. Auch in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui herrscht ein solcher Krieg. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist überzeugt: Die muslimische Minderheit im Land ist das Ziel "ethnischer Säuberungen". Auch internationale Einsatzkräfte könnten die Gewalt bislang nicht eindämmen, heißt es im aktuellen Amnesty-Bericht.

Seit Anfang Januar kommt es vor allem im Westen Zentralafrikas zu blutigen Kämpfen. Amnesty will die Ermordung von mindestens 200 Muslimen durch Christenmilizen dokumentiert haben. "Die gesamte muslimische Bevölkerung wurde zur Flucht gezwungen", hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Organisation. Wer die Flucht nicht schaffe, werde getötet.

Amnesty hatte im Nordwesten des Landes mit mehr als 100 Augenzeugen gesprochen. Die bisher brutalste Attacke habe sich am 18. Januar ereignet, als Christen in Bossemptele mehr als 100 Muslime getötet hätten. "Die internationalen Truppen haben es versäumt, in diese Regionen Soldaten zu entsenden, so dass die Zivilisten ohne jeglichen Schutz waren", so Amnesty.

In dem multikonfessionellen Land herrscht Chaos, seit muslimische Seleka-Rebellen im März 2013 Präsident François Bozizé gestürzt und die Macht an sich gerissen hatten. Der Putsch stürzte Zentralafrika in eine Spirale der Gewalt zwischen Muslimen und Christen. Mittlerweile lebten 800.000 Menschen als Vertriebene im eigenen Land.

Mehr als 4000 afrikanische und 1600 französische Soldaten sind vor Ort im Einsatz. Die Europäische Union will sobald wie möglich weitere 500 entsenden. Deutschland erwägt, sich mit einem Sanitätsflugzeug zu beteiligen.

jka/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.