Angriff in Afghanistan Deutsche Politik betrauert Tod von vier Soldaten

Schock für Deutschland: Schon wieder sind vier deutsche Soldaten in Afghanistan gefallen. Kanzlerin Merkel drückte den Hinterbliebenen ihr Beileid aus - und stellte unmissverständlich klar, dass sie nicht am Mandat für den Einsatz rütteln will.

Bundeswehrsoldaten am Donnerstag in Feisabad: Kanzlerin Merkel will die Soldaten weiter dort kämpfen lassen
dpa

Bundeswehrsoldaten am Donnerstag in Feisabad: Kanzlerin Merkel will die Soldaten weiter dort kämpfen lassen


Berlin - Dass es so schnell gehen würde, hatte wohl kaum jemand erwartet. Nicht mal zwei Wochen nach dem Tod dreier Bundeswehrsoldaten an Karfreitag kommt jetzt der nächste Schock: Vier Männer wurden während eines Einsatzes von Taliban getötet, fünf weitere Soldaten wurden verletzt.

Erschüttert reagierte die Politik. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Beileid aus: "Ich habe heute von dem Tod von vier Soldaten und mehreren Verwundeten erfahren. Die Soldaten sind in einem schwierigen Einsatz gefallen", sagte die Kanzlerin am Donnerstagabend am Rande ihres USA-Besuches in San Francisco. Wichtig sei, dass die Soldaten wüssten, dass die Bundesregierung in dieser schwierigen Stunde hinter ihnen stehe.

Das Bundestagsmandat für den Einsatz in Afghanistan müsse nicht geändert werden, sagte Merkel vor dem Hintergrund entsprechender Äußerungen aus der SPD. Es sei ein sehr sorgfältig ausgearbeitetes Mandat, mit dem die Soldaten ihre Aufgaben erfüllen könnten. Auf die Frage, ob der Einsatz politisch noch zu rechtfertigen sei und weiter Unterstützung in der Bevölkerung habe, antwortete sie: "Ich glaube, dass es keine vernünftige Alternative gibt." Es gehe nicht nur darum, in Afghanistan Sicherheit herzustellen, sondern auch darum, Sicherheit in Deutschland und allen westlichen Demokratien zu erhalten.

Westerwelle: "Der Anschlag trifft alle Deutschen"

Außenminister Guido Westerwelle verurteilte den tödlichen Angriff und sprach den Angehörigen der Opfer ebenfalls sein Mitgefühl aus. "In dieser schweren Stunde sind all unsere Gedanken und unser Mitgefühl bei den Opfern, ihren Familien und Angehörigen, ihren Kameraden und Freunden", sagte der Vizekanzler. Der Anschlag "traf die gefallenen Soldaten, er trifft uns, er trifft alle Deutschen".

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich schon auf der Rückreise von einem Truppenbesuch in Kunduz befand, flog wieder zurück nach Masar-i-Sharif, wohin auch die verletzten Soldaten gebracht worden waren. Er zeigte sich "tief traurig" über den tödlichen Zwischenfall. Er will nach Afghanistan zurückkehren, "um bei unseren Soldaten vor Ort zu sein" und sich ein Bild zu machen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verurteilte den "feigen und hinterhältigen Anschlag auf das Schärfste. Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und den Angehörigen und Freunden der getöteten Soldaten. Ihnen gehört unser ganzes Mitgefühl". SPD-Parteichef Sigmar Gabriel zeigte sich "tief erschüttert über den Tod der deutschen Soldaten".

Bestürzt zeigten sich auch die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin. "Wir verurteilen diesen feigen und abscheulichen Anschlag der Taliban auf die gemeinsame Patrouille deutscher, belgischer und afghanischer Soldaten aufs Schärfste." Der Vorfall zeige, welch großem Risiko die Soldaten jeden Tag am Hindukusch ausgesetzt seien.

Die Linken nahmen den Anschlag erneut zum Anlass, den sofortigen Abzug der Truppe aus Afghanistan zu fordern. "Ein weiterer Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan ist absolut unverantwortlich", erklärte die Verteidigungsexpertin Inge Höger.

Der Bundeswehrverband zeigte sich "bestürzt und wütend". Spätestens jetzt dürften Politik und Öffentlichkeit nicht mehr die Augen davor verschließen, in welch kriegsähnlicher Situation sich die Bundeswehr vor allem im Raum Kundus seit langem befinde, erklärte Verbandsvize Wolfgang Schmelzer.

Zuletzt waren erst am Karfreitag drei deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Acht weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Sie waren nahe Kunduz in die bislang schwersten Kämpfe seit Beginn des Einsatzes verwickelt worden.

ler/apn/dpa

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blowup 09.04.2010
1. pervers
Wäre mein Sohn in Afghanistan ums Leben gekommen, ich hätte nicht zugelassen, dass seine Leiche für diese verlogene Inszenierung benutzt wird. Dieselben Typen, die aus Machtgeilheit und politischen Kalkül durch Lüge und Zauderei an seinem Tod mit schuld sind, setzen sich hier in Szene. Pfui. Das haben die Soldaten, die aus Pflichtgefühl und Engagement in diesen Einsatz gegangen sind, nicht verdient. Und wenn ich heute im TV Gestalten wie Struck sehe, die so tun, als hätten Sie kaum etwas mit den fatalen Fehlentscheidungen zu tun, wird mit schlecht...
egils 09.04.2010
2. Merkels Trauerrede
Meiner Meinung nach die beste Rede die ich von Frau Merkel als Bundeskanzlerin gehört habe! Ich hoffe das diese Rede im fernsehen von einer grösstmöglichen Anzahl von Buerger/innen gehört und gesehen wurde. Zum ersten mal habe ich ihr wirklich alles abgenommen und geglaubt. Respekt und Dank dafuer.
Die Blickerin 09.04.2010
3. Die toten von Kunduz
Diese Menschen, Guttenberg und Merkel, sollten sich zutiefst schämen. Sie sind es, die die direkte Schuld tragen für diese junge Opfer. Sie sollten sich schämen und sie sollten zur Verantwortung gezogen werden.
odet 09.04.2010
4. Wie verlogen........
Erst werden Junge Menschen nach Afghanistan geschickt um dort Taliban, Frauen und Kinder zu ermorden, und dann müssen sie sich auch noch von Merkel "betrauern" lassen. Dieser Regierung ist wirklich gar nichts mehr zu verlogen.
Boone 09.04.2010
5. Stell Dir vor es ist Krieg und niemand geht hin
Nun wird es immer klarer, immer offenbarer, wir haben zugelassen, dass unsere Politiker unser Land wieder in den Krieg geführt haben. Wir schicken wieder Soldaten durch die Welt, töten wieder fremde Menschen, werden getötet und glauben so Frieden in die Welt bringen zu können. Tragisch daran ist, dass Merkel & Co keine Soldaten in den Krieg schicken könnten, sie keinen Krieg führen könnten, gäbe es nicht Deutsche, die bereit sind in den Krieg zu ziehen und auf Befehl Soldat zu sein. Keine 60 Jahre hat es gedauert und es kommen wieder tote deutsche Soldaten nach Hause - und nur wenige scheinen das seltsam und unsinnig zu finden.
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