Angebliche Vergewaltigung in Berlin Lawrow kündigt Telefonat mit Steinmeier an

Vertuscht, verschleiert, beschwichtigt - der Kreml erhebt schwere Vorwürfe gegen Deutschland im Fall der angeblichen Vergewaltigung in Berlin. Nun wollen die Außenminister miteinander sprechen.
Außenminister Lawrow: Telefonat angekündigt

Außenminister Lawrow: Telefonat angekündigt

Foto: Maxim Shipenkov/ dpa

Im Streit um das Schicksal eines vorübergehend verschwundenen Berliner Mädchens hat die russische Führung ein Telefonat mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier angekündigt. Das Gespräch werde noch am Freitag erfolgen, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa in Moskau.

Sie gab deutschen Behörden die Hauptschuld an dem Konflikt zwischen Moskau und Berlin. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte Deutschland mangelnde Transparenz im Fall der 13-jährigen Russlanddeutschen vorgeworfen.

"Das alles geschah vor dem Hintergrund der massenweisen Vertuschung, was mit vielen Bundesbürgerinnen in verschiedenen Städten Deutschlands geschah", sagte Sacharowa der Agentur Interfax zufolge. Russland habe reagiert auf das "Fehlen einer transparenten Position und auf Versuche, alles zu verschleiern und so zu tun, als sei nichts passiert". Dies sei keine Einmischung in innere Angelegenheiten.

Die 13-Jährige, um die es bei dem diplomatischen Hickhack auf höchster Ebene geht, war am 11. Januar für 30 Stunden verschwunden und dann wieder aufgetaucht. Ihre Eltern hatten sie als vermisst gemeldet. Dann kamen unterschiedliche Gerüchte auf: Zunächst hieß es, Männer mit südländischem Aussehen hätten das Mädchen entführt und vergewaltigt. Anschließend hatte es geheißen, sie habe die Zeit mit zwei türkischstämmigen Jugendlichen verbracht.

Mädchen war bei deutschem Bekannten

Beides ist unwahr, erfuhr nun der SPIEGEL von der Berliner Staatsanwaltschaft. In der fraglichen Zeit war das Mädchen bei einem 19-jährigen deutschen Bekannten. Der junge Mann "ohne Migrationshintergrund" habe angegeben, dass sich die 13-Jährige freiwillig bei ihm aufgehalten habe. Das bestätige auch die Mutter des 19-Jährigen der Staatsanwaltschaft.

Lange vor dem Verschwinden des Mädchens hatte es offenbar sexuellen Kontakt zu einem Türken und zu einem Deutschtürken gegeben. Darauf waren die Behörden im Rahmen der Ermittlungen aufmerksam geworden. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen die beiden Männer wegen des Verdachts auf schweren sexuellen Kindesmissbrauch.

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cht/dpa
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