Kambodscha Prozess gegen Rote Khmer beendet

In Kambodscha ist der Prozess gegen die letzten lebenden ranghohen Mitglieder der Roten Khmer zu Ende gegangen. Bis zum Schluss beteuerten die beiden Angeklagten ihre Unschuld - und verlangten einen Freispruch.
"Bruder Nummer zwei" vor Gericht: "Ich habe kein Verbrechen angeordnet"

"Bruder Nummer zwei" vor Gericht: "Ich habe kein Verbrechen angeordnet"

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Kambodscha: Tribunal gegen die Roten Khmer

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Phnom Penh - Der Prozess gegen die zwei ranghöchsten noch lebenden Roten Khmer in Kambodscha ist nach zwei Jahren zu Ende gegangen. Der einstige "Bruder Nummer zwei", der 87-jährige Nuon Chea, und der 82-Jahre alte Ex-Staatschef Khieu Samphan wiesen zum Abschluss des Verfahrens in Phnom Penh jede Mitverantwortung für den Tod von zwei Millionen Menschen während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 zurück. "Während dieses Prozesses ist klar bewiesen worden, dass ich im Gegensatz zu dem, was die Staatsanwälte sagen, kein Verbrechen angeordnet habe", sagte Nuon Chea. Er fordere daher seinen Freispruch. Zugleich räumte er eine moralische Mitverantwortung ein: "Ich möchte meine tiefe Reue und meine moralische Verantwortung gegenüber den Opfern und dem kambodschanischen Volk ausdrücken, das gelitten hat."

Khieu Samphan gab keinerlei Verantwortung zu. Als Staatschef habe er nur symbolischen Rang, aber keine wirkliche Macht gehabt, argumentierte er. Der Anklage warf er vor, seine Aussagen "manipuliert" zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche lebenslange Haftstrafen für die beiden Angeklagten wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord gefordert.

Unter der Herrschaft der Roten Khmer, angeführt vom 1998 gestorbenen "Bruder Nummer eins" Pol Pot, kam fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung durch Zwangsarbeit, Hungersnöte und Hinrichtungen ums Leben. In dem Verfahren gegen Nuon Chea und Khieu Samphan ging es insbesondere um die massenhaften Zwangsräumungen von Phnom Penh, bei der April 1975 fast die gesamte Bevölkerung aufs Land deportiert wurde.

Eine komplette juristische Aufarbeitung des Genozid der Roten Khmer ist dem Tribunal nicht gelungen. Ursprünglich waren die vier überlebenden Drahtzieher des Regimes angeklagt, auch Ex-Außenminister Ieng Sary und Ex-Sozialministerin Ieng Thirith. Ieng Sary starb im März. Das Verfahren gegen seine Frau wurde wegen fortschreitender Demenz ausgesetzt.

Das von der Uno unterstützte Sondertribunal fällt sein Urteil voraussichtlich im ersten Halbjahr 2014.

sun/dpa/AFP