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Merkel in Harvard: "Nichts muss so bleiben, wie es ist"

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Rede in Harvard Merkel kritisiert indirekt Trump

"Gemeinsam statt allein": Kanzlerin Merkel hat in einer Rede an der US-Eliteuni Harvard die internationale Zusammenarbeit beschworen. Eine kaum verhohlene Kritik an Donald Trump - ohne ihn zu erwähnen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die internationale Zusammenarbeit und den freien Welthandel beschworen. "Mehr denn je müssen wir multilateral statt unilateral denken und handeln", sagte Merkel vor rund 20.000 Absolventen, Angehörigen und Professoren in einer Rede an der US-Eliteuniversität Harvard.

Gehandelt werden müsse global statt national, weltoffen statt isolationistisch - "gemeinsam statt allein". Protektionismus und Handelskonflikte gefährdeten den freien Welthandel und damit die Grundlage des Wohlstands, warnte Merkel.

Namentlich erwähnte sie US-Präsident Donald Trump nicht, doch jeder schien zu verstehen, wen sie meinte.

Besonders deutlich wurde die Kanzlerin, als sie zu "Wahrhaftigkeit gegenüber anderen und uns selbst" aufrief. "Dazu gehört, dass wir Lügen nicht Wahrheit nennen und nicht Wahrheit Lügen", sagte sie. Für diese Aussage bekam sie starken Beifall, viele Zuhörer standen auf und applaudierten.

Man müsse fest zu den unveräußerlichen Werten stehen und danach handeln, betonte Merkel. Bei allem Entscheidungsdruck dürfe man nicht immer den ersten Impulsen folgen, "sondern zwischendurch einen Moment innehalten, schweigen, nachdenken, Pause machen".

"Mauern können einstürzen"

Freiheit, Demokratie, Frieden und Wohlstand seien nicht selbstverständlich, führte Merkel weiter aus. "Aber wenn wir die Mauern, die uns einengen, einreißen, wenn wir ins Offene gehen und Neuanfänge wagen, dann ist alles möglich."

Auch die Mauer-Formulierung kann als Seitenhieb gegen Trump verstanden werden - plant er doch eine Mauer an der Grenze zu Mexiko. Merkel sagte weiter: "Mauern können einstürzen" - und Diktaturen verschwinden. Menschen und vor allem Mädchen müsse Zugang zu Bildung verschafft werden, man könne die Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen - "das alles können wir schaffen".

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Merkel in Harvard: "Nichts muss so bleiben, wie es ist"

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Mit Blick auf den von Menschen verursachten Klimawandel und die daraus folgenden Krisen sagte die Kanzlerin, man müsse "alles Menschenmögliche tun, um diese Menschheitsherausforderung wirklich in den Griff zu bekommen". Noch sei dies möglich. "Doch dazu muss jeder seinen Beitrag leisten", sagte Merkel. "Das sage ich auch selbstkritisch" - man müsse hier besser werden.

Sie werde sich deshalb "mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass Deutschland 2050 das Ziel der Klimaneutralität erreichen werde. "Veränderungen zum Guten sind möglich, wenn wir sie gemeinsam angehen. In Alleingängen wird das nicht gelingen."

Vor ihrer Rede war Merkel von der Universität Harvard mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden. Explizit hob die Hochschule ihre Flüchtlingspolitik hervor.

wal/dpa
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