Angriffspläne Israel geht von 30-Tage-Krieg gegen Iran aus

Die Pläne für einen israelischen Präventivschlag gegen Irans Atomanlagen werden immer konkreter. Ein Minister in Tel Aviv erläuterte nun die Konsequenzen, mit denen die Regierung rechne: ein Monat Krieg und 500 tote Israelis.
Israelische F-16: "Die Analysen deuten auf einen Krieg hin"

Israelische F-16: "Die Analysen deuten auf einen Krieg hin"

Foto: ? Gil Cohen Magen / Reuters/ REUTERS

Tel Aviv - Die israelische Regierung befasst sich offenbar intensiv mit den möglichen Folgen eines Angriffs auf iranische Atomanlagen. Jetzt erläuterte Zivilschutz-Minister Matan Vilnai in einem Interview die bisherigen Erkenntnisse. Demnach würde eine entsprechende Attacke in einen einmonatigen Konflikt münden. "Die Analysen deuten auf einen Krieg an mehreren Fronten hin, der 30 Tage dauern würde", sagte er der Zeitung "Maariv".

Vilnainai teilt die Einschätzung von Verteidigungsminister Ehud Barak, wonach etwa 500 Israelis sterben dürften, wenn jeden Tag Hunderte Raketen auf die Städte des Landes niedergingen. "Es gibt keinen Anlass zur Hysterie", sagte Vilnainai. Der Zivilschutz sei so gut vorbereitet wie nie zuvor.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Barak befürworten einem Zeitungsbericht vom Freitag zufolge einen Schlag gegen Iran noch vor der US-Präsidentenwahl im November. Allerdings fehle beiden Politikern dazu die entscheidende Unterstützung sowohl im Militär als auch im Sicherheitskabinett. Im Falle eines Angriffs drohen Vergeltungsangriffe mit Raketen aus Iran, von Islamisten in den Palästinensergebieten und von der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon.

Es wird davon ausgegangen, dass die Palästinenser im Gaza-Streifen über 10.000 und die Hisbollah über 50.000 Raketen verfügen, die auch Tel Aviv erreichen könnten. Der israelische Raketenschild dürfte nur einen Teil davon abwehren.

Washington setzt auf Diplomatie

Die USA bemühen sich weiter, Israel von einem Angriff auf Iran abzuhalten. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte, die israelische Regierung habe nach seinem Eindruck noch keine Entscheidung über einen Angriff getroffen. Es gebe "noch Raum zum Aushandeln" einer diplomatischen Lösung, zeigte er sich in Washington überzeugt. Der Pentagon-Chef unterstrich zugleich, Israel sei ein "unabhängiger Staat", der letztlich "sein nationales Interesse" verteidigen werde.

Die Bundesregierung setzt laut einem Sprecher des Auswärtigen Amts weiter auf eine diplomatische Lösung. Die deutsche Regierung beobachte die Situation im Nahen und Mittleren Osten sehr aufmerksam, beteilige sich aber nicht an Spekulationen. Die Spannungen, die sich aus den offenen Fragen um das Atomprogramm Irans ergäben, stellten eine Gefahr für die regionale wie auch die internationale Sicherheit dar. Die Bundesregierung sei gemeinsam mit ihren Partnern bemüht, zusammen mit Iran die Fragen zu klären und das Land dazu zu bringen, "die berechtigten Zweifel der internationalen Staatengemeinschaft zur Natur seines Atomprogramms auszuräumen". In den Gesprächen gehe es inzwischen um die "Substanz der Fragestellung", was ein Fortschritt sei.

Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als derzeit größte Bedrohung seiner Existenz. Die Führung in Teheran bestreitet hingegen, dass sie unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen entwickeln lässt. Unklar bleibt, ob Israel tatsächlich einen Angriff plant oder Druck macht, damit sich Iran in den Atomgesprächen mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland bewegt.

Die USA hatten erst Ende Juli ihre Sanktionen gegen Iran weiter verschärft, um den Ölhandel des Landes zu behindern. Zwei Banken aus dem Irak und China, die Geschäfte mit Iran abgewickelt hatten, dürfen seither nicht mehr in den USA operieren. US-Präsident Barack Obama gerät im Israel-Iran-Konflikt auch deshalb unter Druck, weil sein Gegenkandidat Mitt Romney angekündigt hat, im Falle seines Wahlsiegs im November einen israelischen Angriff auf Iran zu tolerieren.

ler/Reuters/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.