Angriff auf Gaza-Konvoi Tausende demonstrieren in Europa gegen Israel

Bei europaweiten Protesten gegen die israelische Militäraktion kam es zu Ausschreitungen. In Paris und Athen versuchten Demonstranten die Botschaft zu stürmen, riefen "Israel, Mörder". Laut Auswärtigem Amt waren zehn Deutsche an Boot der Schiffe - die drei Politiker der Linkspartei sind unverletzt.

Demonstrant mit palästinensischer Flagge vor dem israelischen Konsulat in Istanbul
REUTERS

Demonstrant mit palästinensischer Flagge vor dem israelischen Konsulat in Istanbul


Paris - Die Wut auf Israel ist groß, ebenso wie die Solidarität mit den Palästinensern: Mehrere tausend Menschen haben am Montagabend in europäischen Großstädten gegen die israelische Erstürmung der internationalen Gaza-"Solidaritätsflotte" demonstriert.

Dabei ist es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. In Paris ging die Polizei mit Tränengas und Pfefferspray gegen mehrere hundert Demonstranten vor. An dem Protest in der französischen Hauptstadt beteiligten sich laut Polizei rund 1200 Menschen. Sie brachten den Verkehr nahe der israelischen Botschaft zum Erliegen, viele riefen "Israel, Mörder" und "Wir alle sind Palästinenser".

Einzelne Demonstranten versuchten, sich der israelischen Botschaft in Paris zu nähern, teilten die Behörden mit. In Straßburg, wo ebenfalls mehr als 1000 Menschen auf die Straße gingen, setzte die Polizei Tränengas ein. Weitere anti-israelische Demonstrationen wurden aus Lille und Toulouse gemeldet.

Vor der israelischen Botschaft in Athen demonstrierten rund 2500 Menschen, Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Blendgranaten ein. Einige Demonstranten warfen Steine und versuchten zum Botschaftsgebäude vorzudringen. In Schweden beteiligten sich an Protestaktionen in Stockholm und Göteborg jeweils etwa 2000 Bürger, und in Malmö etwa 500 Demonstranten. Sie verlangten Sanktionen gegen Israel. Auch in Norwegen, Griechenland, Zypern, Italien und weiteren Ländern fanden Demonstrationen statt.

Bundestagsabgeordnete unverletzt - Schicksal anderer Deutscher noch unklar

In Teheran verbrannten Dutzende Demonstranten israelische Flaggen und warfen Steine gegen Uno-Büros. In der irakischen Hauptstadt Bagdad gingen schätzungsweise 3000 Menschen auf die Straße.

Bei dem israelischen Militäreinsatz in internationalen Gewässern wurden am Montag neun pro-palästinensische Aktivisten getötet und Dutzende Menschen verletzt. Das blutige Vorgehen der Streitkräfte in internationalen Gewässern stieß im Ausland auf scharfe Kritik und Empörung.

An Bord der Schiffe sollen sich rund 700 Menschen befunden haben. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes waren insgesamt zehn Deutsche an Bord der verschiedenen Schiffe. Die Partei Die Linke teilte mit, ihre beiden Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth sowie der ehemalige Linken-Bundestagsabgeordnete Norman Paech, die an Bord der Schiffe waren, seien wohlauf.

Auch drei weiteren Deutschen gehe es den Umständen entsprechend gut, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montagabend mit. An Bord der "Mavi Marmara" hielten sich nach unbestätigten Informationen sechs Deutsche auf. Die Bundesregierung dränge weiter "hochrangig" vor Ort auf Klärung des Verbleibs der anderen deutschen Staatsangehörigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach der tödlichen Kommandoaktion Forderungen an Israel nach einem Ende der Blockade des Gazastreifens bekräftigt. Sie habe Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu in einem Telefonat zur Aufhebung der Blockade aufgefordert, "weil das aus humanitären Gründen nicht in Ordnung ist", sagte Merkel am Montagabend in einem Interview mit ARD und ZDF. Die Bundesregierung sei tief besorgt, dass es zur Eskalation kommen könne.

lgr/apn/dpa

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