Treffen mit May Merkel verärgert über Juncker nach Brexit-Dinner

Hat Jean-Claude Juncker Details über sein missratenes Brexit-Abendessen mit Theresa May lanciert? Im Kanzleramt ist man nach SPIEGEL-Informationen nicht begeistert.
Jean-Claude Juncker, Angela Merkel

Jean-Claude Juncker, Angela Merkel

Foto: AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist verärgert über das Verhalten von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei den Brexit-Verhandlungen. Der Zorn der Kanzlerin entzündete sich an den Details über ein konfrontatives Abendessen Junckers mit der britischen Premierministerin Theresa May, die in einem Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gelandet waren. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Bei dem Gespräch zwischen den beiden ging es um die Bedingungen für den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union. Im Kanzleramt geht man davon aus, dass Juncker oder sein Kabinettschef Martin Selmayr die Zeitung über den Gesprächsverlauf informiert haben. Es sei nicht besonders hilfreich, die Stimmung derart anzuheizen, heißt es.

In dem Zeitungsartikel wird die Debatte zwischen Juncker und May in vielen Einzelheiten nacherzählt. So habe Juncker unter anderem gesagt: "Der Brexit kann kein Erfolg werden." Diesen Satz wiederholte Selmayr im Laufe der Woche. Außerdem soll der Kommissionschef zu seiner Gastgeberin gesagt haben: "Je mehr ich höre, desto skeptischer werde ich."

Anlass für das missratene Dinner war unter anderem die britische Blockadehaltung bei der anstehenden Überprüfung des mehrjährigen EU-Finanzrahmens bis 2020. Sollten die Briten ihr Veto über den Wahltag am 8. Juni hinaus aufrechterhalten, drohen weitreichende Konsequenzen. "Ich glaube nicht daran, dass die Briten ihre Blockade nach der Wahl beenden", sagt Jens Geier, Chef der SPD-Abgeordneten im Europaparlament. "Das wird uns wehtun."

Nach Geiers Informationen stehen 200 Millionen Euro für das Forschungsförderprogramm Horizont 2020 auf dem Spiel, zudem 1,2 Milliarden Euro für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und etwa 2,5 Milliarden Euro für den Aufbau eines europäischen Grenzschutzes oder die Migrantenhilfe. Führende Europapolitiker gehen davon aus, dass das britische Nein beim Haushalt erst der Beginn ist.

pm/ran