Abzug von US-Truppen Merkel mahnt Erdogan zur Zurückhaltung in Syrien

Plant die Türkei nach dem Abzug der US-Truppen eine Militäroffensive in Syrien? Kanzlerin Merkel hat sich am Telefon mit dem türkischen Präsidenten verständigt.

Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan
AP

Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan


Angesichts des geplanten Abzugs der US-Truppen aus Syrien wollen die Türkei und Deutschland in engem Kontakt bleiben. Darauf hätten sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Telefonat verständigt, meldete die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Neben den Entwicklungen in Syrien sei es bei dem Gespräch außerdem um die Themen Migration und Terrorbekämpfung gegangen.

Eine Sprecherin der Bundesregierung sagte, die Kanzlerin habe die Rolle der Türkei gewürdigt, insbesondere bei der Aufnahme syrischer Flüchtlinge. Sie habe zudem die Erwartung geäußert, dass die Türkei mit Zurückhaltung und Verantwortung auf den angekündigten Rückzug der US-Truppen reagieren werde.

Merkel und Erdogan hätten die Bedeutung des politischen Prozesses unter der Leitung der Vereinten Nationen zur Beilegung des Konflikts in Syrien betont. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sei zwar durch das gemeinsame Handeln zurückgedrängt, bleibe aber eine erhebliche Gefahr.

Offensive verschoben

Am Samstag hatten sich die Türkei und Russland bei einem Treffen auf Ministerebene in Moskau darauf geeinigt, ihr Vorgehen in Syrien stärker zu koordinieren. An dem Treffen nahmen der russische Außenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie deren jeweilige türkische Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu und Hulusi Akar teil.

Die US-Regierung hatte vor etwas mehr als einer Woche den Abzug ihrer Bodentruppen aus dem von der Kurdenmiliz YPG kontrollierten Gebieten in Nordsyrien verkündet. Bislang war die YPG ein enger Verbündeter der USA im Kampf gegen den IS. Die Türkei betrachtet die YPG als Terrororganisation und will sie mit einer Offensive von der türkisch-syrischen Grenze vertreiben. Nach der Bekanntgabe des US-Abzugs hat Erdogan die Offensive aber erst einmal verschoben.

boj/dpa



insgesamt 66 Beiträge
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DHempelmann 30.12.2018
1. Verständigt?
Was soll "verständigt" bedeuten? Merkel hat Erdogan mit dem Schärfsten gedroht, was der deutschen Politik im Moment zu solchen Dingen einfällt. Wenn er es auch nur wagt, irgendwelche schweren Menschenrechtsverletzungen in Syrien zu begehen, wird man von Seiten der deutschen Regierung "besorgt" oder im äußersten Fall sogar "sehr besorgt" sein. Das saß! Erdogan zittern jetzt schon die Knie, so wie es Putins jedesmal tun, wenn er wieder mit Angela gesprochen hat....
staplerfahrer_klaus 30.12.2018
2. Angenommen:
- die USA ziehen ihre Truppen ab - die Kurden bitten Assad um Hilfe, der übernimmt wieder die übergeordnete staatliche Kontrolle über die kurdischen Separatistenregionen mit weiterhin weitgehenden Autonomierechten - Erdogan reicht das um sich sicher genug zu fühlen, dass kein kurdischer Staat gegründet wird, er verzichtet auf eine größere Invasion des syrischen Staatsgebietes. - Syrien ist damit innerhalb der alten Grenzen neu geeint und einem echten Friedensprozess steht damit nichts mehr im Weg. Das wäre doch super.
spiegelneuronen 30.12.2018
3. Übersetzung
ZITAT+++Angesichts des geplanten Abzugs der US-Truppen aus Syrien wollen die Türkei und Deutschland in engem Kontakt bleiben. Darauf hätten sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Telefonat verständigt, meldete die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.+++Z.-Ende Das bedeutet dann wohl übersetzt, das die Aufklärungsflieger der Bundeswehr die Daten via NATO-Partnerschaft dann an die Türkei liefern. Das ist schon ein sehr bemerkenswerter Fakt. Deutschland liefert Daten für einen völkerrechtswidrigen Angriff der Türkei. Vielleicht sollte man mal die Parlamentsarmee Bundeswehr zurückholen. Die Lage, die hier entsteht dürfte wohl kaum vom Mandat des Bundestages bei diesem Einsatz gedeckt sein.
keine Zensur nötig 30.12.2018
4. Lustiges zum Jahresende -
nicht nur im TV, nun auch aus dem Kanzleramt. Frau Merkel hat sich verständigt. Frage: Mit oder oder ohne deutsches Steuergeld? Tatsache ist, dass mit dem Abzug der US-Truppen die völkerrechtswidrige Besetzung endet - unblutig zudem. Daran hat Merkel keinen Anteil. Mit dem Einmarsch regulärer syrischer Truppen wird die Gesamtstaatlichkeit in Syrien wieder hergestellt. Ein Angriff des Sultans E. aus A. würde eine indirekte Konfrontation mit Russland bedeuten. Fazit: Die westlichen Nah-Ost-Abenteuer enden in einem Fiasko. Da sich die USA zurückziehen, nehmen Russen und Chinesen deren Plätze ein. Auch lustig: Uschi schickt Ausbilder in den Irak. Der ersetzt gerade US-Technik mit Technik der Russen - Panzer, Helis, Flugzeuge. Igendetwas geht da wieder mal tüchtig daneben. Es zahlt der deutsche Steuerzahler.
schmidt.it 30.12.2018
5. Merkel die lahme Ente
Das ist der Witz des Jahres. Frau Merkel mahnt Erdogan zur Zurückhaltung. Achtung : AKK machen Sie sich zum Übernahmekampf bereit!!
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