Amoklauf eines US-Soldaten Das Grauen von Najib Yan

Afghanistan ist fassungslos nach dem Amoklauf eines US-Soldaten im Süden des Landes. Augenzeugen schildern, wie der Amerikaner kaltblütig durch drei Häuser marschierte - und immer wieder abdrückte. Er tötete 16 Menschen, darunter neun Kinder und drei Frauen. Nun drohen neue Ausschreitungen.

REUTERS

Von und Shoib Najafizada, Kabul


Als Habibullah Khan am Sonntagmorgen von einem Tagesausflug in die Stadt Kandahar in sein Dorf Najib Yan zurückkehrte, kamen ihm schon weit vor der kleinen Ansammlung von Gehöften die ersten schreienden Nachbarn entgegen. "Zunächst konnte ich gar nicht glauben, was sie mir erzählten", erinnert sich der Familienvater, "alle sprachen von einem irre gewordenen US-Soldaten, der wahllos Menschen in unserem Dorf erschossen habe."

Wenig später musste Habibullah Khan in seinem eigenen Haus feststellen, dass die Geschichten der Nachbarn wahr waren. Seine Frau, zwei ihrer Geschwister und eine Nichte, erst ein paar Monate alt, lagen vor dem Lehmhaus, eingewickelt in weiße Tücher. "Überall im Haus war Blut, und es lagen Patronenhülsen herum", berichtet Habibullah. "Es war eine schreckliche Szenerie." Am Telefon wirkt der Mittvierziger, als ob er das Geschehene noch gar nicht begriffen hat. "Meine Nichte war doch noch ein Baby", sagt er, "sie hat doch niemandem etwas getan."

Was einige Stunden zuvor in dem kleinen Dorf passiert war, erscheint auch Stunden später unfassbar: Gegen 3.00 Uhr verließ nach einer ersten Rekonstruktion aus Augenzeugenberichten, den Ermittlungen der Schutztruppe Isaf und afghanischer Behörden ein US-Soldat die nahe gelegene Basis, wo amerikanische Spezialkräfte und afghanische Einheiten gemeinsam stationiert sind.

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Afghanistan: Amoklauf eines US-Soldaten
Kurz darauf, gerade eben hatte er die erste der beiden kleinen Ortschaften nahe der Basis erreicht, drang er in drei Häuser ein und schoss auf die schlafenden Afghanen in den Gehöften. "Er agierte wie in einem dieser Computerspiele, wie ferngesteuert ging er von Haus zu Haus", erinnert sich Augenzeuge Lal Mohammed, "im ersten erschoss er innerhalb von Sekunden elf Menschen, im zweiten Haus vier und im dritten erneut einen Menschen." Die meisten der Opfer, so jedenfalls der Bericht des Augenzeugen, hätten nach Männern und Frauen getrennt auf dem Boden der Häuser geschlafen. Die "New York Times" zitiert Augenzeugen, die berichten, der Täter habe die Leichen angezündet.

Was den Amoklauf des US-Soldaten beendete, ist bisher nicht bekannt. Die meisten Dorfbewohner versteckten sich nach den ersten Schüssen in ihren Häusern und trauten sich bis zum Morgengrauen nicht hinaus. Die internationale Schutztruppe Isaf bestätigte wenige Stunden nach dem Vorfall lediglich, dass ein Soldat der Mission festgenommen worden sei und der Vorfall eingehend untersucht werde. Aus Militärkreisen war zu erfahren, dass der Soldat angeblich psychische Probleme hatte, möglicherweise im Affekt handelte und sich nach der Tat auf seinem Stützpunkt seinen Vorgesetzten stellte. Der Mann stammt aus Fort Lewis im US-Bundesstaat Washington. Nach Angaben von ABC News unter Berufung auf einen Armeesprecher handelt es um einen 38 Jahre alten Feldwebel, verheiratet und Vater zweier Kinder. Er war demnach bereits drei Mal im Irak im Einsatz, seit Dezember war er angeblich in Afghanistan stationiert.

Schauerliche Details heizen die Stimmung an

Der Vorfall, der in Afghanistan den ganzen Sonntag die lokalen Nachrichten beherrschte, dürfte die Stimmung im Land gegen die internationalen Soldaten weiter anheizen. Zum zweiten Mal - nach der versehentlichen Verbrennung von heiligen Schriften in einem US-Militärlager vor rund zwei Wochen - entschuldigten sich die Isaf und auch die US-Armee deswegen umgehend bei allen Afghanen. Der Kommandeur der Truppe sicherte Afghanistans Präsident Hamid Karzai eine lückenlose Aufklärung zu, im fernen Washington wurde US-Präsident Barack Obama unterrichtet. In einer Stellungnahme verurteilte Obama den Zwischenfall als "tragisch und schockierend". In einem Telefonat mit Karzai betonte er, es werde alles getan, um die Tat so schnell wie möglich aufzuklären.

Ob die Beschwichtigungen Wirkung zeigen werden, ist schwer abzusehen. Kurz nach der Tat verurteilte Präsident Karzai den Vorfall eindringlich und sprach von einem absichtlichen Massaker an der Zivilbevölkerung. Die radikalislamischen Taliban hingegen riefen umgehend zu Racheakten an den ausländischen Soldaten auf. Mit stark übertriebenen Opferzahlen forderten sie auf ihren Web-Seiten alle Afghanen auf, jede Gelegenheit für Attacken auf Ausländer zu nutzen.

Aus dem Süden gab es bereits erste Berichte über Demonstrationen vor Basen der Isaf, bisher aber scheint es dabei nicht zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen zu sein. In den afghanischen Medien allerdings kursierten bereits Berichte mit schauerlichen Details, die die Lage noch weiter anheizen könnten.

Statt von einem Einzeltäter ist dort von einer ganzen Gruppe von betrunkenen, lachenden US-Soldaten die Rede, die mordend durch das Dorf gezogen seien. Später hätten sie die Leichen mit Chemikalien übergossen und angesteckt. Ob solche Details zutreffen oder nicht, spielt in Afghanistan kaum eine Rolle. Meist erreichen die Menschen Nachrichten durch Mund-Propaganda und werden auf diesem Weg immer weiter ausgeschmückt und dramatisiert.

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Seite 1
werauchimmer 11.03.2012
1. Es reicht.
Zitat von sysopAFPAfghanistan ist fassungslos nach dem Amoklauf eines US-Soldaten im Süden des Landes. Augenzeugen schildern, wie der Amerikaner kaltblütig durch drei Häuser marschierte - und immer wieder abdrückte. Er tötete 16 Menschen, darunter neun Kinder und drei Frauen. Nun drohen neue Ausschreitungen. Amoklauf eines US-Soldaten: Das Grauen von Najib Yan - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820653,00.html)
Der Einmarsch sollte den Taliban-Terror beenden. Der Terror durch Kollateralschäden ist scheinbar noch größer. Da gibt es nur noch eins: Sofortiger Abzug aller ausländischen Streitkräfte und sofortige Einstellung aller Interventionshandlungen.
martin-gott@gmx.de 11.03.2012
2. Verloren
Zitat von sysopAFPAfghanistan ist fassungslos nach dem Amoklauf eines US-Soldaten im Süden des Landes. Augenzeugen schildern, wie der Amerikaner kaltblütig durch drei Häuser marschierte - und immer wieder abdrückte. Er tötete 16 Menschen, darunter neun Kinder und drei Frauen. Nun drohen neue Ausschreitungen. Amoklauf eines US-Soldaten: Das Grauen von Najib Yan - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820653,00.html)
der Krieg in Afghanistan ist verloren und man sollte die konsequenzen ziehen und das Land verlassen, bevor man das Land fluchtartig verlassen muss.
musca 11.03.2012
3.
Zitat von martin-gott@gmx.deder Krieg in Afghanistan ist verloren und man sollte die konsequenzen ziehen und das Land verlassen, bevor man das Land fluchtartig verlassen muss.
Sehe ich auch so..ausser man will ein zweites Saigon wie 1975, nachmachen, als die Amerikaner fast panikartig flüchten mussten, das war damals das endgültige Symbol das die USA den Vietnam-Krieg verloren hatten. FG
Maronno 11.03.2012
4.
Zitat von sysopAFPAfghanistan ist fassungslos nach dem Amoklauf eines US-Soldaten im Süden des Landes. Augenzeugen schildern, wie der Amerikaner kaltblütig durch drei Häuser marschierte - und immer wieder abdrückte. Er tötete 16 Menschen, darunter neun Kinder und drei Frauen. Nun drohen neue Ausschreitungen. Amoklauf eines US-Soldaten: Das Grauen von Najib Yan - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820653,00.html)
Er tötete also auch vier Männer, was offenbar nicht erwähnenswert ist. Muss eigentlich fast jeder zweite Artikel im SPIEGEL herausstellen, dass Frauen etwas Besonderes darstellen? Kann ein moderner Journalist nicht einfach mal akzeptieren, dass Männer und Frauen gleichwertig sind, dass kein Geschlecht höherwertig ist?
jomo3 11.03.2012
5.
Zitat von sysopAFPAfghanistan ist fassungslos nach dem Amoklauf eines US-Soldaten im Süden des Landes. Augenzeugen schildern, wie der Amerikaner kaltblütig durch drei Häuser marschierte - und immer wieder abdrückte. Er tötete 16 Menschen, darunter neun Kinder und drei Frauen. Nun drohen neue Ausschreitungen. Amoklauf eines US-Soldaten: Das Grauen von Najib Yan - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820653,00.html)
Alle ISAF Soldaten sollten schnellstmöglich ihre Koffer packen. Nach diesem Vorfall werden sie nicht die geringste Chance mehr haben, ihre Mission zu erfüllen - wie immer die auch hieß.
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