Angriffe auf Tripolis Gaddafi soll sich in Krankenhäusern verstecken

Ist Libyens Diktator auf der Flucht? Nach Ansicht britischer Agenten jagt Gaddafi von Versteck zu Versteck und hält sich nachts in Krankenhäusern auf, um Nato-Bomben zu entgehen. Die Allianz verstärkt ihre Offensive - und die G-8-Staatschefs versichern: "Wir bringen den Einsatz zu Ende."

Luftschlag auf Gebäude in Tripolis: Wieder schwere Explosionen in der Nacht zum Freitag
AP

Luftschlag auf Gebäude in Tripolis: Wieder schwere Explosionen in der Nacht zum Freitag


London/Tripolis - Der britische Geheimdienst MI 6 hat offenbar Hinweise darauf, dass sich Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi auf der Flucht befinde. Angesichts der Militäroffensive auf Tripolis sei der Machthaber "zunehmend paranoid" und übernachte aus Angst vor möglichen Nato-Angriffen jede Nacht in einem anderen Krankenhaus der libyschen Hauptstadt. Das berichtet die Zeitung "Guardian" und bezieht sich auf Aussagen britischer Regierungsvertreter am Rande des G-8-Gipfels im französischen Deauville.

Die Hinweise des MI 6 seien letzten Endes der ausschlaggebende Grund für Großbritanniens Premier David Cameron gewesen, nun ebenfalls Kampfhubschrauber nach Libyen entsenden zu wollen. Die britische Regierung hatte sich am Donnerstagabend darauf geeinigt, dass britische Apache-Helikopter in die Nato-Operationen eingreifen können. Die Briten wollen vier Apache einsetzen, die Franzosen hatten bereits am Montag angekündigt, insgesamt 19 Helikopter ins Kampfgebiet zu schicken.

Der "Guardian" zitiert einen Diplomaten mit den Worten: "Er (Gaddafi) ist definitiv auf der Flucht". Über den Aufenthaltsort des libyschen Machthabers wird gerätselt, seitdem bei einem Nato-Angriff auf Tripolis Anfang Mai vor knapp zwei Wochen offenbar sein jüngster Sohn und drei seiner Enkelkinder getötet wurden. Gleichwohl ist ungewiss, wo sich der Diktator aufhält - in und um Tripolis unterhält Gaddafi mehrere weitläufige Residenzen.

Seit Beginn des Militäreinsatzes wurden Spekulationen laut, Gaddafi halte sich längst nicht mehr in der Hauptstadt auf. Als letztes Lebenszeichen des Diktators, der seit 40 Jahren an der Spitze des umkämpften Wüstenstaats steht, gilt eine im libyschen Staatsfernsehen ausgestrahlte Audiobotschaft vom 13. Mai. Zuletzt öffentlich gesehen wurde Gaddafi am 9. April beim Besuch einer Schule.

Er sei am Leben und halte sich an einem Ort auf, "wo ihr mich nicht kriegen könnt", sagte Gaddafi in der Tonaufnahme Mitte Mai. Ein Bild Gaddafis war allerdings nicht zu sehen, auch konnte die Echtheit der Stimme nicht überprüft werden. Die Verbündeten haben bislang keine offiziellen Informationen über eine mögliche Verletzung Gaddafis, seinen Gesundheitszustand und Aufenthaltsort herausgegeben.

Starke Explosionen in der Nacht

Die Nato hatte in den vergangenen Tagen ihre Militär-Offensive gegen das libysche Regime deutlich verschärft, fast jede Nacht gibt es mehrere Explosionen in Tripolis, allein fünf starke Detonationen ereigneten sich dem Sender al-Dschasira zufolge in der Nacht zum Freitag. Die Nato fliegt seit zwei Monaten Angriffe auf Ziele in Libyen. Den neuesten Vorwurf gegen die Truppen Gaddafis erhob der Oberbefehlshaber des Libyen-Einsatzes der NATO, Charles Bouchard, am Freitag bei einer Pressekonferenz: "Anti-Personen-Landminen wurden im Widerspruch zu internationalem Recht in der Umgebung von Misurata gelegt." Die Rebellenhochburg ist seit Monaten umkämpft.

Kampfjets hatten in dieser Woche Dutzende Angriffe in Tripolis bombardiert, auch Gebäude, in denen sich der Gaddafi-Clan aufhalten soll. Mit dem von einem Uno-Mandat gedeckten Militäreinsatz soll die libysche Bevölkerung vor Angriffen des Regimes geschützt werden.

Die britischen Diplomaten äußerten gegenüber dem "Guardian" ihre Gewissheit darüber, es gebe einen Zusammenhang zwischen der jüngsten Militäroffensive und den Informationen der Geheimdienstagenten. "Er ist die ganze Zeit in Bewegung, und das ist ein gutes Zeichen", zitiert die Zeitung weiter. "Je panischer er (Gaddafi) wird, desto eher kann er entdeckt werden." Der Diktator übernachte wahrscheinlich jede Nacht in einer anderen Klinik, in der Hoffnung, diese würden von den Kampfbombern nicht ins Visier genommen werden.

Zudem gebe es seitens der MI6-Leute Informationen darüber, dass führende Kommandeure Gaddafis nicht mehr miteinander über Mobiltelefone kommunizieren würden. "Sie sind sehr besorgt, dass sie abgehört werden", so der Diplomat.

"Arbeit zu Ende bringen"

Bislang besteht die internationale Militärallianz offiziell darauf, dass ihr Ziel nicht die Tötung Gaddafis sei. Der französische Außenminister Alain Juppe betonte am Rande des G-8-Gipfels: "Wir wollen Gaddafi nicht töten, wir sind keine Mörder." Die Führungen Großbritanniens und der USA räumten zugleich ein, dass mit einem Erfolg des Libyen-Einsatzes trotz der Bombardements in naher Zukunft nicht zu rechnen sei.

US-Präsident Barack Obama, der britische Premier Cameron und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy betonten erneut, es sei nötig, dass Gaddafi das Land verlasse. Solange Gaddafi an der Macht sei und auf Zivilisten schießen lasse, könne die Nato-Militäraktion in Libyen nicht beendet werden, meinte Obama in Deauville. "Wir sind entschlossen, die Arbeit zu Ende zu bringen." Ähnlich äußerte sich Sarkozy. "Gaddafi muss gehen", meinte er. "Die Libyer haben ein Recht auf Demokratie."

Am Donnerstagabend waren fünf der G-8-Staaten zu einer Krisensitzung zu Libyen zusammengekommen. Die Umbrüche in der arabischen Welt machen eine Verhandlungslösung für den Nahost-Konflikt aus Sicht der G8 dringender denn je. Gemeinsam wollen sie Gaddafi zudem zum Rückzug auffordern. Einem Entwurf der Gipfelerklärung zufolge heißt es in deutlichen Worten: "Es ist offensichtlich, dass Gaddafi und sein Regime weiterhin das libysche Volk missbrauchen. Gaddafi hat all seine Legitimität verloren. Er muss gehen."

Eine Allianz unter Führung von Großbritannien, Frankreich und den USA bombardiert seit Wochen Ziele in Libyen. Sie will nach eigener Darstellung die Zivilbevölkerung schützen, da die Proteste gegen die Regierung des Machthabers Muammar al-Gaddafi mit Waffengewalt zerschlagen werden. Allerdings zeichnet sich kein Ende der Kämpfe ab.

Die USA wiesen am Donnerstag den jüngsten Vorschlag Libyens für eine Waffenruhe als unglaubwürdig zurück. Die Aufständischen in Libyen lehnen jede Einigung ab, die nicht einen Rücktritt des seit mehr als vier Jahrzehnten herrschenden Gaddafi beinhaltet.

amz/dpa/Reuters

insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
leser_81 27.05.2011
1. Propaganda
Er versteckt sich in Krankenhäusern, .... am besten frisst er dort noch kleine Kinder und wirft Säuglinge aus den Brutkästen (das hatten wir auch schonmal) Dieser Krieg ist schon längst einseitig zum Krieg der Medien geworden. Es müssen immer wieder neue Schreckensmeldungen auftauchen was die böse Gaddafi Armee mit den armen Rebellen anstellt um den Rückhalt zu bewahren. Mit so emotionalen Meldung werden viele Kritiker ganz schnell stumm !
tauschspiegel 27.05.2011
2. arm
Zitat von sysopIst Libyens Diktator auf der Flucht? Nach Ansicht britischer Agenten*jagt Gaddafi von Versteck zu Versteck und*hält*sich nachts in Krankenhäusern auf, um Nato-Bomben zu entgehen. Die Allianz verstärkt ihre Offensive - und die G-8-Staatschefs versichern:*"Wir bringen den Einsatz zu Ende". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765200,00.html
*** zu ende bringen...was für ein geschwafel. dieser angriffskrieg wegen öl ist ein armutszeugnis. in lybien herrscht bürgerkrieg (und dies wird viele jahre so weiter gehen), aber wenn gaddhafi tot ist, ist alles gut. wie naiv. wie heuchlerisch. wir werden von lachkappen regiert.
ADie 27.05.2011
3. Kein Mandat für Mord an Zivilisten!
Zitat von sysopIst Libyens Diktator auf der Flucht? Nach Ansicht britischer Agenten*jagt Gaddafi von Versteck zu Versteck und*hält*sich nachts in Krankenhäusern auf, um Nato-Bomben zu entgehen. Die Allianz verstärkt ihre Offensive - und die G-8-Staatschefs versichern:*"Wir bringen den Einsatz zu Ende". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,765200,00.html
Für einen Einsatz zur Ermordung von Gaddafi hat niemand ein Mandat. Die Ermordung seines Sohnes und seiner Enkelkinder ist erst recht von keinem UNO-Mandat gedeckt. Das hat nichts mit "Schutz von Zivilisten" zu tun; ganz im Gegenteil!
Hape1 27.05.2011
4. ...
"...Die USA wiesen am Donnerstag den jüngsten Vorschlag Libyens für eine Waffenruhe als unglaubwürdig zurück. Die Aufständischen in Libyen lehnen jede Einigung ab, die nicht einen Rücktritt des seit mehr als vier Jahrzehnten herrschenden Gaddafi beinhaltet... ." ____________________________________________________________ Naja, immerhin hat man jetzt Gewissheit, wer die wahren Kriegstreiber sind. Und da wundern sich die Amis, wieso Sie in der islamische/arabischen Welt so unbeliebt sind.
avollmer 27.05.2011
5. Krankenhäuser?
Ich dachte derartige Krankenhäuser heißen inzwischen Einrichtungen für seelische Gesundheit, früher nannte man sie Nervenheilanstalt oder Klapse. Und verstecken muss er sich dort nicht, da gibt es sicher noch mehr Leute, die sich für irgendwas Bedeutendes halten.
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