Angst vor Iran Saudi-Arabien will notfalls eigene Kernwaffen bauen

Irans Atompläne könnten ein Wettrüsten im Nahen Osten provozieren. Laut dem britischen "Guardian" droht ein Mitglied des saudischen Herrscherhauses mit "dramatischen Konsequenzen", sollte sich Teheran mit Atomwaffen versorgen.

Iranische Atomanlage Buschehr: Teheran treibt Programm voran
DPA

Iranische Atomanlage Buschehr: Teheran treibt Programm voran


London - In Saudi-Arabien wächst die Angst vor den iranischen Atomplänen. Nun hat das Land einem Zeitungsbericht zufolge die Entwicklung eigener Nuklearwaffen für den Fall angekündigt, dass Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt.

In einer solchen Situation werde Saudi-Arabien eine Politik verfolgen, die dramatische Konsequenzen haben könne. Dies erklärte Prinz Turki al-Feisal, Mitglied der Herrscherfamilie, laut "Guardian" bei einem Treffen mit Nato-Vertretern.

Der frühere Geheimdienstchef und Botschafter seines Landes in Washington und London nannte dem Bericht zufolge keine weiteren Details. Das Blatt zitiert aber einen ungenannten Vertrauten des Prinzen mit der Aussage, Saudi-Arabien könne nicht mit einem Iran leben, der atomar bewaffnet sei. "Wenn Iran Atomwaffen entwickelt, müssen wir dem folgen", so der Regierungsvertreter laut "Guardian". Die friedliche Nutzung der Kernenergie sei jedoch das Recht einer jeden Nation.

Die kaum verschleierte Drohung in Richtung Teheran hatte Turki nach Informationen der Zeitung während eines geheimen Treffens mit Nato-Vertretern auf einem britischen Luftwaffenstützpunkt ausgesprochen. Der Flugplatz von Molesworth wird von der Nato als Zentrum für die Sammlung von Informationen aus dem Nahen Osten und dem Mittelmeerraum genutzt.

Teheran will Urananreicherung hochfahren

Anfang Juni hatte die iranische Regierung angekündigt, trotz der internationalen Kritik die Urananreicherung massiv ausweiten zu wollen. Ziel sei es, die Kapazitäten zur Herstellung auf 20 Prozent angereicherten Urans zu verdreifachen, kündigte der Chef des iranischen Atomprogramms, Fereidun Abbassi Dawani, an. Dazu solle die Produktion von Natans in die neue Atomanlage Fordo verlagert werden.

Die Europäische Union hatte mit Sorge reagiert, auch aus den USA kam scharfe Kritik. Man nehme die Ausweitung der Anreicherung auf 20 Prozent sehr ernst, gerade vor dem Hintergrund einer möglichen militärischen Dimension des iranischen Atomprogramms. Damit verschlimmere Teheran seine Missachtung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen weiter.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte bereits mehrfach Strafen gegen Iran erlassen, weil das Land seit Jahren nicht ausreichend mit den internationalen Inspekteuren zusammenarbeite.

Nach Angaben Teherans wird der Brennstoff für einen medizinischen Forschungsreaktor gebraucht. Für die Verwendung in Nuklearwaffen wäre ein noch höherer Anreicherungsgrad nötig. Experten befürchten aber, dass das islamische Land durch die immer höhere Anreicherung wichtiges Wissen und Erfahrungen dafür sammelt.

jok/Reuters/dpa



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zukunft2050 30.06.2011
1. Kalter Krieg zwischen Mini-Staaten?
das wäre ein Horror wenn sich Saudi-arabien den Zugang zu Atomwaffen verschaffen würde, viele Länder in der Region würden nachziehen und damit ein offenes Wettrüsten auslösen. Und das auch noch die wichtigsten Energielieferanten, da blüht uns nichts gutes... http://ini-fz.info/blog/die-auswirkungen-auf-den-atomwaffensperrvertrag-durch-das-iranische-atomprogramm.html ein Überblick
Arne11 30.06.2011
2. gegen titelzwang
Zitat von sysopIrans Atompläne könnten ein Wettrüsten im Nahen Osten provozieren. Laut dem britischen "Guardian" droht ein Mitglied des saudischen Herrscherhauses dem Nachbarn mit "dramatischen Konsequenzen", falls er sich mit Atomwaffen versorge. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,771465,00.html
Die Cables von Wikileaks haben ja klar gemacht wie sehr SA, Ägypten & Co Angst vor der Achse Teheran - Ankara haben... Ich denke durchaus zurecht...
founder 30.06.2011
3. US$20 Elaszität pro Million Barrel am Tag
1 Million Barrel zu wenig am Ölmarkt, der Preis staigt um US$20 1 Million Barrel zu zuviel am Ölmarkt, der Preis sinkt um US$20 Kleine Auseinandersetzung mit Atombomven zwischen Saudi Arabien und Iran, der Ölpreis steigt um US$ 200 das Barrel. Kann man ganz einfach ausrechnen. Aber schaut mal die Ölförderung in Mexiko an, kein Krieg aber seit Jahren geht es steil bergab. Peak-Oil Mexiko seit Jahren erreicht. Jetzt stellt euch ganz ohne Krieg, ganz friedlich wie in den USA 1971, wie in der Nordsee Peak Oil Saudi Arabien und Peak Oil Iran vor. Laut IEA müssen wir wegen Förderrückgänge bestehender Ölfelder bis 2030 Saudi Arabien 6 mal neu entdecken und erschließen. Wo kann man 6 mal Saudi Arabien neu entdecken? In Gegenden wo heute selbst bei US$ 150 das Barrel die Förderung unrentabel ist, in Gegenden die weitaus schwieriger sind, als bei der explodierten BP Ölplattform im Golf von Mexico. Hier die Lösung des Problems: Elektroauto, Photovoltaik, Bufferspeicher für Solarstrom. (http://wohnen.pege.org/2011-intersolar-byd/messestand.htm) Solarstrom ist sogar im wenig sonnigen Deutschland bereits billiger als Diesel OHNE Mineralölsteuer, OHNE MWST.
user56 30.06.2011
4. ja und?
Man kann es keinem Staat verdenken wenn er sich mit ABC-Waffen ausrüstet. Wenn der alle Menschen gleichberechtigt sind, dann haben auch alle Staaten ein Recht auf Atomwaffen. Alles andere ist übler Kolonialismus, Rassismus und Disriminierung. Die USA, Frankreich, UdSSR, GB, China, Israel, Indien und Pakistan haben schließlich auch alle Atomwaffen. Israel hat seine Atomwaffen vorallem auch durch deutsche und französische Hilfe bekommen. Die ständigen Mitglieder im Sicherheistsrat der UN, die alle über eigene Atomwaffen verfügen, haben in ihrer Geschichte alle auch Eroberungskriege geführt und die Überlegenheit ihrer Waffen - wenn sie gegeben war - brutal ausgenutzt.
Sackaboner 30.06.2011
5. Bedrohung
"Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec." Das ist der Grund, warum Deutschland im Iran trotz der Machtübernahme durch die Mullahs wirtschaftlich sehr stark engagiert ist. Bezüglich der Bedrohung durch die iranische Atombombe wird der Nachfolger Barack Obamas hoffentlich Klartext reden.
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