Angriffe aus der Luft Obama schickt mehr Drohnen nach Pakistan

Washington will die Extremisten aus ihren Rückzugsgebieten treiben: Einem Bericht zufolge soll der US-Geheimdienst CIA die umstrittenen Drohnenangriffe in Pakistan ausweiten. Der Plan ist Teil von Obamas neuer Afghanistan-Strategie.


Washington - Im Rahmen seiner Afghanistan-Strategie hat US-Präsident Barack Obama eine Ausweitung der geheimen Drohneneinsätze auf pakistanischen Gebiet angeordnet. Wie die "New York Times" am Freitag berichtete, führen die USA Gespräche mit der Regierung in Islamabad, um erstmals mit den unbemannten Flugzeugen auch Ziele in der südpakistanischen Provinz Belutschistan anzugreifen.

Washington will durch verstärkten Druck aus der Luft auf Extremisten in Pakistan und zusätzliche Bodentruppen in Afghanistan die Taliban- und Qaida-Kämpfer aus ihren Rückzugsgebieten treiben. In den vergangenen Monaten hatten die Drohnen verstärkt Positionen in den Grenzgebieten zu Afghanistan ins Visier genommen. Die USA bestätigen Drohnenangriffe auf pakistanischem Gebiet in der Regel nicht. Durch die Angriffe werden immer wieder auch Zivilisten getötet. Die pakistanische Regierung verurteilt sie offiziell als Eingriff in ihre Souveränität.

Rund 80 Angriffe der ferngesteuerten und mit Raketen bewaffneten Flugroboter des US-Geheimdienstes CIA hätten in knapp zwei Jahren mehr als 400 feindliche Kämpfer getötet, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungsbeamte. Die Zahl der zivilen Opfer wurde auf etwas mehr als 20 beziffert. "Das waren Leute, die sich neben Top-Terroristen befanden oder sich an Orten aufhielten, wo sich auch Terroristen aufhielten", sagte der Mitarbeiter einer US-Anti-Terror-Einheit der "New York Times". Das Drohnenprogramm sei ein "durchschlagender Erfolg", meinte er.

Der Anti-Terror-Experte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Tom Parker, zieht die Zahlen in Zweifel. Die Angaben seien "unwahrscheinlich", da bei vorangegangenen Konflikten nochmalige Überprüfungen gezeigt hätten, dass die Zahl der zivilen Todesopfer üblicherweise über ersten Schätzungen lag.

Präsident Obama hatte am Dienstag angekündigt, 30.000 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch zu schicken, um eine militärische Wende in dem achtjährigen Krieg zu erzwingen. Die Verbündeten der USA entsenden mindestens 7000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan. Zugleich will er bereits zum Sommer 2011 mit dem Abzug erster Truppen aus Afghanistan beginnen, wenn es die Sicherheitslage vor Ort erlaubt. Verteidigungsminister Robert Gates machte aber bereits klar, dass dieses Datum nicht unverrückbar feststehe.

Blutbad in Moschee

Zugleich haben im Süden mehr als tausend Isaf-Soldaten aus den USA und Großbritannien eine Offensive gegen Aufständische gestartet. Der Einsatz im Norden der Provinz Helmand sei schon vor der Bekanntgabe der neuen Afghanistan-Strategie von US-Präsident Barack Obama geplant gewesen, erklärte die Nato am Freitag in Kabul. An der Offensive nehmen demnach rund 900 US-Marine-Infanteristen, 150 afghanische Soldaten und Polizisten und Einheiten der britischen Armee teil. Helmand ist eine Hochburg der radikal-islamischen Taliban.

Am Freitag hatte ein neuer schwerer Anschlag Pakistan erschüttert. Mindestens vier Selbstmordattentäter stürmten in eine Moschee in Rawalpindi, schossen um sich und warfen Handgranaten. Mindestens 35 Menschen wurden getötet und 70 weitere verletzt. "Die haben Menschen getötet wie Tiere", sagte der Augenzeuge Nasir Ali Sheikh. Die Angreifer hätten traditionelle Kleidung getragen und Munitionsgürtel über ihren Schultern getragen.

Der Angriff begann nach Polizeiangaben mit einer Explosion an einer Kontrollstelle in der Nähe der oft von Offizieren besuchten Moschee. Dann liefen zwei der Extremisten in die Moschee, wo bis zu 200 Gläubige versammelt waren. Zwei weitere drangen in Nachbargebäude ein. Es kam zu einer etwa einstündigen Schießerei, bis sich die Angreifer schließlich in die Luft sprengten.

In Pakistan hat im Oktober eine Terrorwelle begonnen, der bislang mehr als 400 Menschen zum Opfer gefallen sind. Der Angriff war der dritte in Rawalpindi innerhalb von zwei Monaten. Am 10. Oktober hatten Extremisten das Hauptquartier der Streitkräfte angegriffen und viele Geiseln genommen. Dabei kamen insgesamt 23 Menschen ums Leben.

In Rawalpindi befindet sich das Hauptquartier der pakistanischen Streitkräfte. Die Regierungstruppen führen zurzeit eine Offensive gegen Taliban-Kämpfer und andere Extremisten im Nordwesten von Pakistan.

amz/AFP/AP/ddp/dpa



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Seite 1
eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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