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16. September 2019, 17:34 Uhr

Angriff auf Ölanlagen

Saudi-Arabien spricht von iranischen Drohnen

Wer hat die Ölanlagen in Saudi-Arabien angegriffen? Die von dem Land geführte Militärkoalition sagt: Die Drohnen stammten aus Iran. Die Schuldzuweisung macht einen US-Angriff wahrscheinlicher.

Iran dementiert, mit dem Angriff auf saudi-arabische Ölanlagen zu tun zu haben. Bekannt haben sich zu den Attacken mit 19 sichtbaren Einschlägen an Tanks und Rohrleitungen die jemenitischen Huthi-Rebellen.

Doch die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition teilt nun mit, die verwendeten Waffen stammten aus Iran. Erste Ermittlungen wiesen darauf hin, dass Drohnen des Typs "Ababil" eingesetzt worden seien, sagte der Sprecher der Militärkoalition, Turki al-Maliki, laut dem Sender Al-Arabija.

Jemens Huthi-Rebellen verfügen über Drohnen des Typs "Kasef-1", die nach Ansicht von Uno-Experten nahezu identisch mit dem iranischen Typ "Ababil" sind. Diese unbemannten Flugzeuge haben eine Reichweite von 100 bis 150 Kilometern. Die am Wochenende angegriffenen saudi-arabischen Ölanlagen liegen von der Grenze zum Jemen etwa 800 Kilometer entfernt. Allerdings hatten die Huthis im Juli neue Drohnentypen der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei diesen gehen Experten von einer Reichweite von bis zu 1000 Kilometern aus.

Pompeo sieht Schuld bei Iran, Trump droht

Die USA hatten am Sonntag bereits in einigen Statements Iran direkt für die Attacken verantwortlich gemacht. US-Präsident Donald Trump hatte zudem mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Die USA stünden Gewehr bei Fuß, warteten aber auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Angriff verantwortlich mache.

Außenminister Mike Pompeo hatte die "beispiellosen" Angriffe zuvor Iran zur Last gelegt, Trump äußerte sich nicht eindeutig. Iran behaupte zwar, nichts damit zu tun gehabt zu haben, aber die Islamische Republik habe auch zuvor schon "sehr große Lügen" verbreitet. "Wir werden es sehen?" schrieb er am Montag auf Twitter. Trump hatte am Wochenende für den Fall von Engpässen auch die Freigabe nationaler Ölreserven der USA gebilligt.

Der einflussreiche US-Senator und Trump-Vertraute Lindsey Graham hatte sich schon am Samstag dafür ausgesprochen, iranische Ölraffinerien anzugreifen. Ein solcher Schritt würde der Führung in Teheran "das Rückgrat brechen", schrieb er auf Twitter.

Am Samstagmorgen hatten mehrere Explosionen Anlagen des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco erschüttert. Nach Angaben des Konzerns ist der Komplex in Abkaik die größte Raffinerie des Landes.

Ersten Angaben zufolge führten die Angriffe zu einem drastischen Einbruch der Produktionsmenge. Die Ölproduktion sei um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Tages-Volumens zurückgegangen, hatte die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet.

cht/dpa/AFP

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