Angriff in El Amal Scharon nennt Attacke "erfolgreich"

Die USA zeigen sich "tief beunruhigt“, auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan wählte harte Worte: Der jüngste israelische Angriff im Gaza-Streifen mit 14 Toten wird weltweit verurteilt. Ministerpräsident Ariel Scharon lässt das unbeeindruckt.


Gaza-Streifen: Hinterbliebene betrauern Tote in Chan Junis
REUTERS

Gaza-Streifen: Hinterbliebene betrauern Tote in Chan Junis

New York – Annan kritisierte in einer von seinem Sprecher veröffentlichten Erklärung, dass das israelische Militär eine Rakete von einem Kampfhubschrauber auf eine Ansammlung von Zivilisten abschossen habe, als besonders Besorgnis erregend. "Für eine solche Aktion gibt es keine legale oder moralische Rechtfertigung“, urteilte Annan. Sie sei eine "rücksichtslose Missachtung der internationalen Menschenrechte, die den Schutz der Zivilbevölkerung vorschreiben.“ Aktionen dieser Art seien sicherlich nicht förderlich für Israels Streben nach mehr Sicherheit. Sie könnten im Gegenteil zu einer weiteren Eskalation der Gewalt führen und gleichzeitig das Gefühl der Verletzbarkeit auf der Seite der Israelis wie der Palästinenser erhöhen.

Bei dem Angriff in El Amal westlich von Chan Junis waren 14 Palästinenser getötet und über 100 verletzt worden. Nach palästinensischen Angaben war die Mehrzahl der Getöteten unbewaffnet, nach Darstellung der israelischen Armee waren 13 der 14 Opfer bewaffnete Kämpfer.

Das US-Außenministerium drängte auf eine Untersuchung. "Wir sind tief beunruhigt über die israelische Aktion im Gaza-Streifen, bei der zahlreiche Zivilisten ums Leben kamen oder verletzt wurden“, sagte Sprecher Richard Boucher. "Die Details sind zwar noch unklar, aber die israelischen Aktionen haben in einer dicht bevölkerten Gegend stattgefunden und es wurde auf eine Krankenstation geschossen.“ Boucher forderte die israelische Regierung auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Zivilisten und humanitäre Einrichtungen zu verschonen.

Das Vorgehen der israelischen Armee wurde auch von der EU, Frankreich und Russland verurteilt. Palästinenser sprachen von einem "Massaker“. Israelische Sprecher drückten Bedauern über den Tod unschuldiger Zivilisten aus, betonten jedoch, dies sei in einer Kriegssituation unvermeidlich.

Alle radikalen Palästinensergruppen kündigten nach dem Angriff im Gaza-Streifen Terroranschläge gegen Israelis an. In der Stadt Gaza kam es am Nachmittag nach der Ermordung eines Polizeichefs zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Anhängern der radikalen Hamas-Organisation, bei denen zwei Extremisten getötet wurden.

Trotz der scharfen internationalen Kritik bezeichnete Scharon den Angriff im Großen und Ganzen als "erfolgreich“. Der israelische Nachrichtendienst "y-net“ meldete, Scharon habe auch weitere Militäraktionen im Gazastreifen angekündigt. "Die Operation war komplex, hart, wichtig und erfolgreich“, sagte Scharon den Angaben zufolge während eines Besuchs in der Residenz des Staatspräsidenten Mosche Katzav in Jerusalem. Er bedaure den Tod von Zivilisten während der Aktion.



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