Angriff auf Armeehauptquartier Pakistan kündigt schnelle Gegenoffensive gegen Taliban an

Diese Schmach kann Pakistans Regierung nicht auf sich sitzen lassen: Nach dem Angriff auf das Hauptquartier der Armee hat der Innenminister nun angekündigt, massiv gegen die Taliban im eigenen Land vorzugehen. Eine großangelegte Operation stehe kurz bevor.

AFP

Rawalpindi - Wir werden kein Erbarmen mit ihnen haben, weil es unsere Absicht und unser Entschluss ist, sie loszuwerden. Es gibt für sie keinen Platz in Pakistan, das verspreche ich", sagte der pakistanische Innenminister Rehman Malik am Sonntag an die Adresse der Taliban. Die von langer Hand geplante Offensive mit etwa 28.000 Mann gegen die Islamisten in der Region Waziristan stehe kurz bevor. "Jetzt hat die Regierung keine andere Möglichkeit mehr, als eine Offensive zu starten", so Malik

Die USA hatten Pakistan immer wieder gedrängt, gegen die Extremisten in den Stammesgebieten vorzugehen. Nach drei erfolglosen Operationen zögerten die Streitkräfte jedoch, eine neue Militäraktion zu starten. Es wird geschätzt, dass die Taliban und andere Gruppen etwa 10.000 Kämpfer in Südwaziristan unter Waffen haben.

Den Ausschlag für die Bereitschaft, nun doch gegen die Taliban im eigenen Land vorzugehen, war die jüngste Attacke der Terroristen. Islamische Extremisten hatten am Samstag mit einem Angriff auf das Hauptquartier der Streitkräfte in Pakistan den Konflikt mit der Regierung erneut verschärft. Erst nach 22 Stunden konnten Elitesoldaten die Lage unter Kontrolle bringen. Mindestens 20 Menschen kamen ums Leben.

Mit zahlreichen Geiseln verschanzt

Neun bewaffnete Männer waren durch das Haupttor in das militärische Hauptquartier in Rawalpindi eingedrungen. Sie erschossen sechs Soldaten und verschanzten sich mit zahlreichen Geiseln. Die Angreifer trugen Armeeuniformen und kamen in einem weißen Lieferwagen mit einem Kennzeichen der Streitkräfte. Der Militärexperte Kamran Bokhari sagte, die Tatumstände deuteten darauf hin, dass die Extremisten die Armee infiltriert hätten.

Am Sonntag stürmte schließlich ein Spezialkommando das Gebäude, in dem sich die Angreifer verschanzt hielten. Neun Extremisten wurden erschossen, ihr Anführer konnte festgenommen werden. 42 Geiseln wurden befreit, drei starben. Auch zwei Elitesoldaten wurden bei der Befreiungsaktion getötet.

Der Angriff in der Garnisonsstadt Rawalpindi, nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt, war der dritte schwere Anschlag innerhalb einer Woche. Am Freitag kamen bei einem Selbstmordanschlag auf einem Markt in Peschawar 49 Menschen ums Leben. Zuvor wurden bei einem Bombenanschlag auf das Büro des Welternährungsprogramms (WFP) fünf Menschen getötet.

Die Serie der Anschläge hat die Hoffnung der pakistanischen Regierung zerstört, die Extremisten könnten nach dem Tod des Taliban-Führers Baitullah Mehsud bei einem US-Angriff im August entscheidend geschwächt worden sein. Dessen Nachfolger Hakimullah Mehsud hat kürzlich vor Journalisten in Südwaziristan angekündigt, dass die Taliban zu weiteren Angriffen auf Streitkräfte, Regierung und andere Ziele entschlossen seien.

jdl/AP/Reuters

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eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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