Amtseinführung des US-Präsidenten Bush-Fest mit Pomp und Waffen

Das umfassendste Sicherheitsprogramm aller Zeiten soll den selbst ernannten "Kriegs-Präsidenten" Bush schützen, wenn er am Donnerstag erneut in sein Amt eingeführt wird. Die Feierlichkeiten kosten 40 Millionen Dollar. Kritiker sagen, das Geld wäre bei den Truppen im Irak oder den Tsunami-Opfern besser angelegt.
Von Volker ter Haseborg

Washington - Wenn George W. Bush am Donnerstag seine rechte Hand hebt und seinen Amtseid schwört, dann wird Mike Yohannes nicht dabei sein. Dabei könnte er den Umsatz seines Lebens machen. Seine Bude, in der er Hotdogs, Schokoriegel und Eis verkauft, liegt genau an der Pennsylvania Avenue. Diese Straße wird Bush am Donnertag passieren, vom Kapitol bis zum Weißen Haus, und 500.000 Menschen werden vermutlich Spalier stehen. Was für ein Geschäft! Doch Mike Yohannes darf seinen Stand am Donnerstag nicht öffnen. "Zwei Blocks weiter könnte ich stehen. Für die Genehmigung dazu müsste ich mich zwei Tage lang auf Ämtern herumtreiben. Zwei Tage, in denen ich nichts verkaufe. Da bleibe ich lieber zu Hause", sagt er.

So wie Mike Yohannes geht es vielen Geschäftsinhabern in Washington. Sie müssen schließen, aus Sicherheitsgründen. Noch nie waren die Sicherheitsvorkehrungen für die Inauguration eines US-Präsidenten so strikt wie in diesem Jahr. Das amerikanische Ministerium für Heimatschutz befürchtet Terroranschläge in Washington. Und deshalb gehen die Behörden auf Nummer sicher: Der Luftraum über der Stadt wird abgeriegelt, Militär-Flugzeuge werden von oben auf George W. Bush aufpassen.

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Alarmstufe eins: Bush-Fest mit Pomp und Waffen

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In Washington und Umland wurden bereits 50 Einsatzzentralen errichtet, von wo aus die Sicherheitsmaßnahmen koordiniert werden sollen. Um die dafür nötigen Vorkehrungen zu Lande zu sorgen, werden 6000 Polizisten und 7000 Soldaten in die Hauptstadt abkommandiert. Sensoren für ABC-Waffen werden installiert, Klima-Anlagen von Hotels auf den Bio-Kampfstoff Anthrax untersucht. Besucher der Inauguration werden mit Metall-Detektoren gescannt, Gepäck wird durchsucht.

Parkhäuser in der Innenstadt sind geschlossen, Videokameras sollen Ausschau nach potenziellen Terroristen halten. Auch Journalisten sollen noch einmal extra fotografiert werden und müssen ihre Fingerabdrücke abgeben. Damit sich auch kein Terrorist ein Ticket für die Zeremonie fälscht, wurden die Eintrittkarten fälschungssicher gemacht, behaupten die Behörden.

Ebenfalls im Visier der Sicherheitsdienste: Demonstranten, die anlässlich der Inauguration ihre Abneigung gegen den US-Präsidenten zur Schau stellen wollen. Die Mitglieder der Anti-Bush-Gruppe "Turn your back on Bush" wollen sich an der Strecke einfinden und Bush den Rücken zuwenden, wenn er vorbeikommt, Umwelt-Aktivisten der Organisation "Critical mass" planen eine Fahrrad-Tour durch die Stadt, um auf die mangelhafte Umweltpolitik der Bush-Regierung aufmerksam zu machen. Doch auch Pro-Bush-Demonstranten werden in Washington erwartet: Die "Cristian Defense Coalition", eine militante Christengruppe, will ihren Präsidenten unterstützen und den Bush-Gegnern Paroli bieten.

Die Kosten für die Sicherheit gehen in die Millionen - wie viel will das Heimatschutzministerium nicht verraten. Ohnehin steht die US-Regierung für ihr pompöses Bush-Fest in der Kritik. 40 Millionen Dollar soll das Spektakel kosten, gab das Inaugurations-Komitee bekannt. Manager aus Unternehmen wie Microsoft, Pepsi und Coca Cola blätterten schon mal 250.000 Dollar hin, um Karten für ein Mittagessen mit dem US-Präsidenten und einen Sitzplatz mit aufgedrucktem Namen bei der Parade zu ergattern.

Kritiker warfen der US-Regierung vor, dass solch ein rauschendes Fest angesichts der vielen Soldaten im Irak geschmacklos sei. Viel besser hätte man das Geld in die Truppen investieren oder den Opfern der Tsunami-Katastrophe zugute kommen lassen sollen. Doch die Kritik kam nicht an.

Bush könne sich beim Feiern auf seine feierfreudigen Amtsvorgänger berufen, berichtete jetzt die "New York Times". So lud Abraham Lincoln 1865 nach dem Bürgerkrieg zu einem Empfang im Weißen Haus. 6000 Bürger kamen, die Party lief jedoch aus dem Ruder, weil viele Gäste Silberbesteck und wertvolle Vorhänge mitgehen ließen.

Dwight D. Eisenhower wollte es besser machen und entschied sich während des Korea-Kriegs 1953 für eine bescheidene Feier. Das klappte jedoch nur im Ansatz: Hauptattraktionen der Sause waren ein Rudel Alaska-Hunde, drei Elefanten und ein sportlicher Festwagen, auf dem Eisenhower Golf spielend an seinen Bürgern vorbeifuhr.

Auch Richard Nixon ließ sich vom Vietnam-Krieg 1969 nicht abhalten und veranstaltete ein opulentes Fest. Einzig und allein Franklin D. Roosevelt entschied sich 1945 für einen bescheidenen Rahmen. Er veranstaltete lediglich ein kaltes Mittagsessen im Weißen Haus. Auf der Speisekarte: Hühnchensalat und Kuchen.

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