Angst vor Anschlägen Israel riegelt mehrere Städte ab

Einen Tag nach dem Bombenanschlag in einem Jerusalemer Kaufhaus sind die israelischen Sicherheitskräfte erneut in höchster Alarmbereitschaft.


Jerusalem - Aus Furcht vor neuen Terroranschlägen wurden am Dienstag mehrere palästinensische Städte im Westjordanland, darunter Bethlehem, Tulkarem und Ramallah, hermetisch abgeriegelt. Hunderte Polizisten und Soldaten überwachten Straßen und Plätze der Stadt.

Die israelische Regierung und die Geheimdienste des Landes gehen davon aus, dass Palästinenserpräsident Jassir Arafat eine Verstärkung des Terrors gegen Israel angeordnet hat. Hauptziel sei demnach Jerusalem, das einer der Hauptstreitpunkte zwischen Israel und den Palästinensern im Ringen um ein Friedensabkommen ist. "Jassir Arafat versucht, uns und die gesamte Region in eine totale Eskalation zu zerren," sagte Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser der Tageszeitung "Jedioth Achronoth". Gleichzeitig warnte er, dass die Palästinenser einen Fehler machten, wenn sie glaubten, dass Israel sich mit der gegenwärtigen Lage abfinde.

Platt gewalzte Fabrik in Südgaza
AP

Platt gewalzte Fabrik in Südgaza

Die äußerst brüchige Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern wurde am Montag durch neue Gewalttaten schwer erschüttert. Augenzeugen berichteten, dass zwei israelische Kampfhubschrauber am Nachmittag über Gaza mindestens vier Raketen abgefeuert hätten. Nach israelischen Angaben war das Ziel eine Waffenfabrik, getroffen wurde jedoch eine Polizeiwache. Von palästinensischer Seite wurde vermeldet, dass bei dem Angriff vier Menschen leicht verletzt wurden.

Palästinensische Jugendliche bringen sich nach einer Bombenexplosion in Sicherheit
DPA

Palästinensische Jugendliche bringen sich nach einer Bombenexplosion in Sicherheit

In einem Flüchtlingslager bei Nablus im Westjordanland kamen am Montagmorgen sechs militante Palästinenser ums Leben, die nach ersten Untersuchungen palästinensischer Experten eine Bombe "einsatzbereit" machen wollten. Für den Tod der sechs, die alle Mitglieder der radikalen Fatah-Organisation von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat waren, machten die Palästinenser zunächst Israel verantwortlich. Vier der Männer wurden von Israel wegen einer angeblichen Beteiligung an Terroranschlägen gesucht. Berichte, wonach israelische Panzer die Unterkunft der Männer in der Nähe des Flüchtlingslagers Farah bei Nablus mit Panzergranaten beschossen hätten, wurden nicht bestätigt.

Die israelische Armee bestritt jede Beteiligung am Tod der Männer, die unter anderem an einem Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv mitgewirkt haben sollen.

Am Montagmittag explodierte in der Jerusalemer Innenstadt eine Bombe. Der kleine Sprengkörper war im Lebensmittelregal eines Kaufhauses versteckt, richtete jedoch nur geringen Schaden an.



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