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13. September 2012, 10:00 Uhr

Kritik an Obamas Nahost-Kurs

Republikaner lästern über Romney

Der tödliche Anschlag auf den US-Botschafter in Libyen wird in Amerika zum Wahlkampfthema. Mitt Romney greift Barack Obama scharf an, wirft ihm einen zu laschen Kurs vor - nun kassiert er dafür Kritik aus der eigenen Partei. Ein Republikaner spottet: "Es scheint, als würde ihn Sarah Palin beraten."

Washington - Bisher war Mitt Romney vorsichtig, wenn es um die US-Außenpolitik ging. Zu vermint schien dieses Feld, zu groß die Expertise von Präsident Barack Obama, als dass sich der republikanische Herausforderer hier einen Angriff leisten könnte. Das galt bis zu den Attacken auf die US-Vertretungen in Kairo und im libyschen Bengasi.

Schon kurz nach den Vorfällen kritisierte Romney das Verhalten der amtierenden Regierung scharf. Sein Vorwurf an Obama: Dessen Regierung habe sich "für amerikanische Werte entschuldigt", statt zuerst einmal die Attacken zu verurteilen. Für diese Worte muss sich Romney nun auch aus der eigenen Partei mahnende Worte gefallenlassen.

"Seine Aussagen waren nicht gut geplant, viel zu spontan für diesen Anlass", sagte der republikanische Lobbyist Ed Rogers der "Washington Post". "Es ist wichtig, dass Romney sich jetzt als ernsthaft, kontrolliert und glaubwürdig präsentiert", so der Berater weiter. Da hätte der Auftritt vom Mittwoch eher geschadet.

Ähnlich sieht es Republikaner Peter King, Experte für die innere Sicherheit in Romneys Partei: Dieser habe zwar "im großen und ganzen recht gehabt" - sich aber beim Timing verschätzt. "Er hätte einen halben oder sogar einen ganzen Tag warten sollen."

Obama kontert Romneys Kritik

Anonym hielten sich zahlreiche republikanische Kritiker in der "Washington Post" weit weniger zurück. "Billige News" habe Romney produzieren wollen, so ein Republikaner. Das Blog "politico" zitiert namentlich nicht genannte Romney-Berater mit den Worten, dieser habe sich "weiter auf einen Ast gewagt, als sein Team es gewollt hat".

Die deutlichsten Worte fand Matthew Dowd, ehemaliger Stratege für George W. Bush. Er nannte den Vorstoß einen "gewaltigen Fehler" und spottete: "Es fühlt sich fast an, als würde ihn Sarah Palin beraten." Die erzkonservative Palin war in der Vergangenheit durch unbedachte Äußerungen zur Außenpolitik aufgefallen.

Sogar Romneys Mitstreiter und Anwärter als Vizepräsident, Paul Ryan, mahnte zur Mäßigung: "Dies ist eine Zeit, in der wir heilen müssen", sagte er bei einem Auftritt im Bundesstaat Wisconsin.

Auch US-Präsident Obama reagierte mit deutlichen Worten auf die Attacke aus dem Gegenlager. Er warf seinem Herausforderer eine Taktik nach dem Motto "erst schießen und dann zielen" vor. Romney scheine eine solche Tendenz an den Tag zu legen und eines der Dinge, die er als US-Präsident gelernt habe, sei, "dass man genau das nicht tun darf", sagte Obama am Mittwoch dem Sender CBS News. Sämtliche öffentliche Äußerungen müssten "von Fakten gestützt" sein.

Chance für Romney - Beistand von Rumsfeld

Trotz der deutlichen Kritik aus dem eigenen Lager dürfte sich Romney diese Chance nicht entgehen lassen wollen. Er versucht, endlich eine stets wiederkehrende Republikaner-Kritik zu unterfüttern: dass sich der Präsident seit vier Jahren auf einer "Entschuldigungstour" durch die Welt befinde. Romneys Wahlkampfbuch über seine Vorstellungen von "amerikanischer Großartigkeit" etwa trägt den Titel "No Apology" - "Keine Entschuldigung".

Seine Taktik ist klar: Er will bei den Konservativen in der eigenen Partei ebenso punkten wie bei den konservativen Wählern. Das scheint, bei aller Kritik aus den eigenen Reihen, zumindest teilweise zu funktionieren. Noch am Mittwoch meldete sich der frühere Verteidigungsminister Donald Rumsfeld per Twitter zu Wort: "Die Attacken auf unsere Botschaft sind ein Resultat der vermeintlichen Schwäche der USA. Romney liegt richtig, wenn er darauf hinweist."

jok

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