Treffen in Island Merkel sieht Folgen des Klimawandels auch in Deutschland

Bundeskanzlerin Merkel hat mit den Regierungschefs Skandinaviens in Island über Klimafragen gesprochen. Gerade wurde dort ein Gletscher für "tot" erklärt - für Merkel ein Zeichen, dass gehandelt werden müsse.

Kanzlerin Merkel in Island: "Der Preis des Nichtstuns wird höher sein als der Preis des Handelns"
Egill Bjarnason/ AP

Kanzlerin Merkel in Island: "Der Preis des Nichtstuns wird höher sein als der Preis des Handelns"


Hunderte Menschen hatten in Island vor wenigen Tagen Abschied genommen: Vom Gletscher Okjökull, der offiziell nicht mehr als solcher gilt, da er zu weit abgeschmolzen ist. Nicht weit entfernt davon hat sich nun Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs Skandinaviens getroffen.

Sie seien sich darüber einig, dass der Klimawandel gerade in den nordischen Ländern, aber auch in Deutschland inzwischen sichtbar werde, sagte Merkel. "Der Preis des Nichtstuns wird mit Sicherheit höher sein als der Preis des Handelns."

Die Kanzlerin nahm am informellen Sommertreffen der skandinavischen Regierungschefs teil, die sie diesmal als Gast ihrer jährlichen Zusammenkunft eingeladen hatten. Zuvor hatte Merkel das Geothermie-Kraftwerk Hellisheidi rund 30 Kilometer östlich von Reykjavik besichtigt.

Im Video: Abschied von einem Gletscher

Jeremie RICHARD/ AFP

Hellisheidi ist das größte Kraftwerk seiner Art in Island. Dort produzieren die Isländer aus heißem Wasser und Dampf Heizenergie und Strom. Im Rahmen eines Projektes wird auf dem Gelände des Kraftwerks zudem klimaschädliches CO2 aus der Luft eingefangen und in Gestein gespeichert.

1890 erstreckte sich der Okjökull noch auf einer Fläche von 16 Quadratkilometern, seine Eisschicht war mehr als 50 Meter dick. Bereits 2014 erkannten ihm Wissenschaftler die Einstufung als Gletscher ab. Schmelzende Gletscher verlieren weltweit nach neuen Schätzungen jährlich rund 335 Milliarden Tonnen Eis.

Anfang des Monats hatte der Weltklimarat IPCC in einem Sonderbericht festgestellt, dass der weltweite Temperaturanstieg über den Landflächen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits bei 1,53 Grad liegt.

Abstimmung über Schutz des Regenwaldes

Die Länder aus dem Norden wollen deutlich früher als die Bundesregierung das Ziel der Klimaneutralität schaffen, Island beispielsweise bereits 2040 und damit zehn Jahre vor Deutschland. Deutschland bekenne sich zum Zieljahr 2050, sagte Merkel.

Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg kündigte an, dass die nordischen Länder Island, Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland dazu auch über neue Klimaschutzziele nachdächten, damit die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad begrenzt werden könne. Nötig sei auch eine Abstimmung etwa über den Schutz des Regenwaldes. Sowohl Deutschland als auch Norwegen als größter Geldgeber für den Erhalt des Amazonas-Waldes haben Mittel zurückgezogen, weil der brasilianischen Regierung eine verstärkte Abholzungspolitik vorgeworfen wird.

vks/dpa/Reuters



insgesamt 58 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Brösel4 20.08.2019
1. Ob sich Frau Merkel
bei dieser Gelegenheit dort auch gleich die riesigen Bitcoin-Mining-Farmen angesehen hat, die für die aufwändige Bitcoin-Generierung einen nicht unerheblichen Teil des isländischen Billig-Ökostroms gleich wieder für Bits und Serverkühlung abgreifen? Und damit gleich wieder völlig sinnlos zum Fenster rausblasen?
L_P 20.08.2019
2. Die Kunst des Machbaren
wird die Politik von Profis genannt. Ist die Herstellung eines nahezu weltweiten Konsens zur "Rettung" (wovor? verhungern, ertrinken, sich ändern?) des Klimas machbar? Warum arbeiten die Grünen nicht daran? Wo sind die Verhandlungen mit Trump, der chinesischen KP, Indien, Brasilien etc.? Es gibt sie nicht. Nur Vorschläge, die auf eine Schwächung Deutschlands hinauslaufen. Diedas Weltklima nicht signifikant ändern wird. Und ach wie bequem ist das Thema Klima für die Dauerkanzlerin Merkel, enthebt es sie doch scheinbar der Pflicht sich mit unmittelbareren insbesondere für Frauen tödlichen Folgen ihrer Politik öffentlich auseinander setzen zu müssen. Die Vordenker der Grundgesetzes hätten besser geschrieben, daß jeder Deutsche (m/w) die PFLICHT hat, im Falle von offensichtlich kriminellem Regeirungshandeln Widerstand zu leisten und nicht nur das RECHT dazu einräumen. Außerdem hätten sie gut daran getan, für den Fall Vorsorge zu tragen, daß sich das oberste Gericht durch Nichtbefassung seiner Aufgabe entzieht.
losmajos45 20.08.2019
3. So ein Quatsch !!
Fur Frau Merkel ist das ein Zeichen, daß etwas für das Klima getan werden muß ? Und was, bitte, ist mit den Zeichen all die Jahre vorher, die Frau Merkel, und auch alle anderen Politiker, nicht beachtet haben? Irgendwie habe ich das Gefühl, Klima ist gerade in Mode in der Politik, aber wir sollten uns nicht auf den Arm nehmen lassen. Die Politiker sollen endlich mal ihren Job machen und Lösungen ausarbeiten (lassen), die wir mittragen können !! Dafür werden sie von uns großzügig bezahlt. Und nicht dafür, daß sie sich einen großen Teil ihrer Zeit mit sich selbst beschäftigen, und ab und zu ein medientaugliches Statement abgeben !
gantenbein3 20.08.2019
4. Es fällt schwer
die Äußerungen von Frau Merkel in Island anders als sarkastisch zu kommentieren. Dort fordert sie Demut vor der Natur ein und hier, im eigenen Land, hält sie u.a. der Automobilindustrie die Stange, die uns im Wege des Betruges die Atemluft über Gebühr verunreinigt. Das passt nicht zusammen.
FrankDunkel 20.08.2019
5.
Das nennt man dann wohl Offenbarungseid. Die Frau ist insgesamt seit über 20 Jahren in Regierungsverantwortung, davon 14 Jahre als Kanzlerin. Außer vollmundigen Absichtserklärungen ist nicht viel passiert. Jetzt erst wach zu werden ist ziemlich armselig.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.