Staatsbesuch in Argentinien Merkel will nicht "Anführerin der freien Welt" sein

Da Donald Trump ausfällt, erheben manche Beobachter Angela Merkel zur "Anführerin der freien Welt". In Argentinien machte die Kanzlerin deutlich, was sie davon hält.
Angela Merkel und Mauricio Macri

Angela Merkel und Mauricio Macri

Foto: MARCOS BRINDICCI/ AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist der Erwartung entgegengetreten, sie könne vom US-Präsidenten die Rolle als "Anführerin der freien Welt" übernehmen. Internationale Beobachter drängen sie dazu, das Vakuum zu füllen, das Donald Trump mit seinem isolationistischen "America First"-Kurs hinterlässt.

Sie würde sagen, "dass keiner alleine auf dieser Welt, keine Einzelperson und kein Land alleine die Probleme lösen kann", sagte Merkel nach einem Treffen mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri in Buenos Aires. "Wir müssen alle zusammenarbeiten, und wir setzen uns beide ... für eine freie offene Welt ein, bei der wir die Globalisierung menschlich gestalten wollen."

Deutschland suche Verbündete für seine Anliegen, sagte Merkel zu Spekulationen, sie wolle eine "Allianz gegen Trump" schmieden. Zugleich betonte sie angesichts der protektionistischen Politik Trumps: "Man kann vielleicht durch Abschottung für kurze Zeit einen kleinen Vorteil herausholen." Dies sei aber auf Dauer für die Menschen nicht gut.

Trump könnte für Merkel zur Belastung werden

Mit Blick auf den G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg sagte Merkel, dort würden Vereinbarungen einstimmig verabschiedet. Dabei werde es auch Punkte geben, "wo wir nicht alles das bekommen, was wir uns wünschen würden". Dies sei besonders nach Trumps Entscheidung zum Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen offensichtlich.

Sie werde daran arbeiten, möglichst viele Gemeinsamkeiten in Hamburg zu finden. "Aber auch als Gastgeberin werde ich auch Unterschiede benennen müssen, wenn wir an bestimmten Stellen keine Einigung erzielen."

Trump gefährdet mit seiner protektionistischen Handelspolitik und dem Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen wesentliche Ziele Merkels beim G20-Treffen. Für Merkel könnte das wenige Monate vor der Bundestagswahl im September eine schwere Belastung im Wahlkampf bedeuten.

Merkel mahnt zu Kompromissbereitschaft

Merkel forderte nach ihrem Gespräch mit Macri zudem die EU und die deutsche Landwirtschaft zur Kompromissbereitschaft für den Abschluss eines Freihandelsabkommens mit der südamerikanischen Staatengruppe Mercosur auf.

"Das Aushandeln eines Freihandelsabkommens ist immer eine schwierige Angelegenheit", sagte die Kanzlerin. Auch Deutschland sei nicht immer ein einfacher Partner. Man habe Interessen immer stark vertreten. Zudem gebe es in der Bundesrepublik eine starke Landwirtschaft, die zum Teil sehr skeptisch auf solche Abkommen schaue. Andere Abkommen hätten gezeigt, dass beide Seiten davon profitierten. Die EU will das Abkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay noch in diesem Jahr abschließen.

brt/dpa/Reuters
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