Angst vor Protesten Blair lässt Buch-Party platzen

Die Memoiren des früheren britischen Premiers Tony Blair verkaufen sich gut - provozieren aber auch wütenden Widerstand. Aus Angst vor Protesten musste Blair nun eine Feier und eine Signierstunde verschieben. Vor wenigen Tagen war er mit Eiern und Schuhen beworfen worden.

Früherer Premier Blair: "Ein netter Abend für Freunde und Familie" ist dahin
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Früherer Premier Blair: "Ein netter Abend für Freunde und Familie" ist dahin


London - Die Londoner Tate Modern ist das weltweit meistbesuchte Museum für moderne und zeitgenössische Kunst. Werke von Pablo Picasso sind hier zu sehen, von Andy Warhol und Salvador Dalì. Ein exklusives Ambiente - und offenbar genau der richtige Ort für den Großbritanniens Ex-Premierminister Tony Blair, um seine Autobiografie vorzustellen.

Doch die für Mittwoch geplante Buch-Party musste nun verschoben werden, ebenso eine für den gleichen Tag angesetzte Signierstunde. Der Grund: Demonstranten hatten Proteste angekündigt. Blair habe seine geladenen Gäste nicht den "unangenehmen Konsequenzen der Protestaktionen aussetzen wollen", sagte der Sprecher, da es "ein netter Abend für Freunde und Familie werden sollte". Einen neuen Termin nannte er nicht.

Die pazifistische Gruppe "Stop the war" hatte mit einer Demonstration vor der Kunstgalerie am Themse-Ufer gedroht, an der unter anderem die Modedesignerin Vivienne Westwood teilnehmen wollte. Die Absage der Feier zeige, dass Blair "langsam Angst bekommt", sagte eine Aktivistin.

Bereits am vergangenen Samstag hatten Demonstranten den Politiker vor einer Buchhandlung in Dublin mit Eiern und Schuhen beworfen, um gegen die britische Beteiligung am Irak-Krieg zu protestieren. Dazu hielten sie Plakate mit Parolen wie "Blair hat gelogen, Millionen sind gestorben" hoch.

In dem Buch mit dem Titel "A Journey" ("Mein Weg") verteidigt Blair seine Entscheidung, 2003 gemeinsam mit den USA in den Irak-Krieg zu ziehen. Die Erlöse aus dem Verkauf seiner Biografie will Blair einer Hilfsorganisation spenden, die schwerverletzte Kriegsveteranen unterstützt. Berichten zufolge erhielt er bereits vor Veröffentlichung des Buches umgerechnet 5,6 Millionen Euro Honorar. Wenige Stunden nach seiner Veröffentlichung sprang "A Journey" beim Internetbuchhändler Amazon auf Platz zwei der britischen Verkaufsliste.

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Tony Blairs Memoiren: Der "Pudel" packt aus

kgp/AFP/apn

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