Anhörung in US-Basis Mannings Anwälte werfen Gericht Befangenheit vor

Ihm wird Feindesunterstützung und die Weitergabe von Geheimnissen vorgeworfen - nun musste sich Bradley Manning erstmals vor einem Militärgericht äußern. Die Anwälte des mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten begannen die Anhörung offensiv: Sie fordern die Ablösung des Richters.

Demonstrant vor der US-Basis Fort Meade: Fairen Prozess gefordert
AFP

Demonstrant vor der US-Basis Fort Meade: Fairen Prozess gefordert


Fort Meade - Bradley Manning erschien im Tarnanzug und mit Brille im Verhandlungssaal - an der Seite seiner Anwälte. Eineinhalb Jahre nach der Festnahme wegen mutmaßlichen Geheimnisverrats an die Enthüllungs-Webseite WikiLeaks hatte der US-Soldat am Freitag seinen ersten Auftritt vor einem Militärgericht.

Bei dem Termin sollte überprüft werden, ob die Beweise für einen Prozess gegen Manning ausreichen. Seine Verteidiger warfen dem Gericht bei der Anhörung auf dem Stützpunkt Fort Meade nahe Washington Befangenheit vor.

Anwalt David Coombs forderte unter anderem die Ablösung von Ermittlungsrichter Paul Almanza, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Coombs bezweifelte, dass der Oberstleutnant der Reserve unvoreingenommen entscheiden könne, ob Manning der Prozess gemacht werde oder nicht.

Außerdem bemängelte er, dass Almanza zahlreiche prominente Namen von der Zeugenliste der Verteidigung gestrichen habe. Coombs wollte unter anderem US-Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton in den Zeugenstand rufen lassen. Die Anhörung wurde unterbrochen, um über den Antrag der Verteidigung zu beraten.

Zu Beginn des Gerichtstermins, der insgesamt mehrere Tage dauern könnte, hatte der Ermittlungsrichter Manning die Anklagepunkte vorgelesen. Diesem werden eine Reihe von Straftaten zur Last gelegt, darunter Verstöße gegen die militärischen Sicherheitsbestimmungen, Computerbetrug und der Diebstahl von Dokumenten. Laut Beobachtern bestätigte Manning dem Richter mit leiser Stimme, dass er die Art der Vorwürfe verstehe.

Vor der Militärbasis demonstrierten rund 50 Menschen für einen Freispruch Mannings. Sie hielten Schilder hoch mit dem Schriftzug "Befreit Manning". "Wir fordern einen fairen Prozess", sagte Dan Choi, einer der Protestierenden.

Schwerer Vorwurf der "Kollaboration mit dem Feind"

Am schwersten wiegt der Vorwurf der Feindesunterstützung, der theoretisch mit dem Tod bestraft werden könnte. Die Militärankläger hatten aber bereits erklärt, auf die Forderung nach der Todesstrafe zu verzichten. Nun droht Manning im Fall einer Verurteilung lebenslange Haft.

Manning steht im Verdacht, mehr als 250.000 geheime Depeschen des diplomatischen Dienstes der USA an WikiLeaks weitergegeben zu haben. Im März 2011 war Manning nach US-Medienberichten in 22 weiteren Punkten angeklagt worden.

Das Verteidigungsministerium der USA hält Manning für einen Verräter. Der Geheimdienst-Analyst hatte während seiner Dienstzeit im Irak Zugang zu Hunderttausenden vertraulichen Dokumenten.

jok/dpa/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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schnitti23 16.12.2011
1. Kollaboration mit dem Feind
..und der Feind ist die Öffentlichkeit, die die von den Schweinereien nichts wissen darf.
drouhy 16.12.2011
2. Offensichtlich
Zitat von sysopIhm wird Feindesunterstützung und die Weitergabe*von Geheimnissen vorgeworfen - nun musste sich Bradley Manning erstmals vor einem Militärgericht äußern. Die Anwälte des mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten begannen die Anhörung offensiv: Sie fordern die Ablösung des Richters. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804314,00.html
kommen nicht die richtigen Leute vor Gericht: - Aggressoren, die Völkerrecht brechen - Ladys, die andauernd Konflikte schaffen - Staatsführer, die Menschen ohne Urteil exekutieren lassen Die Liste wäre lang - nur verwandelt sich mein ehemaliges Vorbild in puncto Demokratie und Freiheit gerade in eine Diktatur mit stark brauner Färbung.
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