Angriff gegen Wolfowitz in Bagdad Raketen auf Bushs Kriegsplaner

Mit ferngesteuerten Raketen beschossen Guerilla-Kämpfer das al-Raschid-Hotel in Bagdad, in dem Paul Wolfowitz weilte. Der US-Vizeverteidigungsminister hatte wie kein anderer den Irakkrieg geschürt. Er überlebte den Angriff unversehrt, ein US-Soldat starb. Das Hotel, Symbol der Besatzung, erlitt schwere Schäden.


Paul Wolfowitz auf Irak-Visite: Lässt sich nicht einschüchtern
DPA

Paul Wolfowitz auf Irak-Visite: Lässt sich nicht einschüchtern

Bagdad - Am Sonntagfrüh gegen 6.10 Uhr Ortszeit bebten die Wände und klirrten Scheiben. Das Raschid-Hotel in Bagdad war von sechs bis acht Raketen getroffen worden. Die Salve galt dem prominentesten Gast des Hauses: dem stellvertretenden US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz. Er war Freitag zu seinem zweiten Besuch innerhalb von drei Monaten in Bagdad eingetroffen.

Wolfowitz blieb unverletzt. Doch am eigenen Leib zu spüren, wie sich ein Krieg anfühlt, hat den Hardliner sichtlich schockiert. Bei einem kurzen Auftritt vor Journalisten sagte er am Morgen in Bagdad, bei dem Anschlag sei ein Amerikaner getötet worden. Mindestens 15 Menschen wurden verletzt, darunter auch drei Sicherheitskräfte.

Dass ausgerechnet Wolfowitz zur Zielscheibe der Guerilla-Kämpfer wurde, ist kaum verwunderlich. Keiner in der Bush-Regierung hat sich ähnlich stark für den Krieg gegen den Irak eingesetzt wie er. Schon seit vielen Jahren wollte er Saddam vernichten - und nachholen, was die erste Bush-Reigerung seiner Meinung nach versäumt hatte.

Große Schäden am einstigen Staatshotel

Das ehemalige Staatshotel wurde nach Augenzeugenberichten im 6., 7. und 8. Stockwerk getroffen. Das insgesamt 18 Stockwerk hohe Gebäude sei evakuiert worden, hieß es. Kurz nach dem Beschluss waren bereits mehrere US-Beamte in Schlafanzügen und kurzen Hosen aus dem Gebäude gerannt. Sie suchten Zuflucht in einem nahe gelegenen Versammlungshaus.

Der Anschlag erfolgte nach Polizeiaussagen mit einem ferngezündeten Raketenwerfer. Ein Kleinlastwagen irakischer Widerstandskämpfer habe in der Nähe des Hotels einen Anhänger abgekoppelt und sei weitergefahren, berichteten irakische Polizisten. Die Insassen des Fahrzeugs hätten dann mit einer Fernzündung den Raketenwerfer auf dem Anhänger in Gang gesetzt.

Al-Rashid-Hotel in Bagdad nach dem Anschlag: Raketen verfehlten Wolfowitz
REUTERS

Al-Rashid-Hotel in Bagdad nach dem Anschlag: Raketen verfehlten Wolfowitz

Sichtlich mitgenommen versuchte Wolfowitz sich von dem schweren Anschlag unbeeindruckt zu zeigen. Der Stellvertreter von Donald Rumsfeld sagte: "Dieser terroristische Akt wird uns nicht davon abhalten, unsere Mission zu Ende zu führen, die darin besteht, dem irakischen Volk zu helfen, sich von jener Sorte Krimineller zu befreien, die das tat, und das amerikanische Volk vor dieser Art Terrorismus zu schützen."

Das al-Raschid-Hotel war bereits am 27. September Ziel eines Angriffs. Damals wurde es mit einer oder mit mehreren Panzerfäusten beschossen. Die Einschläge richteten allerdings nur geringen Sachschaden an.

Der jüngste Anschlag ist ein erneuter Schlag gegen die Politik von US-Präsident George W. Bush, der nach wie vor daran festhält, den Guerillakrieg trotz der eskalierenden Gewalt in den Griff bekommen zu können.



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