Vor Wahl in Libyen Bewaffnete Männer attackieren Journalisten

Angriffe auf Journalisten in Libyen häufen sich. Kommende Woche sollen die Libyer eine verfassungsgebende Versammlung wählen. Nur Tage davor ist es nun zu neuen Übergriffen gekommen: Zwei Mitarbeiter eines Fernsehsenders wurden verletzt.


Tripolis - Bewaffnete Männer haben in Libyen Journalisten eines privaten Fernsehsenders angegriffen. Die Attacke fand in Tripolis nur wenige Tage vor der Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung statt. Zwei Mitarbeiter seien dabei verletzt worden, sagte ein Mitarbeiter des Kanals Asima dem Nachrichtensender al-Arabija. Demnach zwangen die Angreifer die TV-Journalisten, das Gebäude zu verlassen. Das Programm musste unterbrochen werden.

Dieser Angriff ist nur der jüngste in einer Kette von Übergriffen auf Journalisten in Libyen in der vergangenen Wochen. Am vergangenen Sonntag waren drei Mitarbeiter des libyschen Senders Watanija TV verschleppt worden und sind nach wie vor verschwunden. Der Journalist Junis Ali, Mitarbeiter der staatlichen Nachrichtenagentur Lana, war am vergangenen Montag in Tripolis entführt worden. Einige Männer in Uniform hätten ihn über seine Arbeit und seine politische Orientierung ausgefragt, sagte er nach seiner Freilassung am Dienstag. Auch andere Journalisten berichten, sie hätten in den vergangenen Wochen anonyme Drohungen erhalten.

Die Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung in Libyen steht am 20. Februar an. Die Vorbereitungen für die Wahl wurden von Spannungen zwischen dem Parlament und der Übergangsregierung von Ministerpräsident Ali Seidan begleitet.

jka/dpa



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immernachdenklicher 12.02.2014
1. Nach dem Regimechange
Gab es nach Gaddafi bis heute eine einigermaßen stabile Regierung in Libyen? Damit meine ich nicht eine regionale, sondern eine für ganz Libyen? Gibt es westliche Korrespondenten (Reporter) in Libyen? Hat die USA ihre Botschaft wiedereröffnet, gibt es überhaupt funktionierende westliche Botschaften? Ich sehe noch die freudestrahlende H. Clinton, "ich kam sah und er ist tod".
topodoro 12.02.2014
2. Realitäten
Zitat von immernachdenklicherGab es nach Gaddafi bis heute eine einigermaßen stabile Regierung in Libyen? Damit meine ich nicht eine regionale, sondern eine für ganz Libyen? Gibt es westliche Korrespondenten (Reporter) in Libyen? Hat die USA ihre Botschaft wiedereröffnet, gibt es überhaupt funktionierende westliche Botschaften? Ich sehe noch die freudestrahlende H. Clinton, "ich kam sah und er ist tod".
Tja, Journalisten stören doch nur. Vor allem wenn sie neutral berichten wollen. Wo käme man denn da hin ? Während die Bombenteppiche der Nato und "Freunde Libyens" die tollen "islamistischen "Rebellen" auf den von Katar gesponserten Pick-ups noch von unserer Presse bejubelt wurden, ist unsere Presse, was Libyen betrifft, seltsam still geworden. Wer will die "Wahl" in Libyen neutral beobachten ? Wer traut sich das ? Aber was macht das schon? Das Öl fliesst doch und wird in US-Dollar abgerechnet. Da ist doch dann alles in Ordnung, oder ?
recepcik 12.02.2014
3. In Libyen regiert de facto die Al Qaida
Dank westlicher Staaten und der USA hat die Al Qaida in Libyen das sagen. Kaum jemand hat den Mut gegen die Terroristen etwas zu unternehmen. Die Verbrecher können am helllichten Tag mitten in Tripolis Minister entführen oder wie in diesem Fall Journalisten verjagen.
Faceoff 12.02.2014
4. al-Libi, C-Waffen
Zitat von recepcikDank westlicher Staaten und der USA hat die Al Qaida in Libyen das sagen. Kaum jemand hat den Mut gegen die Terroristen etwas zu unternehmen. Die Verbrecher können am helllichten Tag mitten in Tripolis Minister entführen oder wie in diesem Fall Journalisten verjagen.
Humbug. Erst in diesen Tagen wurden Videosequenzen veröffentlicht, die die Festnahme des Top-Terroristen al-Libi durch US-Kräfte in Libyen zeigen (geschah bereits im Oktober). Die libysche Regierung hat nichts mit Al Kaida zu tun. Sie ist ein verlässlicher Partner, der kürzlich z. B. die letzten libyschen Chemiewaffen der Kategorie 1 zerstören ließ: http://me-magazine.info/2014/02/05/opcw-libyens-chemiewaffen-der-kategorie-1-sind-zerstoert/ . Mir fällt da ganz spontan ein mittelöstlicher Gewaltherrscher ein, der sich derzeit mit dem selben Thema sehr viel schwerer tut ... . Die libysche Regierung ist leider noch schwach. Sie kontrolliert weder das gesamte (riesige) libysche Territorium, noch hat sie Kontrolle über alle bewaffneten Einheiten. Doch wenn es der libyschen Regierung gelingt, sich zu stabilisieren und nach und nach in allen Teilen des Landes durchzusetzen, kann Libyen sogar ein zweites Tunesien werden. Allerdings ist das in Libyen durch die Stammeszugehörigkeiten (spielen in Tunesien kaum eine Rolle) schwierig und es wird noch einige Zeit dauern.
willibaldus 12.02.2014
5. Eine Regierung für ganz Libyen gibt es,
allerdings auch einen flickenteppich unterschiedlicher Interessen. Einige Gegenden scheinen tatsächlich islamistisch dominiert zu sein. ich möchte da vor allem Derna im Osten nennen. Auch Gaddafi Loyalisten gibt es noch. Vor wenigen Wochen erst gab es im Südwesten die Besetzung eines lokalen Flughafens durch Gaddafi Loyalisten, offenbar lanciert von Herrn Saadi Gaddafi in Niger mittels Internet Fehlinformation über die Zahl der Unterstützer. Die Ölexporthäfen im Osten werden schon seit Monaten blockiert, offenbar von Föderalisten. Die haben sich abgegrenzt sowohl von der gewählten Regierung in Tripolis als auch von Islamisten. Wahrscheinlich der Senussi Bruderschaft nahestehend, auch islamisch aber Gegner der salafistischen Richtung. Die Regierung in Tripolis hat einiges zuwege gebracht, wenn auch sehr langsam. zB Sozialversicherungsnummern für jeden. Bisher wurden manche Leute mehrfach bezahlt wegen gefälschter Identitäten. Zuletzt gab es Streit um die Sitzverteilung im verfassungsgebenden Rat der am 20. Februar gewählt werden soll bzw den Anteil der Minderheiten wie Amazigh und Tuareg garantiert werden soll.
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