Großbritannien Leadsom und May machen Cameron-Nachfolge unter sich aus

Großbritannien bekommt wieder eine Premierministerin: Im Rennen um die Cameron-Nachfolge sind nur noch Andrea Leadsom und Theresa May übrig.

Andrea Leadsom, Theresa May
AFP / Getty

Andrea Leadsom, Theresa May


Zum ersten Mal seit Margaret Thatcher wird wieder eine Frau Großbritannien regieren: Die konservative Unterhausfraktion hat Theresa May und Andrea Leadsom zu den Kandidatinnen für die Nachfolge des britischen Premiers und Parteichefs David Cameron bestimmt. In der zweiten Abstimmungsrunde der Abgeordneten am Donnerstag schied Justizminister Michael Gove aus.

Nun müssen die rund 150.000 Parteimitglieder in einer Urwahl Leadsom oder May zur Parteivorsitzenden wählen. Die Gewinnerin wird auch neue Premierministerin Großbritanniens und muss das Land aus der EU führen.

Cameron hatte nach seiner Niederlage beim Brexit-Referendum die Konsequenzen gezogen und seinen Rücktritt angekündigt. Das Ergebnis, wer ihn beerbt, soll am 9. September verkündet werden.

Für May stimmten in der zweiten Runde 199 Abgeordnete, für Leadsom 84. Gove bekam nur 46 Stimmen. May hatte bereits die erste Abstimmung in der Fraktion am Dienstag deutlich für sich entschieden.

Im Video: Theresa May will Premierministerin werden

REUTERS

Bei dem Referendum am 23. Juni hatten 51,9 Prozent der Wähler dafür gestimmt, die EU zu verlassen. Das Ergebnis stürzte die britische Regierung, die Opposition, aber auch die EU in eine Krise.

Derzeit ist unklar, wann Großbritannien den Antrag nach Artikel 50 des EU-Vertrags stellt. Die anderen Mitgliedstaaten drängeln, doch die britischen Konservativen spielen auf Zeit.

"Brexit bedeutet Brexit"

May wurde 1997 ins Parlament gewählt. Cameron ernannte sie nach dem Wahlsieg der Konservativen 2010 zur Innenministerin. In diesem Amt machte sie sich einen Namen als Hardlinerin in Einwanderungsfragen. May warb vor dem Referendum für einen Verbleib in der EU, hielt sich aber aus taktischen Gründen stark zurück. Das Ergebnis des Referendums will sie nicht anfechten: "Brexit bedeutet Brexit", sagte sie. Es dürfe keine Versuche geben, doch noch in der EU zu bleiben. Auch ein zweites Referendum dürfe es nicht geben.

Leadsom ist eine eindeutige Brexit-Befürworterin. 2010 wurde sie Abgeordnete und arbeitete zunächst in gehobener Stellung im Finanzministerium. "Ich sehe große Chancen durch den Ausgang des Referendums", sagte Leadsom. Großbritannien könne viel besser in der Welt dastehen. Sie hat sich für rasche und kurze Brexit-Verhandlungen ausgesprochen.

cte/Reuters/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.