Angriff auf deutsche Soldaten Taliban attackieren Bundeswehr in Kunduz

Am Tag der offiziellen Trauerfeier für die drei gefallenen deutschen Soldaten haben Taliban erneut die Bundeswehr angegriffen. Eine am Straßenrand versteckte Bombe explodierte, als ein Truppen-Konvoi passierte. Verletzt wurde niemand.

ddp

Von und Shoib Najafizada


Berlin/Kabul - Die Taliban haben erneut die Bundeswehr angegriffen. Die Explosion ereignete sich gegen 9.30 Uhr Ortszeit in Kunduz in Nordafghanistan. Ein Konvoi mit deutschen Soldaten war gerade auf dem Weg vom deutschen Camp in die Innenstadt, als ein an der Straße versteckter Sprengsatz gezündet wurde. Ein Fahrzeug des Typs "Wolf" wurde durch die Explosion so schwer beschädigt, dass es nicht mehr weiterfahren konnte. Soldaten wurden nicht verletzt.

Die Taliban behaupteten, bei dem gezielten Angriff auf die Bundeswehr seien mehrere Panzer der Deutschen zerstört und viele Soldaten getötet worden. Die Angaben des Taliban-Sprechers, der sich eine Stunde nach der Attacke meldete, sind in der Regel stark übertrieben.

Der neue Angriff ereignete sich nur wenige Stunden vor dem Beginn der großen Trauerfeier für die drei am Karfreitag gefallenen Soldaten der Bundeswehr. In der Nähe von Seedorf, wo die drei Fallschirmjäger stationiert waren, werden mehr als zweitausend Gäste für die Zeremonie in der St. Lambertikirche in Selsingen erwartet. Überraschend hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Kommen zugesagt.

Es ist das erste Mal, dass die Kanzlerin an einer Trauerfeier des Militärs für Gefallene teilnimmt. Merkel hatte mit ihrer Entscheidung bis zum Mittwoch abgewartet, am gleichen Tag gab es auch schon Forderungen aus dem Bundestag, die Kanzlerin solle an der Zeremonie teilnehmen.

Der Militärseelsorger Hartwig von Schubert der Führungsakademie der Bundeswehr begrüßte die Teilnahme Merkels. Die Soldaten seien "für den Staat, für die Republik dort. Es ist wichtig, dass sich alle, die Verantwortung tragen, mit in die Trauergemeinde einreihen", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin".

Persönliche Geste gegenüber Angehörigen

Der Trauergottesdienst, bei dem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für die Bundesregierung kondolieren wird, beginnt gegen 14 Uhr. Vorher wollen die Kanzlerin und der Minister den Angehörigen in einem Gespräch persönlich ihr Beileid aussprechen. Gemeinsam mit den Familien werden sie dann in die Kirche für den Gottesdienst gehen. Merkel will dort ebenfalls eine kurze Rede halten.

Neben Merkel und Guttenberg werden an der Trauerfeier auch der Generalinspekteur Volker Wieker, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und viele hochrangige Militärs teilnehmen. Daneben werden viele Soldaten der Luftlandebrigade 31 aus Seedorf erwartet, die von ihren Kameraden Abschied nehmen wollen. Hunderte Menschen haben sich bereits in ein Kondolenzbuch eingetragen, das die Armee ausgelegt hat.

Auf dem Marktplatz vor der Kirche sammelten sich schon am Vormittag hunderte Zuschauer. Der Gottesdienst wird von mehreren Fernsehsender live übertragen, fast 150 Journalisten aus ganz Deutschland sind angereist. Schon jetzt ist klar, dass die Gedenkstunde die größte Veranstaltung sein wird, die es je für in Afghanistan gefallene Soldaten gab.

Der neue Angriff in Nordafghanistan zeigt, dass die Taliban weiter in der Lage sind, die Bundeswehr jederzeit anzugreifen. Am Karfreitag hatten die Aufständischen die Deutschen in einen Hinterhalt gelockt. Auf diese Aktion hatten sich die Kämpfer offenbar mehrere Tage vorbereitet. Zwar hatte eine Drohne der Bundeswehr das Gebiet vor dem Angriff überflogen, doch die Angreifer wurden dabei nicht entdeckt.

Die US-Armee geht rund um den Unruheherd Chahar Darreh, wenige Kilometer südwestlich des deutschen Feldlagers, weiter offensiv gegen die Taliban vor. Dorfbewohner berichteten, in der Nacht seien Hubschrauber mit Spezialkräften in einer kleinen Ortschaft gelandet, die Soldaten sollen zwei Menschen erschossen haben. Die Dorfbewohner sprachen von Zivilisten, doch der Gouverneur der Provinz bezeichnete einen der Getöteten als Kommandeur der Taliban.

Bei einem weiteren Vorfall am frühen Morgen eröffneten Taliban-Kämpfer das Feuer auf zwei vorbeifliegende US-Hubschrauber. Daraufhin landeten die beiden Helikopter und schossen zurück. Nach bisherigen Angaben wurden drei Angreifer getötet.

Die US-Armee hat ihre Präsenz in Kunduz in den letzten Monaten massiv verstärkt. Vor dem Einmarsch von insgesamt 5000 US-Soldaten schickte US-General Stanley McChrystal gut ein Dutzend Helikopter in den nordafghanischen Unruheherd, darunter mehrere Kampfhubschrauber.

insgesamt 147 Beiträge
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Bre-Men, 09.04.2010
1. Zum Nachdenken
"Aus gutem Stahl macht man keine Nägel, und aus guten Männern keine Soldaten." (Konfuzius)
shokaku 09.04.2010
2. Wo Problem?
Zitat von Bre-Men"Aus gutem Stahl macht man keine Nägel, und aus guten Männern keine Soldaten." (Konfuzius)
Da es in diesem durchgegenderten Staat ja per definitionem keine guten Männer geben kann, hat Deutschland doch genügen passendes Soldatenmaterial.
Walter Sobchak 09.04.2010
3. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Wozu denn bitte zu dieser NULL Nachricht ein Forum eroeffnen und zu so wichtigen Dinge wie Export Ueberschuss mal lieber keins? Aber nun gut, wenigstens habe ich dadurch jetzt den tollen Konfuzius Spruch gelernt :)
atipic, 09.04.2010
4. Volkeswille?
Die Einmischung in einem BÜRGERKRIEG auf der Seite der Regierungstruppen von Herrn Karsai wird uns Deutsche noch mehr kosten als wir bereits für diesen gezahlt haben. Solche Taliban Angriffe werden immer häufiger passieren, und die Schäden – nicht nur materieller Natur - werden größer und größer. Aber WIR - unsere Politiker - werden weiterhin Deutschland in Afghanistan verteidigen!
ecce homo 09.04.2010
5. Die Angriffe werden häufiger und schwerer werden
Dadurch, daß man sich den absolut unnötigen "Fehler" mit dem Angriff auf die Tanker/LKWs und die dadurch getöteten Zivilisten geleistet hat, hat man sich nun zu einer attraktiven Zielscheibe gemacht. Zum einen deswegen, weil jeder Angriff der Taliban nun öffenlichkeitswirksamer wird und zum anderen deswegen, weil sich die Bundeswehr dadurch in ihrem Verhalten den US-Truppen angeglichen hat und nun mehr dem Feindbild entspricht.
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