Anschlag in Ankara Türkei will Sicherheit verbessern - sagt aber nicht, wie

Wer ist für den Anschlag in Ankara verantwortlich? Die Regierung verdächtigt den "Islamischen Staat". Das Land will die Sicherheitsmaßnahmen erhöhen.

Eine Frau streckt Polizisten in Ankara eine Blume entgegen: Todeszahl noch unklar
AFP

Eine Frau streckt Polizisten in Ankara eine Blume entgegen: Todeszahl noch unklar


Als Reaktion auf den Bombenanschlag in Ankara mit mindestens 97 Toten will der türkische Innenminister Selami Altinok die Sicherheit im Land erhöhen. Altinok sagte laut TV-Sender CNN Turk, man habe die Lektionen aus den Attentaten gelernt. Details wurden zunächst nicht bekannt. Am Samstagmorgen war es bei einer Friedensdemonstration in der türkischen Hauptstadt zu zwei Explosionen gekommen. Selbstmordattentäter sprengten sich vor dem Hauptbahnhof in die Luft.

Die Zahl der Todesopfer könnte weiter steigen: Die Regierung spricht von 97 Opfern, die legale kurdische Partei HDP geht hingegen von 128 Toten aus. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

Zu der Friedensdemonstration, bei der die Menschen gegen den Konflikt zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Regierung demonstrieren wollten, hatten die HDP und andere regierungskritische Gruppen aufgerufen. Die HDP sah sich als Ziel des Anschlags und machte der politischen Führung des Landes schwere Vorwürfe. Am Montag gab die Partei bekannt, aus Sicherheitsgründen die Absage aller Wahlkampfveranstaltungen vor der Parlamentswahl am 1. November zu erwägen.

Bislang hat sich allerdings noch niemand zu dem Anschlag bekannt. Die türkische Regierung verdächtigt die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), hinter dem Blutbad zu stecken. Sicherheitskräfte nahmen vier Männer fest, die dem IS angehören sollen. Inwiefern sie in den Anschlag verwickelt sein könnten, wurde aber nicht bekannt gegeben. Zu der Identität der Selbstmordattentäter gibt es ebenfalls noch keine Details. Premier Ahmet Davutoglu sagte dem Sender NTV am Montag, man sei kurz davor, einen der beiden Selbstmordattentäter identifizieren zu können.

Warnung vor Eskalation

Am Sonntag versammelten sich Tausende Menschen in Ankara, um der Opfer zu gedenken. Auch in Deutschland gab es mehrere prokurdische Demonstrationen, unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und Stuttgart.

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Anschlag in Ankara: Trauer und Wut
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, warnte nach dem Bombenanschlag vor gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und nationalistischen Türken in Deutschland. "So wie die Stimmung jetzt gerade in der Türkei ist, befürchte ich eine weitere Eskalation auch hier", sagte er der "Berliner Zeitung".

vks/Reuters

insgesamt 37 Beiträge
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Kezman9 12.10.2015
1.
Was soll dieser Zusatz bedeuten "...die legale HDP..."? Mein Gott, wenn die sich mal deutlich von der PKK distanzieren würden, wären se nicht verhasst. Doch als politischer Arm der PKK hat man eig die Existenz als Partei verwirkt! Ihre Meinung nach, galt der Anschlag der HDP und den Kurden, aber dabei leugnen sie die anderen Teilnehmer. Es waren CHP Mitglieder, Lehrer- und Arbeitergewerkschaften, linke und kommunitische Parteien vertreten. Über die redet keiner. Sonst könnte man nicht "Erdogan vs Kurden" schreiben.
Meconopsis 12.10.2015
2.
Es ist immer sehr verdächtig, wenn es so schnell zu Festnahmen kommt.
realistano 12.10.2015
3. Gewalt
Wer Gewalt sät , der ernten bekanntlich Gewalt. Meine Vermutung: Türkische Geheimdienst hat die ISIS beauftragt, die Bomben anzuzünden, da die meisten Opfer wahrscheinlich Anhänger der kürdischen Arbeiterpartei sind.
Levend 12.10.2015
4. Türkei will Sicherheit verbessern - Erdogans Lösung
Erdogan sagte doch schon bei der letzten Wahl: gebt mir (der AKP) 400 Abgeordnete, und die ganze Angelegenheit wird friedlich ausgehen... Abgesehen davon, dass er als neutraler, überparteilicher Staatspräsident keine Wahlpropaganda für seine AKP zu machen, dürfte die Drohung klar aus seinen Worten herauszulesen sein: wenn die AKP keine 400 Abgeordneten bekommt, somit Erdogan sich nicht zum allmächtigen Präsidenten/Sultan küren lassen kann, wird das Volk seine Wahlentscheidung bereuen. Und dann will die Türkei bzw. hier die AKP die Sicherheit verbessern? Weiterhin gute Träume!
realistano 12.10.2015
5. Die
Türkei ist auf einem sehr gefährlichen Weg, nämlich sich von Rechtstaatlichkeit weg in eine Polizeistaat umzuwandeln. Die Folgen wären für die Türkei und für die Region fatal. Ein Viertel des egenen Bevölkerung zum Teufel zu jagen , das geht irgendwann in die Hose. Die einezige Lösung ist die Kurden als Volk voll anzuerkennen und sie auch ander Staat zu beteiligen, sonst endet dies in eine Katastrophe.
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