Angriff auf Gegner Teherans Irakische Soldaten töten Exil-Iraner

Irakische Soldaten haben ein Lager von Exil-Iranern gestürmt. Bei dem Angriff auf Gegner des Regimes in Teheran sollen mindestens elf Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden sein.


Bakuba/Istanbul - Der Angriff erfolgte im Morgengrauen: Irakische Soldaten haben am Freitag eine Siedlung der iranischen Volksmudschahedin nördlich von Bagdad gestürmt. Der irakische Generalleutnant Ali Ghaidan bestätigte die Offensive im Camp Aschraf in der Provinz Dijala.

Nach Angaben der iranischen Oppositionsgruppe wurden bei dem Angriff elf Bewohner des Lagers getötet. Etwa 200 Menschen seien verletzt worden, teilte die Organisation mit, die für einen Sturz des iranischen Regimes kämpft. Ein Bewohner der Siedlung sagte sogar, 23 Menschen seien getötet worden, darunter sechs Frauen.

Aus irakischen Sicherheitskreisen hieß es, bei "Zusammenstößen" zwischen Soldaten und den Volksmudschahedin seien drei Iraner getötet worden. 14 Iraner und sechs Soldaten hätten Verletzungen erlitten. Der irakische Generalleutnant Ali Ghaidan erklärte, die Offensive sei eine Reaktion auf Angriffe der Iraner. Diese hätten in den vergangenen Tagen Steine geworfen und sich vor die Militärfahrzeuge gelegt.

Hintergrund der Offensive: Der 2003 gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein, der sein Land in einen Krieg mit Iran geführt hatte (1980-1988), war ein Unterstützer der iranischen Oppositionsgruppe. Er hatte ihr einst erlaubt, in der Provinz Dijala ein Militärlager zu beziehen. Die aktuelle irakische Regierung wird jedoch von Schiiten-Parteien dominiert, die gute Beziehung zu Teheran pflegen und deshalb das Lager am liebsten schließen würden. Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat bereits angekündigt, die Siedlung räumen zu lassen.

als/dpa/DAPD

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insgesamt 7 Beiträge
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hairforce 08.04.2011
1. wieder nichts dazu gelernt
Zitat von sysopIrakische Soldaten haben ein Lager von Exil-Iranern gestürmt. Bei dem Angriff auf Gegner des Regimes in Teheran sollen mindestens elf Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755853,00.html
Da werden die Amerikaner mal wieder mit ihrem (sinnloser Ausflug) Irak-Engagement am Ende noch tiefer ins Klo gegriffen haben als bisher schon klar war. Sollte die Irakische Armee jetzt schon schamlos bekunden auf der Seite des Iran zu stehen, kann man an drei Fingern abzählen was die Zukunft bringt.
albert schulz 08.04.2011
2. zwischen den Zeilen
Das ist ja ein Ding, klammheimlich in die letzte Zeile gepfuscht: Die Regierung im Irak unterhält freundschaftliche Beziehungen zur "Achse des Bösen". Das wäre doch wenigstens eine Titelgeschichte wert, oder eine spannende Serie. Zumal immer wieder rauskommt, daß Deutschland zumindest merkantil gewaltiges Mitleid mit diesen armen Leuten hat. Von wem gleich hatte Saddam Hussein seine furchtbaren Vernichtungswaffen ?
j0nnl 08.04.2011
3. Investigativjourmalismus
Zitat von sysopIrakische Soldaten haben ein Lager von Exil-Iranern gestürmt. Bei dem Angriff auf Gegner des Regimes in Teheran sollen mindestens elf Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755853,00.html
Gut, dass SPON darüber berichtet, schade, dass es unter ferner-liefen mit einer Nachrichtenagentur-Meldung geschieht. Dieser Vorfall wäre an sich ein Anlass eine tiefer gehende Geschichte zu recherchieren..
Montanabear 09.04.2011
4. Angriff auf Gegner Tehrans
Zitat von hairforceDa werden die Amerikaner mal wieder mit ihrem (sinnloser Ausflug) Irak-Engagement am Ende noch tiefer ins Klo gegriffen haben als bisher schon klar war. Sollte die Irakische Armee jetzt schon schamlos bekunden auf der Seite des Iran zu stehen, kann man an drei Fingern abzählen was die Zukunft bringt.
Nun machen Sie Ihren lodeckel wieder zu. Die Mujaheddin sind die Freunde von Niemand. Bis vor kurzem standen sie auf der Liste der Terrororganisationen. Nur weil sie gegen das Regime im Iran sind, sind sie keine "guten" Menschen. Sie stehen dem in Ideologie und Grausamkeit in keiner Weise nach. Ja, es steht in dem Artikel, dass sie Sympathisanten in der irakischen Armee haben. Wir wissen jedoch nicht, wieviele, wie verbreitet und aus welchem Grunde. Im Moment sind die Mujaheddin in Washington, D.C. mit einem Hauptquartier etabliert. Was da vor sich geht, ist durchaus nicht sicher und es steht uns Aussenseitern an, keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen. Die Tatsache, dass Frauen getötet wurden, sollte Nemanden erstaunen, sind die doch genau so blutrünstig und bewaffnet wie ihre männlichen Gegenstücke.
albert schulz 10.04.2011
5. Information geht anders
Die Volksmudschahedin haben für den Irak gegen den Iran gekämpft, wurden 2003 von den Amerikanern entwaffnet, bereits am 28.07.09 wurde das Lager Camp Ashraf von den Irakern gestürmt. Die Volksmudschahedin scheinen vor allem im Auftrag der CIA Destabilisierungsmaßnahmen im Iran durchzuführen und für die Informationsbeschaffung tätig zu sein. Der CIA scheint es also absolut schnuppe zu sein, daß es sich sowohl um Kommunisten als auch Mohammedaner handelt. Jetzt könnte man natürlich fragen, woher die ganzen bewaffneten Demokraten in den arabischen Ländern kommen. Umstürzler werden fast immer vom Ausland unterstützt sprich finanziert und mit Waffen versorgt. Außerdem wird die grundsätzliche Frage nicht beantwortet, ob diese Gruppe noch für die USA arbeitet oder ob der Irak sie weghaben will, um sein Verhältnis zu Teheran zu verbessern, und warum er das will.
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