Angst vor Anschlägen Weißes Haus rechtfertigt Terrorwarnungen

Mit frischen Informationen aus pakistanischen Quellen rechtfertigt die US-Regierung die jüngsten Warnungen vor Anschlägen von Terroristen auf die amerikanischen Finanzzentren. Einer der gestern in Großbritannien Verhafteten soll einen Angriff auf den Flughafen Heathrow vorbereitet haben.


Polizisten in New York: Angst vor Anschlägen
REUTERS

Polizisten in New York: Angst vor Anschlägen

Washington - Es gebe Hinweise, dass ein Ende Juli in Pakistan festgenommener al-Qaida-Computerexperte in den vergangenen Monaten telefonisch Kontakt zu Personen in den USA gehabt habe, berichteten US-Sender unter Berufung auf Regierungskreise. Erst kürzlich sei auf detaillierte Computerdaten zugegriffen worden, die bei dem Mann sichergestellt wurden.

Die wichtigsten Gewährsleute seien aber nicht die zwei in Pakistan gefassten mutmaßlichen al-Qaida-Mitglieder, betonte das Weiße Haus. Vielmehr habe sich eine dritte Person als besonders wichtige Informationsquelle erwiesen. Wer diese Gewährsperson sein könnte, wurde nicht bekannt gegeben. CNN berichtet, zwei pakistanische Quellen hätten ausgesagt, dass sechs Personen in den USA Kontakt zum im Juli verhafteten Noor Mohammed Khan gehabt hätten.

Nach Angaben von "CBS News" haben Geheimdienstkreise bekräftigt, dass die auf dem Computer beschlagnahmten Daten das Interesse der Extremisten für einen Anschlag auf Finanzzentren in New York, Washington und New Jersey erkennen ließen. "NBC" berichtete, jüngste Verhöre hätten Informationen dafür ergeben, dass ein Anschlagsplan in die Tat umgesetzt werden sollte. Geheimdienstkreisen zufolge gebe es aber keine Bestätigung für einen konkreten Plan, doch rechtfertigten die jüngsten Hinweise die Terrorwarnung der Behörden, hieß es weiter. Der US-Geheimdienst CIA nahm zu den Berichten nicht Stellung.

Die Sicherheitsbehörden in den USA hatten am Sonntag die zweithöchste Warnstufe "Orange" ausgerufen. Da die Warnungen allerdings zum Teil auf Jahre alten Informationen beruhten, hatten die oppositionellen Demokraten der republikanischen Regierung von Präsident George W. Bush vorgeworfen, den Zeitpunkt aus wahlkampftaktischen Gründen gewählt zu haben.

Die für die amerikanischen Atomkraftwerke zuständige Behörde teilte unterdessen mit, die Regierung werde keine Sicherheitslücken in Atommeilern oder Schritte zu deren Behebung mehr bekannt geben. Damit solle verhindert werden, dass Terroristen an für sie eventuell nützliche Informationen gelangten, hieß es.

Al-Qaida plante angeblich Anschlag auf Heathrow

Die britische Polizei hat unterdessen einen führenden al-Qaida-Terroristen festgenommen, der einen Anschlag auf den Londoner Flughafen Heathrow geplant haben soll. Die Festnahme sei nach einem Hinweis des pakistanischen Geheimdienstes erfolgt, berichtet die "Times". Der Festgenommene soll der britische Chef von Al-Qaida sein und seine Anweisungen direkt von Osama Bin Laden erhalten haben.

Auf dem Computer eines anderen al-Qaida-Mitglieds hätten die Behörden detaillierte Pläne von Heathrow gefunden, berichtete die "Times" weiter. Sie zitierte eine Quelle beim pakistanischen Geheimdienst mit den Worten: "Was wir sicher sagen können, ist, dass der Plan (für den Anschlag) vor ziemlich kurzer Zeit erstellt wurde." Am Mittwoch hatte die britische Polizei an mehreren Orten des Landes insgesamt 13 Terror-Verdächtige festgenommen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.