Angriff auf Isaf-Soldaten Nato startet Offensive gegen Taliban

Die Nato beginnt nach einem massiven Taliban-Angriff einen Großeinsatz in Ostafghanistan. Soldaten suchen nach 15 afghanischen Polizisten, die entführt wurden. Die Attacke der islamistischen Kämpfer, bei der acht US-Soldaten starben, hat in Washington eine neue Debatte über den Kriegseinsatz ausgelöst.

US-Soldaten in Afghanistan: Suche nach verschleppten Polizisten
REUTERS

US-Soldaten in Afghanistan: Suche nach verschleppten Polizisten


Berlin - Das Einsatzgebiet im Osten Afghanistans ist schwer zugänglich. Im Bezirk Kamdesch suchen afghanische und Isaf-Soldaten gemeinsam nach den Entführten, sagte am Montag Nuristans Gouverneur Dschamaluddin Badar. Er ließ offen, wie viele internationale und afghanische Soldaten an der Offensive beteiligt sind. Die Truppen, berichtete er, hätten Gebiete abgeriegelt, in denen die verschleppten Polizisten vermutet wurden. Bislang seien keine Schüsse gefallen.

Hunderte Aufständische hatten am Samstag in der Grenzregion zu Pakistan zwei Vorposten der Nato und der afghanischen Armee angegriffen, acht US-Soldaten wurden getötet. Der Angriff forderte die größten Verluste seit einigen Monaten. Von mehreren Stellungen hatten die Taliban einen kleinen Außenposten der US-Armee angegriffen. Bei der offenbar lange geplanten Attacke gerieten die US-Soldaten gemeinsam mit afghanischen Soldaten schnell in Bedrängnis, doch auch die angeforderte Luftunterstützung konnte den Tod der acht Amerikaner und zweier Afghanen nicht verhindern. "Wir haben alles abgeworfen, was wir hatten", sagte ein US-Offizier nach dem Einsatz, "doch es hat nichts genutzt." Nach der Attacke nahmen die Taliban auch 15 afghanische Polizisten gefangen, darunter den örtlichen Polizeichef und seinen Stellvertreter.

Die Attacke hat in den USA erneut die Diskussion über die Strategie im Afghanistan-Krieg befeuert. Der Außenposten in der Hochburg der Taliban ist einer ersten Einschätzung zufolge zu schlecht geschützt gewesen. In den ersten Grundzügen seines neuen Ansatzes hatte der neue US-Kommandeur für Afghanistan erst kürzlich erklärt, die US-Einheiten sollten sich statt in gefährlichen Außenposten lieber in den Städten stationieren und von dort aus ins Gelände gehen. Der tödliche Zwischenfall, so die Analyse mehrerer US-Zeitungen, werde die Frage nach der Umsetzung dieser Direktiven dringlicher machen.

Angesichts der anhaltenden Gewalt wächst in den USA inzwischen der Widerstand gegen eine mögliche Aufstockung der Truppen. Eine Gruppe von etwa 20 Abgeordneten des linken Parteiflügels der Demokratischen Partei von US-Präsident Barack Obama stellte in Washington einen Gesetzentwurf vor, der "jegliche Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan" verbieten würde, wie es in dem Text heißt.

Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta warnte dagegen vor einem Rückzug der ausländischen Truppen. Sein Land sei Opfer eines "internationalen Terrorismus", der Anstieg der Gewalt sei nicht auf einen lokalen Aufstand zurückzuführen.

Einen Tag nach der Attacke auf die US-Soldaten geriet auch die Bundeswehr im Norden Afghanistans erneut unter Feuer. Wie das Bundesverteidigungsministerium in Berlin mitteilte, wurden die deutschen Sicherheitskräfte etwa acht Kilometer westlich des Lagers mit Handfeuerwaffen, Raketen und Panzerabwehrwaffen beschlossen. Die Deutschen erwiderten das Feuer und forderten Unterstützung aus der Luft an. Nach bisherigen Erkenntnissen sei kein deutscher Soldat verletzt worden. Von den lokalen Behörden war zu erfahren, dass die Bundeswehr in Chahar Darreh, einer Hochburg der Taliban, Hinweise auf einen neuen Angriff auf einen Versorgungskonvoi der Nato bekommen hatte und deshalb in der Region patrouillierte.

ler/mgb/AFP

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Seite 1
AndyH 09.09.2009
1.
Das wird eine neue 30 jährige Krieg. Das Ende kommt wenn Pakistan kippt. Dann wird es ernst.
backtoblack 09.09.2009
2. Zwei Jahre noch!
Zitat von sysopDie jüngste Kontroverse um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan setzt sich fort. Auch Umfang und Dauer der Nato-Präsenz am Hindukusch werden diskutiert. Wie lange und in welcher Form soll die Nato noch in Afghanistan tätig sein?
Ende dieses Jahres muss der neu gewählte Bundestag ohnehin über die Verländerung des Mandats befinden. Bis dahin sollte, von welcher einsatzkritschen Partei auch immer, ein Ausstiegsszenario vorliegen. Zwei Jahre dürften genügen, die Rudimente dessen zu schaffen, was man ja ohnehin schon tun wollte, z.B. für eine effiziente Polizeistruktur. Unabdingbar dafür ist, wie heute zu Recht die russische Zeitung Kommersant kommentierte, dass die Wahlen bis dahin eine glaubwürdige Regierung hervorgebracht haben. Wir alle wissen, dass dies wohl kaum der Fall sein wird. Dann darf die potentielle Karsai-Regierung aber auch von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt werden. Eine Exit-Strategie funktioniert nur mit einer leidlich glaubwürdigen Regierung. Man mag dies alles für nicht machbar halten. Die Alternative ist dann ein nicht-endenwollender Krieg, die Bundeswehr als Anti-Guerrilla-Einheit und ein verdammt hoher Blutzoll. Möchte wissen, welche Bundesregierung einen solchen Krieg politisch durchstehen will, der jetzt schon länger dauert als der zweite Weltkrieg.
Krischan01 09.09.2009
3. Schon längst werden wir alle zu Mördern.
Zitat von sysopDie jüngste Kontroverse um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan setzt sich fort. Auch Umfang und Dauer der Nato-Präsenz am Hindukusch werden diskutiert. Wie lange und in welcher Form soll die Nato noch in Afghanistan tätig sein?
Am besten wahre ein schnellst möglicher Abzug der Soldaten in einem Geordneten Rückzug mit Anschließender Ziviler Aufbauhilfe! Schon längst werden wir alle zu Mördern. Zumindest trifft das auf alle Befürworter des Kriegs in Afghanistan zu und jene die Schweigen machen sich zumindest mitschuldig. Auch wenn Kriegsminister Jung alle Gegner des Kriegs in Deutschland Unverholen zu Unterstützern der Taliban verunglimpft gibt es immer weniger Menschen in Deutschland die sich Blenden lassen und am Tot unschuldiger Kinder wie beim letzten von der Bundswehr zu verantwortenden Luftschlag auf gestohlene Tankwagen das wie es heißt Robuste Mandat unterstützen wollen. Nach dem zwischen Aufklärung und Luftschlag durch das zögern des Verantwortlichen Oberst Klein eine zu lange Zeit vergangen war hätten Kenner der Situation in Afghanistan davon ausgehen müssen das sich die Situation geändert hat und eine Gefährdung unschuldiger nicht mehr ausgeschlossen ist. Noch schlimmer als diesen Fehler des Oberst schätze ich dir Vertuschungsversuche ein die uns von einem Erfolg der vermeintlichen Angriffe unterjubeln sollten. Schon mehr als Peinlich ist es in diesem Zusammenhang wenn wir durch die Chef - Agitatoren von Phönix weiter darauf eingeschworen werden unsere angeblichen Versprechen die Rechte der Afghanen mit Gewalt zu Verteidigen. Unterdessen so kann man in der Neuen Züricher Zeitung lesen "spricht ein Distrikt-Gouverneur sogar von 135 Toten. Abdul Wihid Omarkhel sagte der Nachrichtenagentur DPA, er habe eine Liste der Opfer erstellt und der Delegation von Präsident Hamid Karsai übergeben, die den Vorfall ebenfalls untersucht. Es sei unklar, wie viele der Toten Zivilisten gewesen seien. Unter den Opfern seien aber viele Kinder." Die Offiziellen Zahlen der Opfer haben sich mittlerweile als Falsch erwiesen und sollten wahrscheinlich die Bürger bis nach der Wahl täuschen
Specht, 09.09.2009
4.
Zitat von sysopDie jüngste Kontroverse um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan setzt sich fort. Auch Umfang und Dauer der Nato-Präsenz am Hindukusch werden diskutiert. Wie lange und in welcher Form soll die Nato noch in Afghanistan tätig sein?
Nach Akzeptanz einer neuen Marionettenregierung, deren Inauguration durch Wahlbetrug zustandekam, muss dieser Regierung dringend eine schlagräftige Polizei zur Seite gestellt werden. Nach Einrichtung dieses funktionsfähigen Polizeistaates können wir unsere Demokratie- und Freiheitsmission einstellen und abziehen. Die Afghanen werden uns das auf ihre Weise vergelten.
gg art 5 09.09.2009
5.
Zitat von sysopDie jüngste Kontroverse um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan setzt sich fort. Auch Umfang und Dauer der Nato-Präsenz am Hindukusch werden diskutiert. Wie lange und in welcher Form soll die Nato noch in Afghanistan tätig sein?
Antwort ist doch klar. Solange USA es will.
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