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Junge Flüchtlinge in Afrika: Allein über die Grenze

Foto: JAMES AKENA/ REUTERS

Kongo Tausende Kinder fliehen vor Zwangsrekrutierung

Entwicklungshelfer schlagen Alarm: Aus Angst vor einem Einsatz als Soldaten flüchten immer mehr Kinder aus dem Kongo in die angrenzenden Länder. Oft schlagen sich die Minderjährigen allein durch - und landen krank und unterernährt in Notlagern.

Addis Abeba - Rettungsorganisationen in Afrika stellen einen beunruhigenden Trend fest. In der Demokratischen Republik Kongo sind laut der Kinderhilfsorganisation World Vision Tausende Kinder auf der Flucht. Sie versuchen so, einer Zwangsrekrutierung durch Rebellengruppen und dem Missbrauch als Soldaten zu entgehen.

In dem zentralafrikanischen Krisenland würden immer wieder Kinder entführt und gezwungen, für bewaffnete Gruppen und Militärs zu kämpfen. Deshalb überquerten zahlreiche junge Menschen mittlerweile ohne ihre Familien und auf sich allein gestellt die Grenzen in die Nachbarländer Ruanda und Uganda.

"Viele junge Menschen, die hier in den Flüchtlingslagern in Uganda ankommen, sind unter 15 Jahre alt. Sie wurden von ihren Eltern getrennt und wissen nicht, wie sie überleben sollen", sagte Stewart Katwikirize von World Vision Uganda.

Auch aus Ruanda berichten Hilfsorganisationen von einer zunehmenden Zahl von Kindern, die in den Camps eintreffen. Viele von ihnen seien krank und unterernährt und benötigten dringend medizinische Hilfe, hieß es. Mehrere Kinder seien bereits gestorben.

"Wir wissen, dass vor kurzem fast 200 Kinder von bewaffneten Gruppen entführt und gezwungen wurden, sich den Kämpfen anzuschließen", erklärte Dominic Keyzer, ein Mitarbeiter von World Vision im Kongo. Viele Kinder hielten sich seither in den Wäldern in Nord-Kivu im Osten des Landes versteckt.

In der Region war es in den vergangenen Monaten wieder verstärkt zu Gewaltausbrüchen gekommen. Regierungstruppen kämpfen dabei gegen Anhänger des früheren Rebellenführers Bosco Ntaganda, der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag unter anderem wegen Massenvergewaltigungen und des Einsatzes von Kindersoldaten gesucht wird. Weit über 100.000 Menschen sind seit April auf der Flucht.

Konys Miliz entführt fast 600 Kinder

Immer wieder kommt es in Zentralafrika zu Fällen von Zwangsrekrutierung Minderjähriger. Internationales Aufsehen erregte zuletzt der Rebellenführer Joseph Kony. Mit seiner Miliz Lord's Resistance Army (LRA) verbirgt sich dieser seit Jahren im Grenzgebiet von Uganda, Kongo und Südsudan. Inzwischen läuft eine internationale Jagd auf den mutmaßlichen Massenmörder, doch in dem kaum zugänglichen Gebiet entkommt Kony seinen Häschern immer wieder.

Trotz der jahrelangen Flucht gelingt es der LRA offenbar noch immer, im großen Stil Kinder zu entführen und als Soldaten zu missbrauchen. Im Juni war das Ergebnis einer Uno-Untersuchung bekannt geworden. Demnach wurden zwischen Juli 2009 und Februar 2012 mindestens 591 Kinder aus der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und dem Süden Sudans entführt.

Die entführten Kinder werden als Kindersoldaten, Spione, Wächter, Träger und Köche eingesetzt. Häufig werden sie gezwungen, enge Angehörige und Freunde umzubringen. Nach aktuellen Erkenntnissen verfügt Kony noch über 300 bis 500 bewaffnete Kräfte, rund die Hälfte davon seien Kindersoldaten, so der Uno-Bericht.

jok/dpa
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